Das Milliardengeschäft mit dem All

von Elisabeth Oberndorfer / 22.01.2015

Urlaub im Weltall, Leben auf dem Mars: Visionen wie diese wurden in der Vergangenheit belächelt und als Spielwiese von Milliardären wie Richard Branson abgetan. Unternehmer Elon Musk lässt jetzt jedoch einen Traum aus den 90er Jahren wiederauferstehen: Breitband-Internet über Satelliten.

Die Kommerzialisierung des Weltalls

SpaceX ist neben Tesla Musks zweites Start-up – und wurde bislang gerne übersehen. Anstatt elektrobetriebene Fahrzeuge entwickelt das im südkalifornischen Hawthorne angesiedelte Unternehmen Raketen, die im Vergleich zu anderen Luftfahrtmaschinen günstiger produziert und wieder eingesetzt werden können. Für die NASA ist SpaceX mittlerweile ein wichtiger Dienstleister – und ein Zugeständnis, dass der Weltraum kommerzialisiert wird.

Diese Woche erhielt das Weltall-Start-up erstmals Aufmerksamkeit von der breiten Öffentlichkeit. Gründer Musk legte bei einer geschlossenen Veranstaltung den Plan vor, in den nächsten Jahren Satelliten zu bauen, die 750 Meilen über der Erde für Internetverbindung sorgen. Wenige Tage später war klar, wer dieses Vorhaben finanziell unterstützt: Google und die VC-Firma Fidelity Ventures beteiligen sich mit einer Milliarde US-Dollar an dem 2002 gegründeten Unternehmen und erhalten dabei offiziellen Angaben zufolge knapp zehn Prozent.

Internet-Satelliten: 20 Jahre alte Idee

Damit ist SpaceX mehr als zehn Milliarden US-Dollar wert. Ebenso viel soll die Umsetzung des Space Internet-Projekts kosten. 4.000 Satelliten sollen produziert und in fünf Jahren ins All geschickt werden. Neu ist die Idee nicht: Vor 20 Jahren plante ein Unternehmen namens Teledesic, 840 Internet-Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schicken. 2002 wurde das von Bill Gates finanzierte Projekt jedoch eingestellt.

Musks größter Mitbewerber im Rennen um die Weltraum-Eroberung ist Virgin Atlantic. Gründer Richard Branson hat mit seiner Space-Sparte kürzlich ein ähnliches Vorhaben unterstützt: OneWeb plant, vorerst 648 Mikrosatelliten für den Aufbau von schnelleren Datenverbindungen umzusetzen. Das zwei Jahre alte Unternehmen begründet das Vorhaben damit, flächendeckenden Internetzugang in allen Regionen der Erde anzubieten.

Pragmatischer ist der Ansatz von SpaceX, für Elon Musk ist das Internet aus dem All nur Mittel zum Zweck. Mit dem Projekt will das Start-up Geld verdienen und so die Kolonialisierung des Mars finanzieren. „Das wird jede Menge Geld kosten. Und dafür brauchen wir Dinge, die viel Geld einbringen“, erklärte der CEO bei seiner Präsentation.

Mars als wichtigste Mission

Konkret will der Unternehmer eine Kolonie mit eigenständigem Leben am Mars aufbauen. Trotz der Kommerzialisierung räumt Musk der NASA im Interview mit CNN große Relevanz ein: „Die NASA wird einen wichtigen Teil dazu beitragen.“ Die Raumfahrtbehörde hat erst kürzlich einen Weg gefunden, den Planeten schneller und kosteneffizienter anzusteuern.

Ein Konkurrent für SpaceX ist neben Virgin Galactic auch Boeing. Der Flugzeughersteller beliefert mit seiner Weltraumtechnik ebenfalls die NASA und befindet sich deswegen im Dauer-Clinch mit SpaceX. Dass Musk jetzt einen neuen Standort mit bis zu 1.000 Beschäftigten in Seattle, dem früheren Heimatort und heute noch einem der wichtigsten Produktionsstandorte des Konzerns, eröffnet, dürfte zusätzlich Stoff für Konflikte bieten. Dennoch finden sich die Partner Ende Januar für ein gemeinsames Projekt zusammen. Wie die NASA informiert, stellen die drei Unternehmen neue Entwicklungen für den sicheren Transport von Astronauten zur International Space Station (ISS) vor.

Schaffen Richard Branson oder Elon Musk tatsächlich Lebensbedingungen auf einem anderen Planeten, so gibt es dann wahrscheinlich auch Tourismusangebote. Die Space Tourism Society entwickelt seit 1996 Konzepte für den Urlaub im All. 2013 kündigte der Payment-Riese PayPal an, gemeinsam mit der Organisation eine Währung für das Weltall zu entwickeln. Die dafür eingerichtete Website ist jedoch nicht mehr erreichbar, das Projekt scheint zumindest vorübergehend auf Eis gelegt zu sein. Der Weltraumtourismus und Internetverbindung über das All sind keinesfalls mehr eine Utopie, sondern nur noch eine Frage der Zeit.