Kattingers Grenzgänge

Etappe 12: Von Raabs an der Thaya über Drosendorf nach Geras

von Matthäus Kattinger / 26.10.2015

Credits: GG, FL

Zwar bewegten wir uns schon zwischen Dobersberg und Raabs in einem Bereich mit frühen Burgen und Grenzbefestigungen, so richtig massiv ist das aber auf der heutigen Etappe vor allem zwischen Raabs und Drosendorf zu beobachten, wo sich eine richtige Burgenkette, von Raabs über Kollmitz, Eibenstein nach Drosendorf, zieht. Die Wanderung selbst ist äußerst abwechslungsreich, aufgrund der vielen Auf und Ab zwischen Raabs und Eibenstein aber auch relativ anstrengend. Alle in dieser Etappe berührten größeren Gemeinden (Raabs, Drosendorf, Geras) leiden unter der anhaltenden Abwanderung.

Vom Stadtplatz in Raabs gelangen wir über Drosendorfer Straße und Promenadenweg ans Nordufer der Thaya. Nach Blumenwiesen und der Querung des Kaumbaches macht die Thaya beim Jungfernstein ein scharfes Eck nach Süden. Ein Waldweg bringt uns zu einer Lichtung auf Höhe des Bruckgrabens, dann steigt der Weg zur Wirtleiten an. Bald nähern wir uns zwischen Feldern der kleinen Siedlung Kollmitzdörfl; die ersten Häuser im Blick, schwenken wir nach einem kurzen Stück auf der aus dem Dorf kommenden Sandstraße auf den Wiesenweg mit der Bezeichnung Ritterweg.

Thaya-Idylle zwischen Raabs und Kollmitzgraben
Credits: MK

Gut eine Viertelstunde nach der Abzweigung vor Kollmitzdörfl erreichen wir nach fast stetem Auf und Ab den Parkplatz D2, wenige Minuten später lädt das Klinger-Mausoleum beim Uhufelsen zu einem Abstecher ein (laut Tafel 960 Meter/14 Minuten). Freiherr von Klingerstorff soll 1927 am Lieblingsort Uhufelsen ein Mausoleum für seine nach einer Affäre freiwillig aus dem Leben geschiedene Frau errichtet haben. Mehr dazu hier sowie im groß aufgemachten Bericht der Sonn- und Montagszeitung vom 7. Juni 1926.

Wenig später stehen wir auf Parkplatz D3 direkt vor dem Tor der im 15. Jahrhundert in 350 Meter Abstand von der Burg errichteten 110 Meter langen Böhmischen Mauer. Allerdings sind nur wenige Teile der Mauer erhalten. Nach einem kurzen Stück bergab erreichen wir die Ruine Kollmitz.

Ruine Kollmitz
Credits: Henry Kellner / Flickr

Die Burg thront auf einem mächtigen Fels über dem an einer Thaya-Schlinge gelegenen Dorf Kollmitzgraben.

Kollmitzgraben von der Ruine Kollmitz aus
Credits: MK

Vom Felsen vor dem Ruineneingang heben sich auch die Mäander der Thaya sehr schön ab

Thaya-Mäander nahe der Brücke bei Kollmitzgraben
Credits: MK

Nach der Thaya-Brücke biegen wir links in eine bald in einen Forstweg übergehende Nebenstraße ein. Während die Thaya zu einer weitgezogenen Schlinge um den Hadlitzberg (492 Meter) ansetzt, folgen wir dem Karrenweg rechts daran vorbei. Etwas später nähern wir uns wieder der Thaya, nach einer Passage über einen ziemlich verwachsenen Grat zwischen Thaya und Kornfeld liegt der Thaya-Aufstau vor der von der EVN zu einem Kleinkraftwerk umfunktionierten Haidlmühle vor uns.

An den Wirtschaftsgebäuden der Mühle drehen wir rechts vorbei, schwenken links ein, um auf dem Historikersteig (Historikertagung in Drosendorf 1927) am dicht verwachsenen Ufer zur Thaya zurückzukehren. Während diese neuerlich zu einem weiten Bogen ansetzt (Umlauf „Rollsteine“), erwartet uns ein kurzer, teilweise alpine Formen annehmender Steig (mit schönem Tiefblick zur Thaya). Nach Querung des Kammweges folgt das nächste Ab und Auf (Kirchleiten).

Im Land der Mühlen

Dieses setzt sich noch einige Male fort, bis wir auf einer Schotterstraße die Ober- und bald darauf die Unterpfinnigsteig-Mühle erreichen. Bei zweiterer drehen wir knapp vor der Mühle rechts auf einen Wiesenweg, der zum nächsten Auf und Ab beim Bauernfeind leitet. Vorbei an der Lehsteinmühle und die Kirche von Eibenstein im Blick erreichen wir die Straße von Zissersdorf nach Eibenstein.

Ruine Eibenstein
Credits: MK

Danach überqueren wir die Thaya, bleiben kurz auf der Bundesstraße in Richtung Drosendorf, um vor der Ruine Eibenstein wieder an das Südufer der Thaya zu wechseln.

Blick von Thaya-Brücke auf Ruine Eibenstein und Thaya
Credits: MK

Auf einer Forststraße marschieren wir vor zu Schloss Primmersdorf bzw. zum ehemaligen Schüttkasten, der heute als Atelier für Stoffgestaltung und Handdruck aber auch als Haus für Ausstellungen und Veranstaltungen dient.

Ehemaliger Schüttkasten von Schloss Primmersdorf
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Dann wechseln wir auf die gegenüberliegende Straßenseite und biegen in den Kobergraben ab. Dieser bringt uns nach Wald und Flur nach Autendorf; dort drehen wir noch vor der Straße Nonndorf-Drosendorf rechts in den Robesgraben, der uns zur Thaya und dann über einen Steig in das wie ein Museum wirkende Drosendorf führt.

Das 1542 vom Rat erworbene Rathaus in Drosendorf
Credits: MK

Von Burg und Hauptplatz marschieren wir zum Kreisverkehr beim Horner Tor, steuern Drosendorf-Altstadt an, um vor dem Gasthof Hammerschmiede rechts in Richtung Langau bis zum Ortsende zu wandern. Dort zweigen wir rechts ab, woraus bald eine Sackgasse wird. Diese jedoch ist für Radfahrer und Wanderer der eindeutig kürzere und auch bequemere Weg nach Geras (er führt über den Galgenberg, Wolfsbach und Kottaun).

Blutzoll im sumpfigen Niederwald

Ich jedoch bin der schlechten Markierung auf den Leim gegangen, bin halbrechts dem rot-weiß-rot markierten 632er gefolgt. Das wäre noch nicht schlimm gewesen: Was sich als wirklich lästig herausstellen sollte, waren die Attacken der Stechmücken und Gelsen. So idyllisch der 632er im ersten Teil verläuft, so bieten die kleinen Lachen und Tümpel neben dem Weg sowie der sumpfige Niederwald am Thumeritzbach den aggressiven Biestern genug Entwicklungsmöglichkeiten. Und wenn sich – offensichtlich selten genug – doch einmal Menschenblut verirrt, dann blasen die Gelsen konzertiert zur Attacke.

Nach einer halben Stunde überquerte ich den Bach auf einem malerischen, aber wenig Vertrauen erweckenden Holzsteg, um 20 Minuten später in einer Kurve auf eine Asphaltstraße rauszutreten. An der Hirschbergmühle vorbei bin ich der Straße gefolgt, um 20 Minuten später beim Ortsanfang von Wolfsbach bei einem Bildstock auf den rot-weiß-roten Wanderweg 607 zurückzufinden.

Mit dem Reblaus-Express ins Stift

Zwischen Feldern geht es flott dahin, im Wald ist es manchmal sehr unübersichtlich. Nach einem Stück durch sehr hohes Gras sehen wir die Siedlung Kottaun vor uns. Wir umrunden die Siedlung, um etwas später auf die Straße nach Geras einzuschwenken. Gut zehn Minuten später queren wir die Geleise der nur noch an Wochenenden als „Reblaus-Express“ verkehrenden Nostalgiebahn Retz-Drosendorf. Wenig später sehen wir den zum Wellness-Hotel umgebauten mehrflügeligen, aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammenden Meierhof vor uns, rechts daran vorbei erreichen wir wenig später das Stift Geras.

Stift Geras
Credits: MK