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Randnotiz

Der Herr Wallner und die 47 Syrer beim AMS

von Julia Herrnböck / 16.12.2015

Die Aussage des Vorarlberger Landeshauptmanns Markus Wallner (ÖVP), die Flüchtlinge in Österreich hätten weit weniger Qualifikation als angenommen, basiert offensichtlich auf der Analyse von 47 Menschen aus Syrien, die beim AMS vorgemerkt sind. Nach Veröffentlichung des Artikels meldete sich das Büro des Landeshauptmanns: Grundlage sei eine Auswertung des AMS Österreich vom August gewesen. 

Der schwarze Landeshauptmann Markus Wallner behauptete am Dienstag beim Regierungsfoyer in Bregenz, die Qualifikation der Syrer sei „deutlich niedriger als erwartet“. Nur jeder zweite könne einen Pflichtschulabschluss vorweisen. Wallner berief sich dabei auf „österreichweite Zahlen“ und das AMS Vorarlberg. Der ORF veröffentlichte die Prognose des Landeshauptmanns am Mittwoch mit dem Titel „Flüchtlinge weniger gut qualifiziert als erwartet“.

Die konkrete Analyse bezieht sich demnach nur auf 47 Personen, acht Frauen und 39 Männer aus Syrien, die beim AMS Vorarlberg vorgemerkt sind. Eine etwas dürftige Basis für einen bundesweiten Trend, wie der Landeshauptmann ihn ausgerufen hat. Wegen der Landtagssitzung war Wallner am Mittwoch telefonisch nicht erreichbar.

Im Vergleich zu anderen Konventionsflüchtlingen, etwa aus Afghanistan oder Somalia, würden Syrer durchschnittlich eine höhere Qualifikation mitbringen. Natürlich seien auch Ärzte darunter, aber deren Abschlüsse seien in Österreich nicht anerkannt. „Das wichtigste für alle sind jedoch Deutschkenntnisse. Ohne die ist kaum jemand vermittelbar, egal für welche Arbeit“, sagt der Vorarlberger AMS-Chef Anton Strini.

Den größten Bedarf an Arbeitskräften im Ländle gebe es derzeit in der Sparte Tourismus. Köche und Zimmermädchen würden ebenso gebraucht wie Kraftfahrlenker im Fern- und Nahverkehr. Im Fachkräftebereich sei die Metall- und Elektrobranche auf Nachwuchs angewiesen; deswegen werde mit den jungen Flüchtlingen daran gearbeitet, möglichst bald in Ausbildungen und Lehren einsteigen zu können, sagt Strini.

2016 könnten rund 800 bis 850 Flüchtlinge in Vorarlberg Arbeit suchen, schätzt der AMS-Chef; der Großteil davon Syrer und etwa ein Viertel unter 20 Jahren. Am Dienstag wurden in Bregenz drei Pilotprojekte vorgestellt, in denen Kompetenzen und Qualifikationen je nach Altersgruppe vermittelt werden sollen. In den kommenden zwei Jahren sind dafür 3,3 Millionen Euro budgetiert, die Caritas ist mit an Bord.

Nachtrag: Der Sprecher von Markus Wallner meldete sich nach Veröffentlichung des Artikels, der Landeshauptmann habe sich bei der Pressekonferenz am 15. Dezember auf eine Auswertung vom August 2015 des AMS Österreich und der APA bezogen. Das sei in der Berichterstattung des ORF nicht rausgekommen. Die Daten aus Vorarlberg seien ein eigenes Thema und hätten zu speziellen Maßnahmen für die Integration von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt geführt. „Die Botschaft sollte sein, dass wir jetzt damit beginnen“, betont der Sprecher. 

Hier das Dokument vom August