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Etappe 11: Von Dobersberg über Karlstein nach Raabs an der Thaya

von Matthäus Kattinger / 25.10.2015

Credits: GG, FL

Die heutige Etappe zerfällt in zwei annähernd gleich lange Abschnitte; zuerst drehen wir mit der schrittweise und politisch bewusst demontierten Thayatalbahn und der Thaya nach Norden – allerdings nicht ganz so weit, wie es die Thaya macht. Dann wandern wir auf Güterwegen und Nebenstraßen durch verstreute Siedlungen, um vor der Gerhartsmühle in den Wald südwärts nach Karlstein zu schwenken.

Dort, wo die Karlsteiner Straße in der Ortsmitte von Dobersberg beim Bahnhof nach rechts dreht, biegen wir halblinks in die hinter dem Bahnhof vorbeiführende Lagerhausstraße ein. Wenn die Thaya nach dem Autohaus einen starken Knick nach rechts macht, dreht die Lagerhausstraße nach links. Durch die letzten Häuser der Siedlung folgen wir dem Waldviertel-Radweg zum Waldrand, dann zwischen Feldern hindurch nach Schuppertholz.

Vor der Kirche drehen wir noch im Ort nach halbrechts, um bei einem Kreuz in den von der Straße links abbiegenden Feldweg einzuschwenken – wo auch die einen größeren Bogen über Lexnitz machenden Begleiter für die nächsten Tage zu uns stoßen, nämlich der vom Nebelstein nach Retz führende und von Waidhofen/Thaya heraufgekommene Thayatalweg (630), wie auch der Ostösterreichische Grenzlandweg (607).

 

Der Reiz der kleinen Orte

Nach einigen Minuten biegen wir links in eine wenig befahrene Nebenstraße ein. Eine Viertelstunde später geht es gemächlich fallend durch den Flecken Hohenwarth. Wir bleiben auf der Nebenstraße, kommen an einem Gneis-Steinbruch vorbei, machen den kurzen Abstecher von Thayatal- und Grenzlandweg hin zum Wald nicht mit, denn diese stoßen noch vor der nächsten Rotte, Münchreith an der Thaya, wieder auf unsere Nebenstraße.

Wir marschieren an Münchreith links vorbei, bis wir wenig später noch vor der Brücke über die hier sehr schmale Thaya bei (dahinter die Gerhartsmühle) rechts zum Wald drehen.

Die Thaya bei Münichsreith
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Über einen Steig gewinnen wir schnell einige Minuten an Höhe, um dann am Ackerrand mehrere Haken schlagend, den Sportplatz von Karlstein an der Thaya zu erreichen.

Wir folgen Parkstraße und Hauptstraße ins Zentrum, biegen danach rechts nach Groß-Siegharts ab. Vorbei an der von der Uhrmacherschule zur Ausbildungsstätte für Feinmechaniker und Mechatroniker gewordenen HTL, vorbei auch am Uhrenmuseum und der Erinnerung an Karlsteins bessere Uhrmacherzeiten.

Auch wenn keine Uhren in Karlstein mehr erzeugt werden, bleibt es das Horologenlandl
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Links etwas zurückgesetzt erkennen wir die Fabrik des Schiebedach-Weltmarktführers Pollmann. Doch ein Unternehmen wie Pollmann allein ist zu wenig, um der Wirtschaft des Waldviertels jene Impulse zu verleihen, die es braucht, um aus der jahrzehntelangen Stagnation herauszufinden.

Hoch über uns thront das öffentlich nicht zugängliche Schloss Karlstein mit dem prägnanten runden Turm.

Blick von der Uhrmacherschule auf die Burg Karlstein
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Wir folgen der hier sehr auffälligen Markierung für den Graselweg auf der Straße nach Groß-Siegharts. In der zweiten, einer starken Rechtskurve, verlassen wir die Straße und wechseln links mit dem Graselweg über einen schmalen Steg des Schladeinbaches in den Wald.

Am Südrand von Karlstein überwindert der Wanderer auf dem Weg nach Raabs den Schladeinbach
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Dort gewinnen wir bald an Höhe, bis wir ein Plateau erreichen. Auf diesem bleiben wir einige Zeit, bis wir in einigen Schleifen vor einer Pferdekoppel auf Asphalt wechseln und rauf nach Speisendorf drehen. Dort schwenken wir links in die Hauptstraße ein und marschieren gerade durch den Ort, zuletzt steil runter, um gleich nach dem Ortsende und der Brücke über die Thaya rechts auf einen Güterweg abzubiegen. Zwischen fruchtbaren Feldern bringt uns der Güterweg zunächst zur nächsten Thaya-Brücke (links lockt ein Abstecher zur Ruine Buchenstein), um dann vor einem Wasserreservoir links über Wiesen runter zum Ufer der Thaya zur Liebnitzmühle zu wechseln. Nach dem Hotelkomplex folgen wir der Straße vorbei am Klärwerk – von der Thaya durch eine breite Wiese getrennt – zur Hahnmühle.

Klettergarten und Felsentreppe

Ab hier kann uns bis Raabs nicht mehr von der Thaya trennen. Nahe des zur Hahnmühle gehörenden Kleinkraftwerkes und einer Gedenktafel folgen wir dem Graselweg am felsigen Südufer der Thaya. Vorbei an einem Klettergarten erreichen wir nach einer kleinen Steigung die nächste Mühle (Reismühle). Dann steigen wir auf einer Felsentreppe höher, bleiben einige Zeit hoch über der Thaya, um uns dann vorbei an einem eingezäunten Aufforstungsgebiet wieder zur Thaya hinunterzubewegen. Nach einigen Minuten schönem Ufer-Waldweg macht die Markierung auf einer Wiese auf der Höhe von Oberndorf (zur Rechten) einen scharfen Knick nach links.

Auf den Spuren des Räuberhauptmanns

Etwas später, wenn die Thaya zu einem Knie nach links ansetzt, steigen wir steil hinauf zu einem schönen Aussichtspunkt mit Unterstand und Bänken. Dann geht es wieder hinunter, die Thaya entlang, bis wir bei Oberpfaffenhofen auf die Nordseite wechseln. Gleich nach den ersten Häusern biegen wir rechts ab, vorbei an einem ehemaligen Unterschlupf des im ersten Fünftel des 19. Jahrhunderts in der ganzen Region berühmt-berüchtigten Räuberhauptmanns Grasel.

Danach machen wir auf schönem Uferweg die ganz Schleife der Thaya vor Raabs mit, vorbei am Erholungszentrum Thayatal Vitalbad stehen wir bald nach dem Schloss (auf der anderen Flussseite) beim Zusammenfluss mit der Mährischen Thaya.

Der Zusammenfluss von Deutscher und Mährischer Thaya hat Auswirkungen auf die Farbe des Wassers
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Gleich nach der Brücke ragen die Reste der Stadtmauer in die Dämmerung

Ein Teil der Stadtmauer in Raabs ist noch erhalten
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Wenig später ist der kleine, aber geschäftige und durchaus ansprechende Hauptplatz von Raabs erreicht.