Das Herrl im Amt und die hündischen Bürger

von Michael Fleischhacker / 21.05.2015

Der österreichische Staat hat einen Großangriff auf die Freiheit seiner Bürger gestartet. Die nehmen das in der hündischen Haltung hin, in der man sie seit Jahrzehnten abrichtet: winseln, knurren, Wadel beißen.

Registrierkassenpflicht, Abschaffung des Bankgeheimnisses, Antidiskriminierungswahn: Wo er kann, geht der österreichische Staat gegen die Freiheit seiner Bürger vor. Er fordert Transparenz unter dem Motto „Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten“, denkt aber nicht daran, dasselbe Prinzip auch auf das Handeln von Politikern und Behörden anzuwenden. Die Idee, dass Politik und Verwaltung den Bürgern Rechenschaft schuldig wären, gilt als psychopathologischer Befund.

Die Reaktion der Bürger sieht so aus, wie man sich das nach sieben Jahrzehnten Abrichtung durch einen allzeit entmündigungsbereiten Vollversorgungsstaat erwarten darf: hündisch.

Man winselt bei jeder Gelegenheit das Herrl an, es möge doch Abhilfe schaffen von den Unbilden des Lebens. Wer aufs Land zieht, um dort billiger und größer wohnen zu können, erwartet, dass ihm das Herrl im Amt die Fahrtkosten ersetzt. Egal, ob es zu heiß, zu kalt, zu voll oder zu leer ist: Mit einem treuherzigen Blick und einem herzzerreißenden Klagelaut wird um Hilfe gebettelt. Und das Herrl im Amt tut, was es kann. Ist ja für einen guten Zweck, und man kriegt auch so viel zurück. Sind sie nicht herzig, die Bürgerhunderln, wenn sie hecheln und sabbern vor Glück, dass ihnen einer sagt, wo’s langgeht?

Nicht so lustig findet es der canis civilis, wenn sich andere Fresswillige beim Staatsnapf einfinden, um Ansprüche anzumelden. Da wird dann geknurrt über Sozialschmarotzer, Simulanten, Scheininvalide und was es halt so gibt in einer Gesellschaft, in der sich der Wettbewerb im Wesentlichen darauf beschränkt, die überzeugendste Opferbiografie vorzuweisen. Der Stolz des gemeinen Staatshaushundes bezieht sich bekanntlich darauf, auch in der Unterwürfigkeit noch der größte zu sein.

Darum hat man im Bürgerrudel auch eher wenig Verständnis für die arroganten Schnösel, die glauben, sie wären was Besseres und müssten auf individuelle Ernährung umstellen. Wer sich auf zwei Beine stellt, um sich vom Staatsnapf zu entfernen, muss jederzeit mit einem herzhaften Biss in die Wade rechnen. Da kann sich das Herrl im Amt voll auf seine Bürgerhunderln verlassen: Ohne Schrammen kommt in diesem Land keiner davon, der glaubt, er könne die Machtverhältnisse zwischen Amt und Bürger korrigieren.

Man muss der politischen Klasse in diesem Land auf einer Metaebene sogar ein gewisses Maß an Bewunderung entgegenbringen. Mehrere Millionen Menschen, die über die Informationsmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts verfügen, mithilfe einer an außereuropäische Autokratien gemahnenden Propagandamaschinerie so gefügig zu halten, dass sie, wenn sie denn arbeiten, mehr als die Hälfte dessen, was sie erwirtschaften, ohne großes Murren den staatlichen Institutionen überlassen, ist objektiv betrachtet eine Leistung.

Im Prinzip kann jeder wissen, dass derzeit Menschen per Gesetzgebung und Exekutive über die Rahmenbedingungen unseres täglichen Lebens entscheiden, denen dazu so gut wie jede Qualifikation fehlt. Aber es will kaum noch jemand wissen. Zu anstrengend. Ist doch eh schön bei uns.

Kärnten pleite gehen lassen? Wer weiß, was das für den Wörthersee bedeutet. Lohnnebenkosten senken? Keine Ahnung, was das überhaupt sein soll. Freue mich schon auf den Songcontest. Super, dass wir jetzt so weltoffen sind.

Vielleicht ist es ja wirklich so, dass jedes Rudel in dem Käfig sitzt, den es verdient.