Gastkommentar

Eine falsche Reaktion auf den Terror

Gastkommentar / von Markus Karner / 01.12.2015

Ein offener Brief im Standard hat mich zu einer Reaktion veranlasst, die ich gerne in den politischen Diskurs einbringen möchte:

Warum die Spaltung Europas nicht nur durch eine falsche, sondern auch durch keine Reaktion in Gefahr ist. Ein Kommentar eines anderen Anderen.

„Europa darf sich angesichts des Terrors nicht spalten lassen.“ Die gemeinsame Erklärung von Autoren (sic!) veröffentlicht auf derstandard.at sagt uns jetzt nicht etwas bahnbrechend Neues. Sie wiederholt nur bereits Gesagtes und reiht sich ein in die Lippenbekenntnisse jener, die für die wahren europäischen Werte einstehen. Den Terrorismus als Auftrag zu verstehen, weiterzumachen wie bisher, ist die Devise. Die (schreibende) Kunst will sich nicht nachsagen lassen, nichts gesagt zu haben, will eine starke Stimme sein. Gut so. Nur nicht so.

Die Gefahr der Spaltung, hervorgerufen durch eine falsche Reaktion auf den Terror, besteht, keine Frage. Die Anschläge in Paris verleiten dazu, wieder einmal falsche Schlüsse zu ziehen. Dazu zählt eine reaktionäre Antwort, die in der Zeit zurück will, in eine Zeit, in der so ein Terror noch nicht war. Eine Wiederherstellung der Vergangenheit – Rückabwicklung der Flüchtlingsströme, Grenzziehung zwischen islamischer und christlicher Welt – ist schlichtweg unsinnig. Der Terror wird sich nicht einstellen, wenn die alten Bedingungen wiederhergestellt sind – im Gegenteil. Eine solche politische Reaktion wäre also nichts anderes als ein gefährliches Pseudoereignis.