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Etappe 10: Von Litschau über Kautzen nach Dobersberg

von Matthäus Kattinger / 24.10.2015

Credits: GG, FL

Logistisch gesehen ist auf dieser Etappe Improvisation angesagt, denn einen von Litschau nach Dobersberg führenden Weitwanderweg gibt es nicht einmal in Bruchstücken. Daher habe ich genommen, was sich gerade angeboten hat: Das war mal ein Radweg (wie die Anbindung des Kamp-Thaya-March-Radweges an Böhmen), mal ein regionaler Wanderweg, dann wieder ein Güterweg, und gelegentlich musste ich auch auf weniger befahrene (Auto-)Nebenstraßen ausweichen.

Wir verlassen den Stadtplatz in Litschau in Richtung Osten, biegen dann links in die Hörmannser Straße ab – diese führt über Haugschlag nach Nová Bystřice sowie auch zum nördlichsten Punkt Österreichs in Rottal ( siehe Etappe 9). Bei der ersten Gabelung nach dem Ortsende biegen wir rechts ab, in die kaum befahrene Nebenstraße nach Schandachen. Nach Durchquerung des fast ganzen Ortes nehmen wir am Ortsende die zweite der beiden nach rechts abbiegenden Straßen.

Im Moor- und Teichland

Von Feldern umgeben zweigen wir etwa 1 Kilometer später mit dem 701er-Radweg in spitzem Winkel nach links ab. Aus den Feldern wird bald Wald, aus Asphalt Sand, bis der so majestätisch wie sanft vor uns liegende Steinfurter Teich geradezu zum Innehalten drängt. Das Dunkel des den Teich auf drei Seiten umgebenden Tanns, die völlig glatte Oberfläche des Wassers, weit und breit weder Menschenseele noch Zivilisationslärm – das Waldviertel lässt grüßen.

Bald aber nähern wir uns wieder der Zivilisation, jedenfalls ihrem Lärm – gilt es doch, bei einem alleinstehenden Wohnhaus die Bundesstraße von Heidenreichstein über Illmanns ins tschechische Nová Bystřice zu queren. Hinter der offensichtlich gern als Rennstrecke missbrauchten Geraden durch den Wald setzt sich unser Weg am Güterweg Saghäuser fort, der sich etwas später später südlich der Rotte Saghäuser teilt. Während der linke Ast als Anbindung des Kamp-March-Thaya-Radweges nach Norden dient (über Reingers nach Nová Bystřice), dreht unser Ast durch fruchtbare Felder halbrechts nach Leopoldsdorf.

Idylle Dorfteich

Wir marschieren durch den Ort, vorbei am malerischen Dorfteich (dessen Lage und Anmutung wohl selbst große niederländische Landschaftsmaler des 17. und 18. Jahrhunderts animiert hätte), biegen mit dem Radweg nach den letzten Häusern links ab. Von dort ist es nicht weit zum Wald; auf der Forststraße nähern wir uns in der nächsten Viertelstunde wieder der tschechischen Grenze.

Hinter den Häusern von Parten beginnt Tschechien
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Die wenigen Häuser von Parten, links hinter der Wiese, stehen bereits unmittelbar an der Grenze. Bei der Kapelle von Parten müssen wir zwischen Österreich und Tschechien entscheiden.

Die Kapelle im Wald nahe Parten
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Die Forststraße zur Linken führt in den Grenzort Reingers, wir jedoch nehmen den nach rechts drehenden Güterweg Parten. Bei einer Steinsäule – mit einem Teich zur Linken – schwenken wir links in die Straße nach Reinberg-Dobersberg ein.

Nach dem Teich macht die Straße noch einen letzten Linksknick, doch mit der mit viel Geschick und Gefühl restaurierten Neumühle bleibt ob der direkt dahinter verlaufenden Grenze nur mehr die Orientierung nach rechts.

Die stilvoll renovierte Neumühle
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Wenige Meter später bietet sich ein Einblick in das, was vom Mühlenleben übrig geblieben ist.

Ein letzter Blick in den Hof der Neumühle
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Sogar die Bäume am Straßenrand sind mit Resten der Vergangenheit drapiert.

Zeichen einer längst vergangenen Zeit an der an der Neumühle vorbeiführenden Straße
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Für gut zwei Kilometer, bis knapp nach Radschin, bleiben wir danach auf der Landstraße. Nach einem Kreuz kurz nach der Rotte biegt in spitzem Winkel links ein Güterweg nach Dürnhof ab (weiß-blau markiert); zwar auch links, aber nicht in so spitzem Winkel folgen wir dem Radweg. Dieser dreht vor dem Wald nach rechts, um zehn Minuten später in einem vom Scheibenberg runterkommenden Güterweg aufzugehen.

Über den Gerichtsberg geht es bis knapp zur Straße; davor aber drehen wir links auf den Kneippweg, der uns in den Kautzener Vorort Illmau bringt, der ursprünglichen Herrschaft von Kautzen. Am Friedhof vorbei erreichen wir das ins Zentrum von Kautzen.

Die so abseits liegende Waldviertler Gemeinde gilt als österreichischer und auch europäischer Pionier der Dorferneuerung – auch wenn der spätere Ruhm gar nicht geplant war. Den Wanderer aber quält der Gedanke, bei so vielen Abzweigungen die richtige zu erwischen. Zunächst biegt rechts die Straße nach Weißenbach ab, dann links jene nach Dobersberg, dann drehen rechts Nebenstraßen nach Kleingerharts und Triglas weg – wir jedoch wollen nach Pleßberg.

Holzkirche zwischen Mühlen

Als ich im Juli diese Wanderung machte, war der ursprüngliche Radweg wegen Bauarbeiten gesperrt, doch auch bei einem ungeplanten zweiten (Foto-)Besuch Anfang September war die Straße durch den Ort noch immer nicht fertig – der Wanderer ist ja von den ziemlich weit ausholenden Umleitungen nicht betroffen. Es geht zunächst in eine Art Talkessel, in der linker Hand die Pleßbergmühle zu sehen ist, wenig später, bei der Brücke über den Taxenbach, folgt die Harmannsmühle. In Kleinharmanns schließlich beeindruckt eine schlichte Holzkirche.

Holzkirche in Kleinharmanns
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Nach einem Stück durch den Wald erreichen wir eine um eine Bauminsel angelegte Gabelung. Während der Radweg den direkten Weg links nach Dobersberg nimmt, bin ich geradeaus nach Großharmanns marschiert.

Am Ende des Ortes geht die Straße in einen schottrigen Karrenweg über. Dieser trifft etwas später bei der Siedlung Schellinghof auf die Straße von Dobersberg nach Waidhofen. Von dort sind es noch knapp 15 Minuten, bis wir mit der Waidhofner Straße Dobersberg erreichen, wo wir auch auf die von Waidhofen heraufkommende Thaya stoßen.