Ach, wäre er doch nur US-Präsident geworden

von Lukas Sustala / 27.04.2015

Yanis Varoufakis rides again. Auf Twitter und auf Project Syndicate schreibt der griechische Finanzminister einen Sturm der Entrüstung herbei, indem er sich mit Franklin D. Roosevelt (FDR) vergleicht und seine Reformen für Griechenland mit dem New Deal:

Dass sich Varoufakis mit dem US-Präsidenten aus den 1930er Jahren vergleicht, kommt nicht von ungefähr. In seinen Büchern lobt er stets den New Deal als Antwort auf eine schwere Krise. Doch sein Vergleich könnte nicht mehr hinken: Roosevelt riss das Ruder der USA herum, einem Land mit einer souveränen Geldpolitik, als sich weltweit eine kriegsbedingte Industrialisierung abzeichnete.

Nun könnte man natürlich höchst zynisch sein. Mit Varoufakis ist wieder ein Finanzminister zu schön, zu reich und zu intelligent für seinen Job. Als US-Präsident würde sich der Ökonomieprofessor vielleicht wohler fühlen. Doch während Griechenland angesichts eines Bankencrashes in Zeitlupe und einem zerfallenden Budget auf die Alternative einer Parallelwährung hinsteuert, baut Yanis Varoufakis diesem Szenario schon einmal vor und begibt sich in ein Paralleluniversum.

Varoufakis aber kann es sich nicht aussuchen in der wirklichen Welt. Er ist Herr über die Finanzen in einem Land, das seine souveräne Geldpolitik aufgegeben hat, in großem Ausmaß bei internationalen Geldgebern verschuldet ist und dem seine eigenen Sparer zusehends misstrauen. Varoufakis ist in einer gänzlich anderen Lage als es je ein US-Präsident war, und die wohl mit mehr Konsens statt Konfrontation zu lösen wäre.

Stattdessen verschärft Varoufakis die Probleme in seinem Land und bringt selbst ehemalige Partner oder Griechenland wohlgesonnene EU-Länder gegen sich auf. Am Ende braucht Griechenland vielleicht einen neuen Finanzminister. Dieser könnte in die Geschichtsbücher vielleicht als der griechische FDR eingehen.