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Kattingers Grenzgänge

Etappe 17: Von Laa an der Thaya über Falkenstein nach Schrattenberg

von Matthäus Kattinger / 01.11.2015

Vor uns liegt eine lange, aber abwechslungsreiche Tour durch interessante Orte mit historischen Bezügen. Nach Retzer Lagen und Pulkautal kommen wir durch das nächste traditionelle Weinbaugebiet – die Region Falkenstein, Poysdorf, Poysbrunn, Herrnbaumgarten, Schrattenberg. Mit 15.800 Hektar Weingärten ist das Weinviertel das größte Weinbaugebiet Österreichs – das Zusammenwirken von pannonischem Klima und Lössböden bietet die besten Voraussetzungen.

Vom Stadtplatz in Laa halten wir uns auf der Hauptstraße in Richtung Süden, halten uns danach links zum Bahnhof hin und verlassen über Anton-Kühtreiber-Straße und Kellergasse die Stadt. Nach einer Viertelstunde auf einem kerzengeraden Güterweg drehen wir rechts zum Modellflughafen, marschieren kurz auf dem Neudorfer Graben in Richtung Norden, um wenig später rechts in einen wieder schnurgeraden asphaltierten Güterweg einzubiegen.

Auf der quasi einseitigen Allee spendet der Windschutzgürtel selbst bei größter Hitze angenehmen Schatten; relativ häufig wechselt Wild zwischen den Feldern links und rechts, wobei ich dreimal so viele Hasen wie Rehe zählte – die kleine Abwechslung des Wanderers auf langen Geraden.

Zwei Kalkklippen im Weinviertel

Auf Höhe eingezäunter Gemüse- und Obstkulturen (das Gebiet nennt sich Sandbergen) drängt sich zur Rechten im Abstand von einigen Kilometern der rund 100 m hohe Kalkkegel des Staatzer Berges mit der Burg auf dem Gipfelplateau ins Bild. Wir wechseln etwas später auf die Südseite des Neudorfer Grabens, diesem fast stehenden Gewässer.

Gut 15 Minuten später drehen wir auf der Landesstraße rechts nach Neudorf, halten uns dort am Nordrand, um dann nach wenigen Metern auf der Straße nach Kirchstetten vor einer Viehweide rechts abzubiegen. Auf dem Karrenweg queren wir eine Viertelstunde später die Straße von Kirchstetten nach Zlabern, drehen nach einem kurzen Anstieg rechts am Weingarten entlang runter zum Strotkreuz.

Ein Kreuzweg der anderen Art

Nun nehmen wir Kurs auf Falkenstein, nächstes Zwischenziel ist das Strotkreuz am Waldrand. Markierungen sind hier Mangelware, wir folgen der Forststraße zur Linken („Reitverbot“) gut eine halbe Stunde, bis wir nach Bildern zunächst der hl. Anna, dann des hl. Josef vor dem Grübelkreuz stehen. Dort erblicken zwar erstmals wieder Markierungen, doch irritieren diese mehr als sie helfen. Was soll ein Weitwanderer mit dem Routen-Hinweis „Großer Falkenflug“ anfangen? Auf Falco-Wiedergänger samt Fanclub oder eine Falknerei warten?

Blick von den Weingärten an der Straße nach Zlabern auf die Burgruine Falkenstein
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Das Gefühl für die Richtung ist zumindest so gut wie der Frust über die vermeintlich kreative Markierung, sodass nichts passiert, wir aus dem Wald treten und auf einer mächtigen Kalkklippe die Burgruine Falkenstein vor uns sehen.

Blick vom Friedhof Falkenstein auf die Burgruine
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Auf einem Schotterweg geht es rechts runter in den nur 400 Einwohner zählenden Ort. In der Ortsmitte, gleich nach dem Kriegerdenkmal, drängt sich links ein kleiner Abstecher zu Kirche und Friedhof auf dem Kreuzberg auf.

Nach dem kurzen Abstieg zur Gabelung in die Ortsmitte mit der Mariensäule auf dem fiktiven Hauptplatz, drehe ich rechts runter zum Beginn der Kellergasse; diese wird unter Heimischen auch „Oagassen“ (Eiergasse) genannt und besteht aus 65 Presshäusern.

Falkensteiner Kellergasse
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Knapp vor Ende der Kellergasse soll dann eine große Skulptur den „Falkenflug“ erklären, der mir beim Gröblkreuz so wenig Erkenntnisgewinn gebracht hat. Aber es ist nicht das erste Mal, dass der Titel das Kunstwerk bzw. das Kunstwerk den Titel nicht erklären bzw. rechtfertigen kann. Bunter Schmetterling ja, aber Falke?

Skulptur Falkenflug am Beginn der Falkensteiner Kellergasse
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Nach den Parkplätzen nahe den Weinbergen erreichen wir eine Gabelung; rechts locken Galgen und Poysdorf, wir aber wollen auf dem blau markierten Drei-Schwestern-Weg auch noch Poysbrunn und Herrnbaumgarten kennenlernen. Beim Rast- und Aussichtsplatz etwas höher ergibt sich erstmals ein Gesamtbild von Falkenstein.

Nach einem Gabelungen ist der höchste Punkt des fruchtbaren Plateaus namens Ackerweingärten erreicht. Im Hochsommer ist die Vielfalt am größten, wenn nicht nur Wein-, sondern auch Obst- und Blumenkulturen gedeihen. Sogar die Sitzbänke werden in den Dienst des Weins gestellt.

Dauben-Zweitverwertung auf dem Weg von Falkenstein nach Poysbrunn
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Eine halbe Stunde nähere ich mich Poysbrunn. Am Schloss vorbei marschiere ich ins Dorf, um rechts in die von Falkenstein kommende Straße nach Herrnbaumgarten abzubiegen. Im August sind an jeder Straßenecke, aber auch vor manchen Häusern und sogar in den Weingärten riesige Märchenfiguren zu sehen, die für das alljährliche Märchenfest kreiert werden.

Der Drei-Schwestern-Weg dreht bald links weg von der Straße, kämpft sich dann zwischen Wiesen und Äckern und in mehreren Zacken zur stark frequentierten, etwas weiter südlich vor Poysdorf wohl schon massiv überlasteten Bundesstraße nach Drasenhofen durch (eine Analyse zum grenzüberschreitenden Straßenverkehr folgt auf Etappe 21). Als Grenzübergang nach Tschechien steht Drasenhofen aber auch für eine der brutalsten Spielarten der Vertreibung der Sudetendeutschen, endete doch im Grenzort der wohl grausamste Vollzugsakt der Benes-Dekrete, der Brünner Todesmarsch.

Ein Haufendorf im Talkessel

Nach Unterquerung der überlasteten Nord-Süd-Verbindung folge ich dem Drei-Schwestern-Weg abseits der Straße über Güter- und Feldwege nach Herrnbaumgarten. Dort, wo die Straße zur letzten großen Schleife runter in den Ort nach links schwenkt, folgen wir einem ebenso steilen Güterweg halbrechts durch die Weinberge in den Ort.

Farbig ist nicht nur die Musik in Herrnbaumgarten
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Der Ort ist ziemlich unübersichtlich, ein in einer Mulde gewachsenes, einem Haufendorf ähnliches Gebilde. Dafür kommen wir an manch farbenprächtiger Fassade wie auch witzigen Skulpturen vorbei.

Doch verrückt sind die Herrnbaumgartner nicht, im Gegenteil, sie legen sogar großen Wert auf den kleinen, aber wichtigen Unterschied zwischen „verruckt“ und „verrückt“.

Die Unübersichtlichkeit trägt dazu bei, dass man bei der Suche nach dem zu überregionaler Berühmtheit gelangten Museum („Nonseum“) auch in Straßen kommt, die bestätigen, dass selbst ein so farbiges Dorf wie Herrnbaumgarten noch Farbe vertragen kann.

Nicht alles ist so farbenprächtig in Herrnbaumgarten
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Von dort sind es wirklich nur einige Meter bis zum „Nonseum“. Dieses macht sich in der Selbstdarstellung selbst über sich lustig: „Sorgsam losgelöst vom Nützlichkeitsdenken des Alltags zeigt der Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen (VVG) in diesem weltweit einzigartigen Museum 487,3 grenzgeniale Erfindungen, die wir auch nicht brauchen. Epochale Weltverbesserungsvorschläge wie der ausrollbare Zebrastreifen oder der halbautomatische Nasenbohrer konkurrieren mit einzigartigen Sensationsfunden wie der historischen Knopflochsammlung, freundlich besonnt vom Schirm für Sonnenanbeter“. Mehr dazu hier.

Das Nonseum als Museum besonderer Art
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Unterhalb der Weinberge finden wir aber auch die Außenstelle eines hier eigentlich nicht erwarteten High-Tech-Betriebes, nämlich einer an höchster Qualität orientierten Uhrenmanufaktur.

Nun aber ist es Zeit, das letzte Stück der heutigen Etappe in das für seine Rotweine bekannte Schrattenberg anzutreten. Beim Nonseum folgen wir zunächst der Hauptstraße, um dann knapp vor der Kellergasse durch die Hödlgasse nach Norden zu marschieren.

Kellergasse in Herrnbaumgarten
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Der vom Liechtenstein-Schloss Wilfersdorf zu den tschechischen Liechtenstein-Schlössern Valtice und Lednice führende „Fürstenweg“ (in Schrattenberg gibt es dann sogar eine gleichnamige Straße) leitet uns durch Felder und einen Windgürtel entlang, bis wir die Straße von Herrnbaumgarten nach Schrattenberg in Höhe eines Wäldchens (Bodendorfer Wald) queren.

Parallel zur Straße marschieren wir dann durch Felder und Weingärten bis vor Schrattenberg. Noch vor dem Ort biegen wir links in die Kellergasse ein und erreichen nach Querung der Hauptstraße den Fürstenweg und wenig später den Kirchenplatz.