Keystone

Indien investiert im Iran

Eine Umfahrungsstraße um Pakistan

von Volker Pabst / 26.05.2016

Indien investiert eine halbe Milliarde Dollar in den Ausbau der Handelswege von Iran nach Afghanistan. Dies geschieht mit Blick auf Pakistan und China.

Was China in Pakistan in großem Maßstab vormacht, plant Delhi im bescheideneren Format in Iran. Es geht um den Ausbau eines Hafens und die Entwicklung eines entsprechenden Transportkorridors, um über den Indischen Ozean das Landesinnere des asiatischen Kontinents besser erschließen zu können.

Während China seine Güter von der Westprovinz Xinjiang nach Südwesten an den pakistanischen Hafen Gwadar und von dort weiter in Richtung Westen schaffen will, steht für Indien der Transport in die entgegengesetzte Richtung im Vordergrund: von Chabahar in Südostiran nach Afghanistan und weiter nach Zentralasien und dereinst Russland.

Folgeinvestitionen geplant

Mit diesem Ziel vor Augen hat Indiens Premierminister Modi am Montag zusammen mit den Präsidenten Afghanistans und Irans, Ghani und Rohani, in Teheran ein Investitionsabkommen unterzeichnet. Delhi will 500 Millionen Dollar für den Bau eines modernen Hafens in Chabahar bereitstellen. Über Zahedan und die Grenzstadt Zaranj soll dieser anschließend an die von Indien bereits gebaute Strecke nach Delaram und somit an das afghanische Fernstraßensystem angeschlossen werden. Auch ein Anschluss ans iranische Eisenbahnnetz ist geplant.

Im Gegensatz zu jenen fast 50 Milliarden Dollar, welche China für sein Engagement in Pakistan budgetiert hat, nimmt sich das indische Projekt freilich bescheiden aus. Selbst wenn es zu den 16 Milliarden Dollar an Zusatzinvestitionen in der ebenfalls geplanten Freihandelszone kommen sollte, die Transportminister Gadkari für möglich hält, ist der Unterschied riesig. Auch der dereinst zu erwartende Warenfluss ist nicht vergleichbar. China will über Gwadar Teile seines Handels mit den Staaten am Golf und mit Europa abwickeln. Indiens Handelsvolumen mit Afghanistan, Zentralasien und Russland steht dazu in keinem Verhältnis.

Dennoch wurde das Abkommen als Meilenstein gefeiert. Tatsächlich ermöglicht es Delhi, unter Umgehung des Erzfeindes Pakistan Märkte in Zentralasien zu erschließen, einer Region, der Premierminister Modi große Bedeutung beimisst. Zudem soll der Handel mit Russland erleichtert werden. Vor allem aber stärkt es die Partnerschaft mit Kabul, mit dem Delhi in gemeinsamer Feindschaft gegen Islamabad verbunden ist. Für Afghanistan bedeutet das Projekt eine Verringerung der Abhängigkeit vom pakistanischen Hafen Karachi, über den bis jetzt die große Mehrheit der afghanischen Importe abgewickelt wird, bevor sie über den Khyberpass ins Land gelangen. Neben der Unterstützung der afghanischen Taliban stellt dies seit Jahrzehnten einen der bedeutendsten Hebel Pakistans für die Einflussnahme auf Afghanistan dar.

Entsprechend kritisch wird das Abkommen in Pakistan beäugt. Beobachter sprechen von einem drohenden Machtverlust Islamabads in der Region. Auch dessen Verhältnis mit Iran ist nicht spannungsfrei. Aber auch Delhi strebt vertiefte Kontakte zu Teheran wenig wohlgesinnten Ländern an, außer zu Saudi-Arabien auch zu Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Konkurrenz zu China

Eine nicht zu unterschätzende Unwägbarkeit für das Projekt stellt Indiens Fähigkeit dar, seine Pläne letztlich auch umzusetzen. Das Land hat diesbezüglich geradezu notorische Probleme. Der Transportkorridor durch den indischen Nordosten zum Hafen im Norden Burmas, ein vergleichbares Projekt, hätte schon 2013 fertiggestellt werden sollen. Man ist davon aber noch Jahre entfernt, und dies bei einer schon jetzt fast 600 Prozent erreichenden Kostenüberschreitung.

Unter Modi betreibt Indien eine aktive Außenpolitik, vor allem in der größeren Nachbarschaft. Mit Peking, das zur Sicherung seiner Handelswege nach Westen bereits in einer Vielzahl von Staaten an der See- und Landroute Projekte von der Größenordnung des Hafenbaus in Chabahar aufgegleist hat, wird es Delhi aber auf absehbare Zeit nicht aufnehmen können.