Das hört sich nach einem stärkeren Beben an

von Michael Fleischhacker / 10.06.2015

Unter der lächerlichen Oberfläche der österreichischen Operettenliga ist ein lauter werdendes Grollen zu hören.

Interessant: Diesen Mittwoch kann man den Eindruck haben, dass es in diesem Land so etwas wie Politik gibt. In der Nacht davor hatte Heinz-Christian Strache die Salzburger FPÖ-Spitze politisch exekutiert, gegen Mittag wurde die „Selbstopferung“ (so Gerfried Sperl in seinem nicht ganz unpathetischen Kommentar) des Franz Voves bekannt, der nun doch zurücktritt und Hermann Schützenhöfer den LH-Sessel überlässt; und für denselben Tag wurde die Präsentation des neuen SPÖ-Bundesgeschäftsführers angekündigt (und nein, es wurde dann doch nicht Franz Voves, sondern Gerhard Schmid).

Sieht man davon ab, dass die Stilisierung von Franz Voves zum Spartanerkönig Leonidas, der gemeinsam mit 300 getreuen Roten die Grazer Burg bis zum letzten Blutstropfen gegen das blaue Millionenheer des Xerxes Kunasek verteidigt, ein bisserl lächerlich ist: Hinter den teils komischen, teils absurden, teils grindigen Vorgängen der österreichischen Innenpolitik – demnächst dürften übrigens vier weitere Mandatare des Team Stronach in den ÖVP-Klub wechseln – lauert etwas.

Das ist tatsächlich der Eindruck, der sich vor dem Hintergrund eines Vierteljahrhunderts Politikbeobachtung bei mir einstellt: Da ist nach den Landtagswahlen in der Steiermark und im Burgenland etwas ins Rollen und Grollen gekommen, das sich entfernt wie ein größeres Beben anhört. Unter der lächerlichen Oberfläche der österreichischen Operettenliga gärt es, Angst ist im Spiel, immer mehr Akteure scheinen intuitiv zu erfassen, dass das nur der Beginn von etwas Größerem, Gefährlichem gewesen ist.

Was sich da unter der Oberfläche rührt, lässt sich in den gelernten Kategorien der sogenannten parteipolitischen Strategie und Taktik nicht mehr wirklich erklären. Ob Voves sich geopfert hat wie Leonidas, oder Niessls Pakt mit dem Gottseibeiuns unvermeidlich war: Nebbich. Was da zu hören ist, kommt nicht aus den Parteizentralen, sondern aus den demokratischen Eingeweiden. Und es hört sich nicht sehr gesund an.

Was am Ende kommt? Keine Ahnung. Es sieht jedenfalls ein wenig so aus, als würde der amtierende Bundeskanzler nicht mehr viele Jahreswechsel in diesem Amt hinter sich bringen.

Soll nix Schlimmeres passieren.