Kattingers Grenzänge

Etappe 24: Von Nickelsdorf nach Frauenkirchen

von Matthäus Kattinger / 08.11.2015

Nun waren wir in den letzten Tagen (mit Ausnahme der Königswarte) fast ausschließlich in den „tiefen Regionen Österreichs“ unterwegs – und heute geht es nochmals einige Meter bergab: nämlich auf 120 Meter Seehöhe. Die geringste in Österreich gemessene Seehöhe beträgt übrigens 116 Meter, gemessen westlich von Apetlon bzw. bei Pamhagen.

Von der Ortsmitte (Zentrum wäre übertrieben) in Nickelsdorf folge ich der Lindengasse in südlicher Richtung. Dann trenne ich mich vorübergehend von den markierten Weitwanderwegen, bleibe in der Lindengasse und teile mit den Radfahrern den Güterweg Kleylehof. Wenig später lässt sich zur Rechten eine Art Energie-Inferno beobachten, wird doch die Hochspannungsleitung von nur noch im Dutzend zu zählenden Windrädern eskortiert.

Unsere asphaltierte Straße dreht nach einigen Minuten scharf nach rechts, passiert bald darauf das Nova-Rock-Gelände. Mitte Juni kommen alljährlich hunderttausende Rock-Fans, um auf den mittlerweile zu „Pannonia Fields“ stilisierten Wiesen (klingt halt einfach besser) „die Sau rauszulassen“ oder auch nur die verschiedenen Bands zu hören. Wieder einige Minuten später stößt von rechts der von Windenergie und Hochspannung gespeiste Weitwanderweg 07 wieder auf unsere Route

Wanderweg unter Wind und Strom
Credits: MK

Vor hier sind es rund 20 Minuten bis zu dem schon ziemlich ramponierten Kleylehof; der nicht mehr ganz vollständige Namenszug auf der Tafel an der Nordost-Ecke des Hofes ist wohl ein Zustandsbericht für den gesamten Hof. Teile des Hofes wurden fast zwei Jahrzehnte von einem Bildhauer für Musik- und Theaterveranstaltungen genutzt, doch lief zum Zeitpunkt meiner Tour der Pachtvertrag aus, sollte nicht verlängert werden.

Ramponierter und umkämpfter Kleylehof zwischen Nickelsdorf und Halbturn
Credits: MK

Vor dem Kleylehof weist die rot-weiß-rote Markierung nach rechts. Durch Auwald geht es etwa einen halben Kilometer Richtung Westen, bis die sehr breite Schotterstraße im Auwald nach Südwesten in Richtung Halbturn dreht. Zur Rechten drängen sich nach einigen Minuten im Karlwald wieder dutzende Windräder der Windparks Andau, Halbturn und Albrechtsfeld ins Bild.

Links Felder, rechts Windräder über den Feldern – so geht es eine halbe Stunde auf Schotter dahin, bis wir zur Abwechslung am Wittmannshof vorbeikommen. Dann dreht die Straße immer mehr nach Süden und wird schmäler, bis wir zur Rechten die Johannes-Kapelle erblicken.

Kapelle St. Johann am nordwestlichen Eingang zum Schlosspark von Halbturn
Credits: MK

Hier empfiehlt es sich, den rot-weiß-roten Weitwanderweg, der der Parkstraße ins Zentrum folgt, zu verlassen und auf den von der Kapelle ausgehenden Parkweg zu wechseln, der den Wanderer durch den wunderschönen Park in zehn Minuten zum eindrucksvollen Barock-schloss Halbturn bringt.

Schloss Halbturn Eingangsbereich Innenhof
Credits: MK

Wir verlassen das Schloss auf der Westseite, um direkt zur barocken Pfarrkirche Joseph am Kirchenplatz zu gehen, die 1730 am Nordende des Dorfangers nach Plänen von Fischer von Erlach errichtet wurde.

Barocke Josephs-Kirche von Fischer von Erlach am Nordende des früheren Dorfangers Halbturn
Credits: MK

Von dort marschieren wir am ehemaligen Dorfanger südwärts, drehen dann kurz nach rechts, um wenig später links in die Straße nach Frauenkirchen einzuschwenken. Eine wenig verlockende Aussicht, entlang der Straße die gut vier Kilometer nach Frauenkirchen zu absolvieren, aber die zudem auch asphaltierte Alternative ist fast doppelt so lang. Die folgende Stunde bleibt uns also die L306, die Landesstraße von Halbturn nach Frauenkirchen nicht erspart – ohne begleitenden Rad- oder Wanderweg.

Schon in einiger Entfernung von Frauenkirchen sind die Türme der barocken Wallfahrtskirche, besser der Basilika zu Mariä Geburt, zu sehen. Der Ort war schon im 14. Jahrhundert Ziel von Wallfahrern; doch die ursprüngliche Kirche wurde wie das gesamte Dorf im Jahr 1529 im Zuge der ersten Türkenbelagerung Wiens zerstört. Unter der Ägide von Esterhazy wurden Kirche und Franziskanerkloster neu gebaut, im Zuge der zweiten Türkenbelagerung 1683 neuerlich zerstört. Als Stiftung von Paul Esterhazy wurde die heutige Wallfahrtskirche 1702 eingeweiht, 1720 das Franziskanerkloster angebaut (Details hier).

Während im Falle von Basilika und Franziskanerkloster in Frauenkirchen die Rolle der Herrschaft Esterhazy allgemein bekannt ist, treffen wir auf unserer Wanderung durch das Burgenland (vor allem bis ans südliche Ende des Mittelburgenlandes auf Höhe von Köszeg) immer wieder auf Esterhazy, ohne dass dies so bekannt wäre wie im Falle der Basilika in Frauenkirchen.