Kattingers Grenzgänge

Etappe 22: Von Marchegg über Hainburg nach Wolfsthal

von Matthäus Kattinger / 06.11.2015

Credits: FL, GG

Vom WWF-Reservat March-Auen geht es heute in einem großen Bogen über die Donaubrücke auf die Südseite der Donau und von dort über Hainburg und die Donau-Auen nach Wolfsthal – immer wieder mit freiem Blick auf die slowakische Hauptstadt Bratislava.

Beim Aufbruch aus Marchegg habe ich versucht, den historischen Stadt-Rundwanderweg mit den natürlichen Sehenswürdigkeiten der March-Auen zu kombinieren. Ich habe Marchegg durch das Ungartor verlassen, um zwischen den Teichen zum Dammweg an der March zu gelangen. Zwar böte sich auch der Weg direkt am Ufer der March an, doch wird das spätestens beim March-Knie zum Labyrinth, endet dieser doch mehrmals in Sackgassen bzw. Nebenarm-Schlingen der March.

Blick auf die March südlich von Marchegg
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Der Dammweg führt uns weitgehend parallel, meist im Abstand von 200 bis 300 Metern zur March südwärts; rechts von uns erkennen wir bereits erhöht die Bahnstrecke Marchegg in die Slowakei, die wir in einem kleinen Wald unterqueren und uns gleich danach links zum Ufer der March wenden.

Eisenbahnbrücke südlich von Marchegg
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Wir folgen nun dem Ufer an zahlreichen Fischerhütten vorbei, drehen aber, wenn der Auwald dichter wird, auf den Feldweg rechts vom Niederwald. Zur Rechten blickt von dem bloß 20 Meter höheren Hügelkamm die Fassade des zu den Marchfeldschlössern gehörenden Schlosses Hof samt Meierhof herüber.

Noch einen Kilometer dahinter liegt der Ort Groißenbrunn, wo 1260 Přemysl Ottokar die Ungarn unter König Béla IV. schlug. Unser Weg ist kein markierter und befestigter, sondern wir folgen einfach den erkennbaren Spuren landwirtschaftlicher Maschinen auf den an die Au angrenzenden Wiesen („Lange Lüsse“).

In den Langen Lüssen südlich von Marchegg
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Dann treten wir hinaus auf einen unseren Weg kreuzenden asphaltierten Kamm-Radweg, der links zur Fahrradbrücke der Freiheit (slowakisch Cyklomost slobody) über die March führt – und rechts nach Schlosshof mit dem Schloss Hof.

Thebener Kogel von der Fahrradbrücke der Freiheit aus
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Hinter der Fahrradbrücke erkennen wir den bereits zu Bratislava gehörenden nordwestlichen Vorort Devínska Nová Ves – von Bratislava durch den Thebener Kogel (Devínska Kobyla) getrennt.

Thebner Kogel mit den Wohnblöcken in Devínska Nová Ves
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Die mehrheitlich auf slowakischem Grund stehende geschwungene Brückenkonstruktion mit dem blau-grünen Kunststoffbelag wurde im September 2012 eröffnet; die Fahrradbrücke der Freiheit steht auf historischem Boden, wurde doch dort schon 1771 erstmals eine aus gemauerten Bögen bestehende Brücke errichtet. 1809 durch einen Eisstoß demoliert, wurde diese vier Jahre später wiederhergestellt, im Krieg mit Preußen 1866 gesprengt; nach dem baldigen Wiederaufbau wurde sie 1880 neuerlich von einem Eissstoß weggerissen – worauf man sich in der Folge mit einer Fähre behalf.

March auf Höhe des Thebener Kogels
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Für den Weiterweg bin ich gleich nach Ende des Brückenauslaufes links auf den Dammweg gedreht, marschiere zwischen den Feldern südwärts. Auf Höhe von Markthof gelange ich auf einem Feldweg in den Ort, biege nahe der Kirche bei einem Denkmal mit einem kleinem Park ab, um danach den Strempfelbach zu queren und einer von Feldern gesäumten Schotterstraße zu folgen.

Nach etwa einer halben Stunde überqueren wir den Russbach, folgen diesem kurz nach Süden, um dann parallel zum Wald dem Dammweg zu folgen. Gelegentlich ragen bereits die Tragseile der Donaubrücke über den Wald empor. Nach etwa 45 Minuten fast nur geradeaus erreichen wir die Donaubrücke.

Seitenarm nördlich der Donau bei der Hainburger Donau-Brücke
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Es braucht gut 20 Minuten, bis wir von der Nord- auf die Südseite der Donau (zweiter Abgang) gelangen. Wir verlassen diese mit der rot-weiß-roten Markierung auf der Fahrradabfahrt.

Hainburg und Braunsberg von der Donaubrücke aus
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Der Brücke entronnen, drehen wir rechts auf den Steinerweg, gelangen über die Donaulände mit freiem Donaublick zum Personenbahnhof Hainburg. Die nächsten Minuten bleiben wir – den Braunsberg vor uns – ganz nahe an der Donau. Rechts von uns der mächtige Wasserturm, einer der Ecktürme der 15 erhaltenen Türme der aus dem 13. Jahrhundert stammenden, 2,5 Kilometer langen Stadtmauer von Hainburg (außerdem sind noch drei Tore erhalten). Sie zählt damit zu den ältesten und am besten erhaltenen Stadtbefestigungen Europas.

Wasserturm in Hainburg
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Die felsigen, ziemlich steilen Abhänge des Braunsberges reichen hier bis an die Donau heran, daher wurden nach Gasthaus und Zollhaus zwei Durchgänge in den Felsen gehauen.

Felsentor an den Abhängen des Braunsberges
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Vorbei an einer besonders umfänglichen, riesigen Pappel haben wir mittlerweile den Nationalpark erreicht. Dann erinnert der Ferdinand-Häringer-Platz unter dem Steilabhang des Braunsberges an die „Arche Noah“, eine Waldschenke, die bis 1964 diesen Platz einnahm. Wenig später erklimmen wir die Aussichtsplattform der Ruine Röthelstein, deren Reste auf einer kleinen Anhöhe direkt an der Donau zu besichtigen sind.

Ruine Röthelstein zwischen Hainburg und Grenze
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Einige Minuten später verlassen wir den Weitwanderweg und drehen auf den zunächst einem Nebenarm der Donau folgenden Treppelweg. Bald sind wir direkt an der Donau; dann nimmt vorübergehend Auwald den Blick zur Donau, dieser wird gerade rechtzeitig wieder zur Mündung der March unter Burg und Ruine Devín (samt der teilweise erhaltenen Mauern) frei.

Mündung der March in die Donau bei Burg und Ruine Theben
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Bald wird aus dem sandigen Uferweg eine breite Schotterstraße – und zwar in der Nähe der einstigen „Thebener Überfuhr“ (bis zum Ende des Ersten Weltkriegs bestand hier eine einfache Überfuhr, hatten doch viele Bauern, die am heute slowakischen Nordufer der Donau wohnten, ihre Feldern am Südufer, weshalb sie zur Feldarbeit immer den Strom queren mussten). Auf der slowakischen Seite treibt man übrigens die Renaturierung der Donau voran, bindet abgetrennte Nebenarme des Flusses wieder an den Hauptstrom an. Als erstens wurde der fast 50 Jahre lang ausgetrocknet gewesene Thebener Donauarm geflutet.

Erhaltene Mauern der Ruine Theben
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Wir aber marschieren auf dem Südufer gut 20 Minuten parallel zu Donau, kommen an einem Kreuz für zwei ertrunkene Fischer vorbei, und folgen nach der Brücke über den weit in die Felder reichenden Augl-Arm dem Weg halbrechts (nicht ganz rechts am Augl-Arm entlang!). Zwischen Äckern stoßen wir knapp eine halbe Stunde später nahe von Schloss Walterskirchen schon im langgezogenen Straßendorf Wolfsthal auf die Pressburger Bundesstraße sowie die Eisenbahntraße Wien-Wolfsthal.