Kattingers Grenzgänge

Etappe 18: Von Schrattenberg nach Bernhardsthal – samt Exkurs

von Matthäus Kattinger / 02.11.2015

Credits: GG, FL

Diese Etappe erstreckt sich über zwei Tage; man könnte sagen, die erste, die Wanderung von Schrattenberg nach Bernhardsthal, ist quasi die Pflicht, der zweite Teil, der Ausflug zu den Liechtenstein-Schlössern in Valtice und Lednice, im obigem Sinne die Kür.

Einleitend zu dieser Etappe eine Anmerkung für jene, die die Grenztour oder Teile davon nachgehen wollen. Die logischere (und auch wegen der wenig ansprechenden Strecke zwischen Schrattenberg und Bernhardsthal gerechtfertigte) Variante wäre, von Schrattenberg über den Grenzübergang das bloß vier Kilometer entfernte, südlichere der beiden ehemaligen Liechtenstein-Schlösser, Valtice (Feldsberg), anzusteuern.

Und von dort durch die Parkanlagen das sieben Kilometer nördlich davon liegende Lednice (Eisgrub) zu besuchen. Ich habe für meine Grenztour – um nicht auf weit mehr als 30 Etappen zu kommen – einen fiktiven Ruhetag für den Besuch von Valtice und Lednice eingeschaltet (der hier als Anhang zu Etappe 18 erscheint).

Wahl der Routen-Qual

Noch eine Entscheidung ist zu treffen, nämlich jene zwischen zwei unbefriedigenden Alternativen für die Tagesroute nach Bernhardsthal. Die schönere, durch einige kleinere Weingärten, hat den Nachteil, dass sich daran 2,1 Kilometer auf der Straße anschließen, der Radweg (über das weiße Kreuz) ist zwar weitgehend frei von Verkehr, wegen des langgezogenen Bogens aber um einiges länger. Ich habe mich deshalb zur Kombination von Weingärten und Straße entschlossen.

So quere ich auf dem Kirchenplatz in Schrattenberg die Straße nach Bernhardsthal, marschiere an der Laienbühne vorbei über den Mühlbach, dem ich in der folgenden halben Stunde zunächst durch den Vorort Radschin, dann zwischen Feldern und Weingärten (samt einem improvisierten Heurigen mit Sitzbänken unter Bäumen) bis nahe der Hubertuskapelle folge.


Credits: MK

Auf der wenig befahrenen Landesstraße bleiben wir kurvenreiche 2,1 Kilometer, bis knapp vor einer Brücke von rechts der „alternative“ Radweg auf die Straße trifft. Dort biegen wir – der Kirchturm von Katzelsdorf ragt über den Horizont – rechts auf einen Feldweg ab, um wenig später links den Karrenweg zu nehmen. Zunächst sind es noch Felder, dann aber wird das Terrain zur Linken feuchter, die beiden großen Fischteiche von Katzelsdorf kündigen sich an. Am Ende des ersten (und größeren) drehen wir beim Sportplatz (zur Rechten) an das Südufer des kleineren Fischteiches. Fischen ist offensichtlich Volkssport in Katzelsdorf.

Katzelsdorfer Fischteich
Credits: MK

Ich war an einem der ersten Septembertage dort (die Schule hatte noch nicht wieder begonnen), da war das ganze Südufer um die Mittagszeit von Alt- und Jungfischern gesäumt. Aber vielleicht hängt das ja auch damit zusammen, dass es im 600-Einwohner-Ort Katzelsdorf (ein Drittel Zweitwohnsitze) kein einziges Gasthaus gibt.

Weshalb der hungrige Wanderer auch bald aufbrach, nach der Bachzeile den vertrauten rot-weiß-rot markierten Wanderweg anvisierte und auf diesem durch die Felder der Niederlüssen bis zur Straße von Bernhardsthal nach Großkrut marschierte.

Öl aus Sonnenblumen oder aus der Erde

Diese wird in Richtung Altlichtenwarth überquert, nach der Brücke über den Hamelbach nehmen wir den Feldweg Richtung Osten (links). Dieser bringt mich nach einigen Haken an den Hamelbach zurück, dem ich – getrennt durch Gebüsch-Windschutz – gut eine halbe Stunde folge.

Nach einem Meierhof geht es an der südlichen Flanke von Reintal vorbei, daran schließen sich längere Zeit Äcker an, bis der Weg nach einem kleinen Teich und Sonnenblumenfeldern rechts auf den Hang hinaufdreht, wo einige der sich immer weiter nach Norden schiebenden Förderanlagen der OMV mitten in den Feldern zu erblicken sind: Erdöl statt Sonnenblumenöl (eine Analyse über das Zusammenleben von Öl- und Landwirtschaft in der Kornkammer Österreichs lesen Sie in der folgenden Etappe).

Hinter dem Sonnenblumenfeld wird Öl gefördert
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Ich aber schwenke beim Bildstock in der Kurve links in den kerzengerade nach Bernhardsthal führenden Kobelweg ein.

Bildstock auf dem Weg von Reintal nach Bernhardsthal
Credits: MK

Eine Viertelstunde später sind die ersten Häuser von Bernhardsthal erreicht; auf der Hauptstraße schwenke ich vor der Kirche halblinks herunter in die Schulstraße.

An einigen jetzt noch sehr schönen, aber offensichtlich unbewohnten Häusern vorbei geht es in Richtung Park vor dem Bernhardsthaler Teich (mit der angeblich ältesten Eisenbahnbrücke Österreichs), danach am Nordufer des Landschaftsteichs auf dem Dobesch-Güterweg Richtung Osten.

Bernhardsthaler Landschaftsteich vom Dobesch-Güterweg aus
Credits: MK

Gleich nach dem Dobesch-Kreuz biege ich rechts in eine der vielen historischen Bernsteinstraßen ein, die mich zunächst über die Hamelbachbrücke und dann an der Einfahrt nach Bernhardsthal vorbei einen Kilometer weiter zu einer Gabelung bringt. Nach der Abzweigung im spitzen Winkel nach rechts nähere ich mich in wenigen Minuten auf einem zwar asphaltierten, aber trotzdem holprigen Karrenweg dem Bahnhof in Bernhardsthal. Von hier starten wir am fiktiven Ruhetag den Ausflug zu den ehemaligen Liechtenstein-Schlössern per Bahn nach Břeclav und von dort nach Valtice bzw. Lednice.