Eierlikör und Bremer Stadtmusikanten

von Julia Herrnböck / 25.02.2015

Wenn für die Wiener SPÖ im Jahr 2015 noch der Leitspruch gilt „Jede PR ist gute PR“, dann haben die SPÖ-Frauen alles richtig gemacht. Auf Twitter und Facebook überschlagen sich am Mittwoch zum Start der Kampagne die User mit Schmähungen.

„Hihi“ und „OMG“ sind da noch die harmlosen Begleittöne. Andere sehen im Sujet einen „Bild gewordenen Frankenkredit“ oder das Resultat einer „langen Nacht in der Wortwitzkiste“. Zu sehen sind Vizebürgermeisterin Renate Brauner und die Stadträtinnen Sonja Wehsely, Sandra Frauenberger und Ulli Sima, wie sie unter dem Schriftzug „Good Weibs für Wien“ das Beatles-Cover Abbey Road imitieren.

Es ist nicht alles wie beim Original: Gottseidank ist keine der SPÖ-Politikerinnen barfuß – und die Beatles haben sich beim Gang über den Zebrastreifen auch nicht die Schultergelenke fast ausgekugelt vor Tatendrang, sondern die Arme lässig hängen lassen.

Ob die vier fürs Shooting extra nach London reisten oder ob nicht doch das Riesenrad kurzerhand ausgeflogen wurde, wie es kolportiert wird, ließ sich nicht mit Sicherheit eruieren. Der gut gefüllte Marketing-Topf der Stadt Eine Klarstellung nach (berechtigter) Kritik an dieser Formulierung: Die Kampagne selbst wird nicht von der Stadt, sondern von der SPÖ Wien bezahlt, die 2014 11,77 Millionen Euro an Parteiförderung erhalten hat. würde wohl beide Varianten erlauben.

Böses Omen?

Da also weder das Setting noch die Umsetzung sich genau an das Plattencover halten, bleibt die Frage nach der Botschaft der SPÖ-Frauen. Gehen wir davon aus, dass sich das hippe, junge Kampagnen-Team nicht eingehend mit der Entstehungsgeschichte des Beatles-Albums beschäftigt hat; sonst hätte wohl niemand zu DEM Cover gegriffen, das die Trennung der Band einleitete. Es muss also Something sein, Because über die tiefere Bedeutung von Come together will niemand nachdenken.

Ganz falsch liegt die Wiener ÖVP mit ihrer Aussage nicht, das Ganze erinnere an die Bremer Stadtmusikanten. Tatsächlich nennt sich der Bremer Frauenchor „Good Weibs“ und verdankt seine Gründung „einem Ausflug nach Hamburg mit zu viel Eierlikör“. Wenigstens dafür gibt es eine Erklärung.