Der Häuplmichl ist schon ein Lustiger. Oder?

von Michael Fleischhacker / 11.02.2015

Es hat dem Bürgermeister der Hauptstadt gefallen, der Welt eine Demonstration jener Mischung aus Weltangewidertheit, proletoider Arroganz und Demokratieverachtung zu geben, die gewissermaßen das persönliche Regierungsprogramm des Michael Häupl ausmachen.

In Wien wird ja seit Monaten über den tatsächlichen Termin der nächsten Landtags-/Gemeinderatswahl gerätselt, die spätestens im Oktober stattfinden muss. Frühestens kann sie im Juni stattfinden, aber auch nur dann, wenn der Landtag/Gemeinderat innerhalb der kommenden drei Wochen einen entsprechenden Beschluss fasst.

Nun musste sich der Bürgermeister dieser Tage im Zusammenhang mit einer anstehenden Wahlrechtsreform über seinen an sich eher handzahmen grünen Koalitionspartner ärgern. Die grünen Kinder taten nicht so, wie der rote Papa wollte, und das mag der rote Papa nicht.

Ist er nämlich nicht gewohnt, der rote Papa. Die Wiener Medien, die in den vielen Jahren, in denen es dank der absoluten Mandatsmehrheit keines Koalitionspartners bedurfte, für Widerspruch hätten sorgen können, taten das nicht. Sie fressen Michael Häupl aus der Hand, weil er sie mit Dutzenden Millionen an städtischen Werbegeldern füttert, und lustig finden sie ihn wahrscheinlich auch.

Und weil er sich, wie gesagt, gerade ärgern musste, da sagte der Wiener Bürgermeister, dass er den Wahltermin schon kenne, aber nicht verrate.

Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten, mit so etwas umzugehen: Man nimmt es ernst oder eben nicht.

Wenn man es ernst nimmt, was vermutlich in entwickelten Ländern mit einem ebenso entwickelten demokratischen Bewusstsein seiner Bürger eher der Fall wäre, würde man einem Mann, der auf so aufreizende Art erklärt, wie sehr ihm die demokratische Entscheidung seines Landesparlaments am Hinterteil vorbeigeht, weil die Nickmaschinen ohnehin tun werden, was er sagt, zuerst eine Nachschulung in gutem Benehmen und dann den Rücktritt nahelegen.

In Österreich im Allgemeinen und in Wien im Speziellen nimmt man es lieber nicht ernst. Hier sagt man, wenn man überhaupt den Eindruck hat, dass es mit einer solchen Aussage ein Problem gibt, höchstens: So ist er halt, der Häuplmichl, hehe. Aber ein Lustiger ist er schon auch, oder?

Nein, ist er nicht.