Dirigentin Elisabeth Fuchs

Beatbox im Musikverein

von Carolina Vinqvist / 13.03.2015

Dirigentin Elisabeth Fuchs debütierte vergangenen Samstag im Wiener Musikverein und überraschte am Ende das gesamte Publikum.

Herakles’ Weg zurück in den Olymp führt vorbei an zahlreichen Hindernissen und Prüfungen. Riesige weiße Statuen an der Wiener Hofburg erinnern an den Kampf mit der Hydra oder an seine Befreiung des Prometheus. Erst nachdem er alle zwölf Aufgaben erfolgreich löst, darf er wieder unter Göttervater Zeus, Athene, Apoll und Co. verweilen. Im Olymp der klassischen Musik geht es ähnlich zu. Wer den großen goldenen Wiener Musikvereinssaal betreten möchte, muss zwar niemanden umlegen, aber wohl doch musikalisch umhauen. Für Elisabeth Fuchs war es vergangenen Samstag so weit. Die künstlerische Leiterin der Salzburger Kulturvereinigung debütierte mit Stücken von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Wolfgang Amadeus Mozart. Energisch betrat sie das Dirigentenpodest, lächelte ihr Orchester mutzusprechend an, holte tief Luft und entführte die Zuhörer dann in eine Klangwelt aus Klaviersolos gespielt von Stefan Arnold bis hin zu schwungvollen Taktwechseln, scharfen Violin-Doppelpunktierungen und melancholischen Crescendos.

Mut zu Neuem

Trotz ihrer eindrucksvollen Karriere bleibt die zweifache Mutter bodenständig. Ihre Interpretationen klassischer Meisterwerke sind geprägt von Authentizität und dem Mut neu zu denken, ohne das Alte zu verwerfen. Nach ihrem Debüt gönnt sie jedem Musiker ihres Orchesters seine Anerkennung, bescheiden hält sie sich im Hintergrund, doch der tosende Applaus fordert die erste Zugabe. Passend zu der vorösterlichen Zeit ertönt Bachs „Matthäus Passion“. Noch immer lässt der Applaus des Publikums nicht nach, es folgt die zweite Zugabe. Und was dann kommt, ist so wunderbar wie unerwartet: Ab der Hälfte des dritten Satzes aus Mozarts Salzburger Sinfonie werden plötzlich die Instrumente beiseitegelegt. Das Orchester beendet die Sinfonie a cappella. Elisabeth Fuchs gibt den sonst schweigenden Streichern, Bläsern und Trommlern Stimme, das Stück durch dynamische Lippenbewegungen, gemischt mit vibrierendem Summen zu beenden. An dem Abend hat die gebürtige Oberösterreicherin nicht nur Mut bewiesen, sondern auch alle Hürden überwunden. Herzlich willkommen im Olymp.

Alle kommenden Konzerte finden Sie auf Elisabeth Fuchs’ Webseite.

Das nächste Konzert in Wien findet am 23. April 2016 im Konzerthaus statt. Unter dem Motto „Best of Hollywood“ werden diverse Stücke aus Filmen von Chicago, James Bond, Fluch der Karibik bis Titanic oder Mission Impossile gespielt.