Iv Toshain: „NOMOS BASILEUS“, 2015. Ausstellungsansicht „Vienna for Art’s Sake!“, Edelstahl, Chrom, Sandstrahl, Aluminium, Neon, Ø 250 cm (Morgenstern)

Epochenaufprall im Winterpalais

von Carolina Vinqvist / 10.03.2015

Das hätte sich Prinz Eugen von Savoyen auch nicht erträumen lassen, oder etwa doch? Immerhin war der österreichische Feldherr begeisterter Kunstsammler. In den ehemaligen Gemächern des Prinzen direkt an der Kärntner Straße werden nun im Winterpalais zeitgenössische Kunstwerke und Installationen gezeigt, die stark mit dem klassischen Interieur kontrastieren.

Die ersten Schritte führen an neoantiken Statuen, mythologischen Deckenbemalungen und goldenen Wandtapeten vorbei. Und plötzlich ist die Gegenwart da. Unübersehbar knallt Iv Toshains überdimensionaler Morgenstern, der eigentlich eine Weltkugel darstellt, wie ein Rockstarkronleuchter von der Decke des edlen Antichambre. Von da aus geht es mit einem Lageplan gewappnet auf eine Expedition durch dreizehn pompöse Räume, die für die nächsten drei Monate ein Zuhause moderner Kunst sind. Alles baut auf dem von Kurator Peter Noever ins Leben gerufenen Projekt Archive Austria auf. Angelehnt an Luciano Benettons Imago Mundi werden Künstler auf die Ausdrucksmaße 10 x 12 cm beschränkt. Das Herz der „Vienna for Art’s Sake“-Ausstellung 161 Miniaturarbeiten von Künstlern des Archive Austria. Dreizehn Auserwählte haben dann die Ehre, sich im Großformat auszuleben.

Wieder einmal politisch

„War does not determine who is right, only who is left“ – dieser Spruch des politischen Kritikers und Philosophen Bertrand Russell ist mit weiteren zehn Zitaten auf einer kreuzförmigen Tischskulptur geschrieben. Die Schrift ist mit blutroten Farbpigmenten, die an Schießpulver erinnern, sorgfältig platziert. Die mahnenden Worte wirken fragil, so als könne jeder zu heftige Atemstoß den Satz in Luft auflösen. Die Tirolerin Eva Schlegel reiht sich damit in die kunstpolitische Debatte über Gerechtigkeit, Krieg und Frieden ein. Prinz Eugen hätte daran sicherlich Gefallen gefunden, immerhin war er in zahlreichen Schlachten und politischen Wirren an vorderster Front.

Nicht ganz so kriegerisch, aber trotzdem brutal: Hermann Nitsch. Seine Arbeit hat mehrere Komponenten, doch der Blick bleibt an der verstörenden Videoprojektion auf der Längswand hängen. Eine Menschengruppe, gereiht um einen Tisch, entnimmt Tieren ihre Eingeweide, knetet, drückt, quetscht diese, bis nur noch Blut übrig bleibt. Ein kruzifixähnliches Holzkonstrukt mit blutbeschmiertem T-Shirt erinnert an den Gewaltakt. Cut. Nächste Szene, allerdings nicht weniger grausam. Diesmal müssen rote Melonen dran glauben. Das „analytische Theater soll uns unsere Abgründe zeigen und bewusst machen“ – so die Botschaft des 76-jährigen Künstlers. Brutal, aber effektiv.

Nach sprechenden Robotern, roten Helikoptern und einer Raum-in-Raum-Installation beendet Zaha Hadid die Ausstellung auf der Terrasse. Die mittlerweile zur Berühmtheit gewordene Architektin, die kürzlich für Bauprojekte in Katar und Aserbaidschan in der Kritik stand, zeigt hier in Wien eine Symbiose zwischen damals und heute. Ganz im Geiste der Ausstellung verbindet die Architektin eine 2004 entdeckte Vorzeichnung für ein Wandfresko mit zeitgenössischen Elementen. Die Zeichnung zeigt ein Amphitheater mit Säulen und Arkaden, die Zaha Hadid mit Stahlrohren ergänzt.

Fast entspannt verlässt man die für über 135 Millionen Euro sanierten Prunksäle nach dieser angenehm übersichtlichen Ausstellung wieder. Und eines ist danach wohl klar: Die Symbiose zwischen Alt und Neu funktioniert.

„Vienna for Art’s Sake!“ im Winter Palais bis 31. Mai 2015. Katalog 29 Euro.