Die Österreicher wollen keine Apple Watch und das ist gut so

von Elisabeth Oberndorfer / 12.03.2015

Mit Wearables – tragbaren Gadgets – können die heimischen Konsumenten noch wenig anfangen, zeigt eine aktuelle Umfrage. Dennoch werden uns Smartwatches nicht mehr los lassen. 

Jeder vierte Österreicher will eine Smartwatch

Schön anzusehen ist sie ja schon: ein abgerundetes Gehäuse in Gold oder Silber, Edelstahl- oder farbiges Armband und dutzende Spielereien. Mit der Präsentation der Apple Watch hat CEO Tim Cook diese Woche nach Jahren die Gerüchteküche um das Wearable beendet und alle Details verraten. Dabei blieb vor allem eines hängen, der Preis. Für die Luxusvariante der Smartwatch verlangt der Produzent bis zu 17.000 US-Dollar. Doch auch die Schmalspur-Version hat mit knapp 349 Dollar noch einen stolzen Preis für eine bessere Sportuhr.

Der Hype um das smarte Accessoire für das Handgelenk scheint sich auf ein Technologie-affines Publikum zu beschränken. Denn obwohl in den vergangenen Monaten immer mehr über Smartwatches zu lesen war, zeigen sich die Österreicher noch zurückhaltend. Bei einer Online-Befragung des Marktforschungsinstituts MindTake unter 505 Personen gaben nur 24,8 Prozent an, sich dieses Jahr eine Smartwatch anschaffen zu wollen. Die Umfrage fand Mitte Februar, bevor die Einzelheiten zur Apple Watch bekannt wurden, statt. Das Verhältnis dürfte sich nach Cooks Präsentation kaum geändert haben. Immerhin sind wir Österreicher international für unsere Technologie-Skepsis berüchtigt.

Ein drohender Flop

Im Falle der Apple Watch schadet die angeborene Skepsis nicht, sondern ist durchaus angebracht. Das Teil war zwar jahrelang in Entwicklung, kann jedoch kaum mehr als die Konkurrenz. Drei Millionen Stück will der Konzern beim offiziellen Start am 24. April ausliefern. Das Interesse an Vorbestellungen ist Analysten zufolge jedoch geringer als etwa bei der Einführung des iPhones. Unabhängige Hersteller wie die Crowdfunding-Überraschung Pebble sowie die Google-gestützten Uhren mit dem Android Wear-Betriebssystem bieten außerdem schon seit längerem günstigere Alternativen. Man könnte die Apple Watch mit der Google Glass vergleichen. Die erste Generation der Tech-Brille war noch zu früh dran für die breite Masse. Doch es gibt einen signifikanten Unterschied: Glass war nie ein fertiges Modell, sondern eher ein Prototyp für Entwickler. Die Apple Watch hingegen soll den Konsumentenmarkt erobern.

Für das im April erscheinende Gerät können nicht nur die Österreicher guten Gewissens die Geldbörse geschlossen lassen. Denn für eine Smartwatch, deren Kinderkrankheiten erst ausgebügelt werden müssen, ist das Teil einfach zu teuer. Mit seinen neuen Produkten hat sich Apple endgültig als Luxusmarke positioniert. Immerhin kommt auch das neue MacBook in Gold-Ausstattung. Bei Luxus zählt jedoch nicht nur das Äußere, auch die Funktionen müssen dem Preis gerecht werden. Das kann das Unternehmen – nicht zuletzt wegen der Konkurrenz am Markt – nicht garantieren. Ein strenges Urteil kann natürlich erst nach der Auslieferung in einigen Wochen getroffen werden.

Smartwatches – ein langfristiger Trend

Ein möglicher Flop hält Apple jedoch nicht davon ab, die Smartwatch als massentaugliches Gadget zu etablieren. Das ist Gründer Steve Jobs immerhin schon mit dem iPhone gelungen, das ebenfalls nicht das erste Gerät seiner Art am Markt war. Auf die Präsentation kommt es an, und dieses Talent beherrscht der Technologieriese wie kein anderer Hardware-Hersteller.

Tech-Uhren werden gerne noch als vorübergehender Trend belächelt. Jene, die schon einmal eine für mehrere Tage getragen haben, wissen aber, dass sich schnell ein Nutzen finden lässt. Smartwatches sind tatsächlich auf gutem Wege, das Smartphone zu ergänzen und im besten Fall sogar zu ersetzen. Es empfiehlt sich aber, als bewusster Konsument nicht zu den Modellen der ersten Generation zu greifen, sondern zu einem, das tatsächlich 349 Dollar wert ist.