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Der neue Uno-Generalsekretär: Eine gute und logische Wahl

Meinung / von Christian Weisflog / 07.10.2016

António Guterres ist weder Frau noch stammt er aus Osteuropa. Trotzdem ist er die richtige Wahl für das Amt des Uno-Generalsekretärs. Vor allem durch sein politisches Talent könnte er Akzente setzen.

Der neue Uno-Generalsekretär sollte eine Frau sein und aus einem osteuropäischen Land stammen. So lauteten die beiden grundlegendsten, wenn auch unverbindlichen Kriterien des Auswahlverfahrens. António Guterres verfügt über keines der zwei Attribute. Dennoch ist er die richtige und auch die logische Wahl für das höchste Amt der Vereinten Nationen.

Als Aussenseiter ins Rennen gestartet, bewies der ehemalige portugiesische Regierungschef in den Hearings in New York seine politischen Fähigkeiten. Es gelang ihm, das Publikum für sich zu gewinnen. Das ist für einen starken Generalsekretär die wichtigste Eigenschaft. Sein Amt verleiht ihm wenig Macht, er kann keine Steuern erheben, er verfügt über keine eigene Armee. Aber er hat Zugang zu den Staatsführern dieser Welt und kann so Einfluss auf sie nehmen. Gerade angesichts der erneuten Polarisierung und Blockbildung zwischen Ost und West könnte Guterres mit politischem Geschick wichtige Akzente setzen.

Für das Verständnis der drängendsten Probleme hilft dem 67-jährigen Portugiesen auch seine Herkunft aus einem westeuropäischen Land mit kolonialistischer Vergangenheit. Die Fluchtbewegungen Richtung Europa, der islamistische Terrorismus, der Bürgerkrieg in Libyen und der Stellvertreterkrieg in Syrien dürften wohl auch in den kommenden Jahren die grösste Aufmerksamkeit der Uno erfordern.

Guterres ist es auch zuzutrauen, dass er die Uno für diese Herausforderungen fit machen kann. Durch seine langjährige Tätigkeit als Flüchtlingshochkommissar kennt er die Defizite und den Reformbedarf der Weltorganisation. In seiner Bewerbung für das Amt plädierte Guterres für den Abbau von Doppelspurigkeiten und eine bessere Koordination zwischen humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Vor allem aber betonte er die „Zentralität der Prävention“. Durch eine verstärkte Friedensdiplomatie sollen Konflikte verhindert werden, bevor sie ausbrechen und durch teure Blauhelmeinsätze eingedämmt werden müssen. So gut dies klingt, gilt jedoch auch für Guterres: Ein Generalsekretär kann nur dann Berge versetzen, wenn die Grossmächte am selben Strick ziehen.