Andreas Ludwig zum Standort Österreich und zur besonderen Stärke von Umdasch

von Matthäus Kattinger / 04.05.2015

Andreas Ludwig leitet seit Herbst 2010 den aus Schalungstechnik (Doka) und Ladenbau (Shopfitting) bestehenden Umdasch-Konzern Davor war Ludwig Generaldirektor der Zumtobel-Gruppe, davor Investmentbanker bei UBS, noch früher Geschäftsführer der Tyrolit Schleifmittelwerke Swarovski.

Ludwig zur Arbeitszeitflexibilisierung und dem Modell Umdasch

Zunächst muss die Frage geklärt werden, ob man sich als Unternehmen die Überstundenzuschläge leisten kann oder nicht. Kann man sie sich nicht leisten, dann wird es extrem schwierig, denn dann wird das „Killer-Argument“ in Stellung gebracht, dass die Unternehmen die Flexibilisierung nur deshalb wollen, um sich Überstundenzuschläge zu ersparen. Wenn aber ein Unternehmen sagt: Ja, ich kann mir die Zuschläge leisten, wir bekommen durch die Mehrarbeit eine derartige Kostendegression, dann ist das okay. Das ist auch bei Doka der Fall.

Für uns ist jedoch die konjunkturelle Flexibilität die entscheidende Frage. Wir wollen die Auftragsschwankungen nicht über eine Woche oder einen Monat, sondern über den Konjunkturzyklus ausgleichen. Unsere riesigen Schwankungen beruhen auf unserem Geschäftsmodell, dem Verleih von Schalungen. Wir bei Umdasch/Doka haben überhaupt kein Interesse daran, unsere gut ausgebildeten Mitarbeiter kündigen zu müssen. Ich verstehe aber auch, dass die Mitarbeiter ein gleichmäßiges Einkommen wollen. Unsere Betriebsvereinbarung berücksichtigt mit dem Zeitkonto und dem gleichmäßigen Einkommen die Anliegen beider Seiten. Es könnten wohl bei viel mehr Unternehmen auf diese Art und Weise die unterschiedlichen Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern besser vereinbart werden, ließe man beide nur selbst tätig werden.

Generell sollte man (bzw. wird in Zukunft wohl müssen) viel mehr Rücksicht darauf nehmen, wann jemand arbeiten will. Manche machen das lieber am Abend, manche wollen nur zu herkömmlichen Zeiten arbeiten. Unsere Kollektivverträge messen aber alles an „normalen Arbeitszeiten“, alles andere sind dann Überstunden bzw. Zuschläge. Das wird auf Dauer nicht zu machen sein. Auch was Überstunden betrifft, muss das eine Entscheidung des Arbeitnehmers und nicht der Gewerkschaft sein. Es muss legitim sein, dass beispielsweise ein junger Mensch mehr arbeiten will, es wäre völlig unsinnig und unlogisch, auch das reglementieren zu wollen.

Ludwig zu Facharbeitern

Engpässe gibt es nicht nur bei Facharbeitern, sondern fast überall. Etwa auch bei spezialisierten Angestellten oder bei technischen Berufen. Sollte die Konjunktur wieder anziehen, wird sich das massiv verschärfen. Das gilt vor allem für unsere Region. So berichtet etwa der renommierte Profile-Hersteller Welser, dass er nur mit einer Auslastung von einem Drittel fahren kann, weil er keine Werkzeugmacher bekommt. Das ist ein schon ein Wahnsinn, dass so ein Vorzeigeunternehmen mit derart hoher Wertschöpfung, mit bester Infrastruktur, nicht einmal für derart spannende Jobs Leute bekommt. Auch von den Technischen Fachhochschulen fehlt der Nachschub. Wir fangen jetzt an, in Indien und Mexiko Engineering Centers aufzubauen. Nicht deshalb, weil es billiger ist, sondern weil wir dort noch Ingenieure bekommen, die jene Engineering-Leistungen erbringen können, die wir in der Region kaum mehr finden.

Ludwig zu Industriestandort

Österreich hat eine gute Industriestruktur und noch immer eine tolle Ausgangsposition mit vielen Hidden Champions in unterschiedlichen Branchen. Nur wenn die Rahmenbedingungen sich immer mehr verschlechtern (Stichworte Flexibilität, Kosten, schlechtere Ausbildung), dann ist die Gefahr groß, dass es zu Abwanderungen kommt. Das ist wie eine Feder, die immer stärker gespannt wird, irgendwann passiert es – und dann geht das Unternehmen. Wenn sich ein Hidden Champion entschließt zu gehen, dann ist er unwiderruflich fort.

Ludwig zur Frage, was das Intelligente an Schaltafeln ist

Jeder Laie assoziiert mit Doka Schaltafeln und fragt sich: Wie kann man mit gelben Brettern so viel Geld verdienen? Dass wir weltweit die Besten sind, das liegt nicht so sehr an den Schaltafeln, sondern daran, dass wir die Engineering-Lösung für das Schalungs- Problem verkaufen: Wie baue ich intelligenter und schneller mit Beton? Das ist es, was wir verkaufen, also beispielsweise selbstkletternde Schalungen. Es steckt sehr viel Intelligenz im modularen Aufbau des Produkts. Die Schaltafeln sind quasi die mittlere Technologie, die Engineering-Lösung aber ist die Spitzentechnologie.

Umgelegt auf Österreich kann das Erfolgsrezept nur lauten: Suche dir eine Nische, spezialisiere dich. In der Nische, in der Spezialisierung musst du dann aber wirklich Weltklasse werden. Wer bei der Technologie nur Mittelklasse ist, den schlagen jene, die von den Skalenerträgen und Kosten her besser sind.

Was die internationale Arbeitsteilung betrifft, ist Doka untypisch für Österreich (wo viele führende Unternehmen erst durch den Bezug von günstigen Vorleistungen aus Reformstaaten ihre Standorte in Österreich sichern). Das Einzige, was wir zentral machen, sind die Schaltafeln selbst, die stellen wir in der Slowakei her. Sonst verfügen wir über ein sehr dezentrales, weltweites Servicenetz. Wir haben einen sehr hohen Automatisierungsgrad. Das ist auch der Grund, warum die Lohnkostentangente niedrig bleibt, wir uns auch Überstunden leisten können.