Der Nerd ist tot: Facebook-CEO Mark Zuckerberg will das Internet regieren

von Elisabeth Oberndorfer / 26.03.2015

Die Welt ist nicht genug. Das vermittelte der Gründer des Social Networks beim Konferenz-Spektakel F8 in San Francisco.

Eine Familie kann man sich nicht aussuchen

Fast unbemerkt und ohne große Ankündigung springt er auf die Bühne. Die Fanboys in den ersten Reihen greifen mit den Händen nach ihm und jubeln. Die Körpersprache ist so selbstbewusst wie noch nie in seiner zehnjährigen Karriere, und auch die Phrasen sitzen. „Danke, dass ihr euch entschieden habt, mit uns zu arbeiten“, begrüßt Mark Zuckerberg das Publikum. Rund 2.500 Entwickler aus der ganzen Welt haben sich diese Woche in San Francisco versammelt, um bei der Konferenz F8 die Neuheiten von Facebook kennenzulernen. Dabei ist das Portal kaum mehr eine Wahl, sondern eine Pflicht. Das weiß der CEO, und strebt mit seinen Worten auf der Bühne die Weltmacht an.

Das kalifornische Unternehmen ist spätestens diese Woche erwachsen geworden und hat sich von seinen Social-Media-Wurzeln emanzipiert. Das Buzz-Wort „Social“ nimmt der Gründer nicht mehr in den Mund. Stattdessen spricht Zuckerberg von einer „Familie von Apps“, zu der die Milliarden-Akquisitionen WhatsApp, Instagram und Oculus VR zählen. Das Social Network mag zwar die Heimat von 1,4 Milliarden Nutzern pro Monat sein, diese will das Unternehmen in Zukunft aber überall hin verfolgen.

Von Textbeiträgen zu interaktiven Videos: Mark Zuckerberg skizziert die Evolution von Facebook. (Bild: Facebook)

Facebook steuert unser Eigenheim

Am meisten hat der CEO bei seiner Keynote über den Messenger geschwärmt. Was für den Normalverbraucher als Kommunikationstool dient, ist für Facebook der Weg ins tägliche Leben seiner User. Externe Apps können mit einer neuen Anbindung in den Messenger integriert werden. Das zeigt „Zuck“ spielerisch mit dem Verschicken von selbsterstellten Gifs. Doch die Öffnung des Nachrichtendienstes steht nicht nur Spaß-Entwicklern bevor. Facebook will Händlern und Geschäften erlauben, mit ihren Kunden über den Messenger zu kommunizieren. Geben wir die Erlaubnis, so können wir statt E-Mail und Telefon demnächst über Facebook Bestellungen abschicken, den Kundendienst kontaktieren oder einen Tisch fürs Abendessen reservieren.

Auch unser Eigenheim will Facebook mit dem Internet of Things steuern. Für vernetzte Heimgeräte können Entwickler ab sofort Apps bauen, die Benachrichtigungen über Facebook ausschicken. Vergessen, die Heizung abzudrehen? Facebook informiert Sie darüber.

Schließlich will das Social-Media-Unternehmen unseren Nachrichtenkonsum beeinflussen. Für Medienhäuser hat Facebook einige Neuerungen präsentiert, etwa das Einbetten von Facebook-Videos in Artikeln. Integrieren Publisher mehr Facebook-Dienste auf ihren Seiten, so werden sie im Newsfeed besser hervorgehoben, lässt das verantwortliche Team bei der Produktpräsentation durchklingen. Und das Gerücht, dass Medien ihre Inhalte bald direkt bei Facebook veröffentlichen können, wollten sie nicht bestätigen, und dennoch nicht dementieren. Ja, das reichweitenstarke Portal will mehr Nachrichteninhalte bei sich haben. Es will zeitgleich auch auf externen Websites noch auffälliger vertreten sein.

Vom Nerd zum Netz-Eroberer

Die Welt ist nicht genug, so könnte man die Stimmung der F8-Konferenz zusammenfassen. Immer wieder fällt der Begriff „aufstrebende Märkte“, wie etwa Indien. Für die setzt das im Silicon Valley beheimatete Unternehmen sogar eigene Kreativteams an, die Werbekampagnen auf die Schwellenländer zuschneiden. Mit dem Projekt Internet.org arbeitet Zuckerberg derzeit daran, die gesamte Welt mit kostenlosem Facebook-Zugang zu versorgen. Diese Mission ist mittlerweile so selbstverständlich, dass sie auf der Bühne nicht einmal direkt erwähnt wird.

Einst nervös und mit zittriger Stimme, hat sich Mark Zuckerberg am Mittwoch in San Francisco endgültig von seinem Nerd-Dasein verabschiedet. Der Mann, der auf der Bühne zu sehen war, verfolgt keine geringere Mission, als das Internet und früher oder später die physische Welt zu beherrschen. Mit den knuffigen „Bleibt mit eurer Familie in Kontakt“-Appellen der vergangenen Reden hat das nichts mehr zu tun. Die Familie ist heute das Facebook-Universum selbst, in dem die meisten von uns schon freiwillig leben. Bleibt der CEO auf dieser Spur, dann wird er wohl den benachbarten Technologieriesen Google überholen.

Ebenso dynamisch wie er auf die Bühne gesprungen ist, verlässt der Gründer sie auch wieder. Auf dem Weg hinter die Kulissen des F8-Spektakels schüttelt Zuckerberg einige Hände von Fanboys – Nerds, wie er selbst einmal einer war.