Es ist noch nicht Pluralismus, wenn drei unterschiedlich dumm sind

von Michael Fleischhacker / 27.01.2015

In Wien bildet schon lange nicht mehr der Opernball den Höhepunkt des Faschingsgeschehens, sondern jener „antifaschistische Karneval“, dessen Hauptveranstaltung von der Staatsoper auf den Heldenplatz verlegt wurde, zum Ball des Wiener Korporationsrings („Akademikerball“).

Fixer Bestandteil der Karnevalsvorbereitungen ist alljährlich der Wettbewerb um den dümmsten Vorfeld-Sager.

Heuer müsste eine unbhängige Jury ex aequo drei erste Plätze vergeben: Heinz-Christian Straches Schreckensvision von SA-Horden, die ihn und seine Ballgäste bedrohen; Ursula Stenzels Vorschlag, das Bundesheer um einen Assistenzeinsatz gegen die linken NOWKR-Demonstranten zu bitten; die Ankündigung der NOWKR-Organisatoren, dass die antifaschistischen Ziele, die man sich gesetzt habe, ganz ohne Gewaltanwendung wohl nicht zu erreichen sein würden.

Bei einem Besuch der NOWKR-Website kann man sich davon überzeugen, dass die Burschen und Mädchen von der antifaschistisch-antikapitalistischen Spatzenpost zwar definitiv kein Hirn, aber vielleicht ein Herz und sicher Humor haben, wenn auch einen etwas eigenwilligen.

Was man den NOWKR-Organisatoren zugutehalten muss, ist, dass sie die inhaltliche Klammer zwischen Antifaschismus, Antikapitalismus und Gewalt ziemlich lässig und ohne Verschwendung ideengeschichtlicher Ressourcen auf den Punkt bringen. Widerstand gegen die Staatsgewalt ist nicht nur erlaubt, sondern höchst angebracht, weil ja die Staatsgewalt den Kapitalismus gewaltsam aufrechterhält, dessen Abschaffung das eigentliche Ziel jedes Antifaschisten sein muss, weil am Ende auch zwischen Faschismus und Kapitalismus kein Unterschied besteht, jedenfalls keiner, um den man sich kümmern sollte.

Fazit: Allein aus der Tatsache, dass drei unterschiedlich dumm sind, erwächst nicht notwendigerweise Pluralismus.

Das wirkliche Karnevalsprogramm spielt sich jedenfalls im Netz ab: Es ist herrlich zu sehen, wie in den sozialen Netzen die mit etwas mehr Hirn, etwas weniger Herz und kaum Humor ausgestatteten Antifaschisten der älteren Generation – heute allesamt etablierte Größen in Journalismus, Sozialwissenschaften und anderen Kerngebieten der Universalexpertise –, darüber jammern, dass sich die jüngere Generation, deren vollkommen sinnbefreites Ideologiegeschwafel man wohlwollend zur Kenntnis nähme, wäre es nur ein wenig akademischer formuliert, sich die Gewaltankündigung nicht verkneifen konnte.