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Kattingers Grenzgänge

Etappe 20: Von Hohenau über ehemalige Schlachtfelder nach Stillfried

von Matthäus Kattinger / 04.11.2015

Credits: GG, FL

Eine relativ lange, aber abwechslungsreiche Etappe erwartet uns. Wir verlassen Hohenau zwischen den Silos der Zuckerfabrik und den Vogelschutz-Teichen und halten uns danach zunächst auf dem Dammweg.

Von der Ortsmitte in Hohenau marschieren wir die Bahnstraße (hier zugleich Bernsteinstraße) bis zum Kreisverkehr, verlassen über Meierhof- und Forsthausgasse bei den Silos der aufgelassenen Zuckerfabrik den Ort. Wenn die Straße zur March-Brücke links abdreht, halten wir Kurs in Richtung Süden.

Nach den letzten Häusern passieren wir zur Linken die mit Schilf um- und bewachsenen, als Schutzgebiet der Wildvögel ausgewiesenen Teiche.

Blick vom Wasservögel-Schutzgebiet auf Hohenau
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Leider darf der Dammweg hier nicht betreten werden – das ist das Revier der privilegierten Vogel-Beobachter in ihren Hütten auf dem Damm (siehe www.auring.at). Für den einfachen Wanderer bleibt nur der wenige Meter näher zur March parallel verlaufende – natürlich asphaltierte (man gönnt sich ja sonst nichts) – Ringelsdorfer Güterweg. So geht es weiter gegen Süden, links Felder und dahinter die March-Auen, rechts der Damm, der allerdings zur Nebenstraße wird, dahinter Felder, Bahn und Bernsteinstraße. Und dann dürfen wir doch noch auf dem Damm gehen – mit der geschotterten Nebenstraße unter uns. Zunächst sind es nur einige Hütten, die als Vogelschauplätze dienen, dann erregt die Vogel-Beringungsstation unsere Aufmerksamkeit.

Die Vögel-Beringungsstation südlich von Hohenau
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Dort ist man quasi „live dabei“ (von Juli bis Oktober), wenn Vögel zwecks Spuren-Verfolgung beringt werden. Die diensthabende Betreuerin erzählte mir, dass sich dank des weltweiten Netzwerkes von Beringungsstationen die Spuren der in Ringelsdorf (nomen est omen) beringten Vögel bis nach Kenia verfolgen lassen. Seit Bestehen der Station vor gut 20 Jahren habe man an mehr als 70.000 Vögel von weit mehr als 100 Arten mit einem Ring ausgestattet.

Das Überschwemmungsgebiet der March ist hier sehr breit; näher zur March zu gehen, empfiehlt sich in diesem Bereich aber nicht, da zu viele Nebenarme, Brackwasser und Teiche manchen Weg zur Sackgasse werden lassen. Die zwischen unserem Dammweg und der March liegenden Teiche bzw. Seen tragen Namen wie Schwarzawa, Altsee, Großer Schlammsee und Große Lacke.

Teich nahe der Großen Lacke
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Beim abgebildeten Teich zu unserer Linken drehen wir mit der rot-weiß-roten Markierung auf einer Schotterstraße nach rechts – an einem idyllischen, diesmal runden Teich vorbei. Wenig später zwischen riesigen Kürbis-Feldern nimmt unser Feldweg wieder die bevorzugte Richtung Süden ein.

Kürbis-Ernte zwischen Hohenau und Drösing
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Bei der Hubertus-Kapelle nähert sich unsere Schotterstraße noch ein kleines Stück näher der Bahn an, einige Minuten später queren wir die Zaya, die wenig später in die March mündet. Es ist schon eigenartig, dass ein derart schmales Gerinne etlichen Orten den Namen gibt – wie Asparn oder Neusiedl an der Zaya.

Der Steg über die Zaya ist um ein Vielfaches länger als das Bächlein breit.
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Wir wechseln kurz danach auf die rechte Seite der Bahn, um eine gute Viertelstunde durch Felder zu marschieren, bis wir nahe des Bahnhofs Drösing mit der Ringelsdorfer Straße auf die linke Seite zurückkehren. Gleich nach der Ortsmitte stehen einander auf dem Kaiser-Josefs-Platz die durch die Straße getrennten Denkmäler für die Jubiläums-Eiche und Kaiser Josef II. gegenüber. Die von Privatleuten gestiftete gusseiserne Figur des Kaisers zu dessen 100. Todestag (1890) wurde von der mährischen Firma Blansko angefertigt.

Der Eiche zugewandtes Denkmal für Josef II. in Drösing
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Am Friedhof vorbei verlassen wir Drösing, um auf einem schnurgeraden Güterweg Sierndorf anzusteuern.
Solche Feldwege zeichnen gerade in diesem Teil des Weinviertels eine ungeheure Flächeneffizienz aus – quasi die Minimierung des Rains. Links und rechts des Asphalts reicht die bearbeitete Ackerfläche bis auf wenige Zentimeter an den Güterweg heran, dem Wanderer bleibt nur die Wahl der Qual: hängender Acker-Ansatz oder Asphalt.

Eine Viertelstunde später – auf Höhe der auf der anderen Seite der Bahn liegenden Ortschaft Waltersdorf an der March – nähern wir uns zunächst dem Bahndamm, dann auf dem sogenannten Schanzenfeld Sierndorf. Kilometerlang nichts Bemerkenswertes – jetzt müssen wir uns entscheiden, ob wir links zur March drehen und dort an einem der schönsten Nebenarme, dem ob der Form Hufeisen genannten, entlang marschieren oder rechts auf den Goldberg genannten Hügelkamm mit den Weingärten wechseln.

Der Etappen-Dramaturgie („Schlachtfeld Weinviertel“) zuliebe quere ich die Bahn, folge durch Sierndorf Bahnstraße und Bründlgasse auf den Kamm, um dort links in die Kellergasse einzuschwenken. Sierndorfer Wein bzw. Kellergasse stehen offensichtlich unter höherem Schutz, thront doch die Kirche direkt gegenüber. Etwa auf ihrer Höhe ist eine riesige Presse zu sehen.

Weinpresse in der Kellergasse in Sierndorf
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Der Kammweg ist zwar nur 40 Meter höher als die March-Auen zur Linken, doch der Ausblick ist prächtig; das gilt aber nicht für die rechte Seite in Richtung Zistersdorf, wo nicht Landschaft, sondern Windräder das Bild bestimmen. Bald nähern wir uns Jedenspeigen. Doch bevor wir runtermarschieren, machen wir noch einen Abstecher in die Weingärten zur Papstkapelle.

Papstkapelle bei Jedenspeigen
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Es ist weniger das Porträt von Johannes Paul II. (Wojtyła), das uns lockt, als der Blick auf die unter uns liegenden Schlachtfelder des 13. Jahrhunderts, als der Habsburger Rudolf den Böhmen Přemysl Ottokar II. zwischen Dürnkrut und Jedenspeigen schlug. An der Grenze zwischen den beiden Schlacht-Orten erinnert ein Grenzstein an die Schlacht im Jahre 1278. (Mehr über die beiden Schlacht-Orte sowie über das Schlachtfeld Weinviertel in den betreffenden Cards.)

Blick von der Papstkapelle auf das einstige Schlachtfeld zwischen Jedenspeigen und Dürnkrut
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In Jedenspeigen halten wir uns „im Abstieg“ rechts, drehen durch die Kellergasse zu dem etwas außerhalb des Ortes liegenden Schloss.

Schloss Jedenspeigen vom Burgwall aus
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Durch die Hauptstraße vorbei an der prächtigen Kirche wechseln wir über die Bahn auf den Dammweg, nähern uns in gut einer halben Stunde Dürnkrut. Auch hier empfiehlt sich allein wegen des Schlosses ein Besuch im Ort. Nach dem Schlossbesuch kehren wir zurück auf die andere Bahnseite, rückt doch die March jetzt immer näher an die Bahn heran.

March-Idylle bei Stillfried
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Die folgenden knapp eineinhalb Stunden sind wir quasi zwischen March und Bahndamm eingepfercht. Zeitweise sind nur wenige Meter zwischen Fluss und Geleisen. Sonst stört nichts und niemand unseren Weg ins Etappenziel Stillfried – bekannt vor allem durch das Museum für Urgeschichte.