Kattingers Grenzgänge

Etappe 30: Von Bildein über Strem nach Heiligenkreuz

von Matthäus Kattinger / 14.11.2015

Credits: GG, FL

Auch heute wartet eine ziemlich lange Etappe auf den Wanderer. In Summe werden 29 Kilometer bei knapp 200 Höhenmetern zusammenkommen – letztlich habe ich dafür knapp 6 ½ Stunden benötigt. Ausgangspunkt ist das Burgenländische Geschichte(n)haus in Bildein.

Vom Burgenländischen Geschichte(n)haus in Bildein orientieren wir uns zunächst am südlichen Nachbarort Eberau; an Dreimäderlhaus und Kaffeehaus vorbei verlassen wir Bildein. In den folgenden 20 Minuten sehen wir links und rechts nur Äcker und sonst nichts, die Ebene hat uns wieder. Dann dreht die Straße bei einer Gabelung rechts nach Eberau – geradeaus geht es zu dem 1,5 km entfernten Grenzübergang Szentpeterfa.

Wir gelangen auf der Marktstraße ins Ortszentrum von Eberau, schwenken vor dem Gemeindeamt links in die Schlossallee. Diese macht weniger den Eindruck einer Allee als vielmehr eines umbauten ehemaligen Dorfangers, um den die Häuser gruppiert sind.

Schlossallee in Eberau mit Kirche und von Künstlern bemalten Fässern
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An der Südseite teilt die Kirche den Anger gegenüber dem dahinter liegenden Schlosspark samt ehemaligem Wasserschloss.

Vor dem ehemaligen Wasserschloss in Eberau
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Auf meinen Wanderkarten ist zwar ein vom Schloss westwärts führender Wanderweg eingezeichnet, doch gefunden habe ich auf dem Asphalt vor dem Schloss nur einige Verbotszeichen. Daher bin ich wieder vor auf die Marktstraße, bin 15 Minuten bis nach Kulm marschiert, dort bei der als Verkehrsinsel dienenden Kapelle für wenige Meter links in die Landesstraße nach Moschendorf bzw. Strem eingebogen, aber schon 30 Meter weiter rechts auf die Pinkataler Weinstraße ausgewichen.

Diese führt auf den folgenden sechs oder sieben Kilometern 20 bis 30 Meter erhöht parallel zur Landesstraße zunächst als Güterweg Kulm, dann als Güterweg Gaas nach Süden. So gering der Höhenunterschied, so ermöglicht er doch einen Blick weit über die Ebene ins nicht mehr als 1,5 bis 2 Kilometer entfernte Ungarn hinein.

Auf dem kaum befahrenen Güterweg kommen wir an vielen einzelnen Häusern, meist relativ versteckt, durchwegs mit relativ großen Vorgärten und auch Obstbäumen vorbei. Höfe sind eher die Ausnahme. Etwa nach einer halben Stunde Wanderns auf der Weinstraße – auf Höhe des kleinen Ortes Gaas in der Ebene – biegen wir (bei der Tafel Loderberg) bei einem riesigen Bauernhof rechts zu der vom Wald teilweise versteckten Wallfahrtskirche Maria Weinberg ab.

Wallfahrtskirche Maria Weinberg
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Am Triumphbogen der Wallfahrtskirche Maria Weinberg findet sich die Jahreszahl 1155; laut einschlägigen Quellen dürfte damit die ursprünglich am Platz der Wallfahrtskirche errichtete romanische Burgkapelle gemeint sein. Diese soll gemeinsam mit der 1221 erstmals erwähnten Burg „Kertes“ (Heinrichshaus) und mit dem Wasserschloss Eberau als Sicherung der ungarischen Westgrenze gedient haben.

Die Wallfahrtskirche in ihrem heutigen Umfang dürfte im 15. oder 16. Jahrhundert gebaut worden sein. Dafür sprechen einige Zeugnisse, wonach Papst Sixtus V (1585–1590) allen Ablass gewährte, die zur Erhaltung der Kirche beitragen wollten. Um 1800 erhielt das gotische Gebäude seine barocke Einrichtung und auch den Turm.

Beim Parkplatz hinter der Kirche biegt der Wanderweg in Richtung des Europa-Blumendorfes Steinfurt ab; ich bin diesem aber nicht bis Steinfurt gefolgt, sondern habe die zweitbeste Güterweg-Gelegenheit genommen, um südwärts in Richtung Strem abzuweichen. Bei der Annäherung an Strem können wir zur Rechten (Westen) in Luftlinie acht Kilometer Burg und Schlossberg in Güssing erkennen. Etwa 40 Minuten nach der Wallfahrtskirche mündet der Güterweg Schöngraben beim ökoEnergie-Rad (dem Symbol für Güssing, den mittlerweile in Rücklage geratenen einstigen Vorzeigeort für erneuerbare Energie) in die Zufahrt nach Strem.

Das ökoEnergie-Rad in Strem
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In Strem bin ich vor der Pfarrkirche zu Ehren von Antonius von Padua zur Straße nach Güssing runtermarschiert, habe diese in Richtung Sumetendorf überquert, dieses aber bei der nächsten Gabelung rechts liegen gelassen und bin dann links nach Heiligenbrunn abgebogen. Nach einem sehr schönen Stück durch den Wald bin ich beim Ortsanfang auf das Uhudler-Denkmal gestoßen; dieser reine Naturwein, den die EU verbieten will, hat seine Proponenten in den Ortschaften Heiligenbrunn, Eltendorf und Moschendorf.

Heiligenbrunn kämpft für den Uhudler
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Dann marschiere ich in den Ort, drehe beim Hotel Krutzler rechts hinauf in jenes Viertel, für das Heiligenbrunn bekannt, ja berühmt ist: das Kellerviertel Heligenbrunn mit den 123 denkmalgeschützten, meist strohgedeckten Weinkellern. Vom Kellerviertel führt die Straße in Serpentinen ziemlich steil hoch bis zum – nomen est omen – Hochberg, wo der Wanderweg nach Reinersdorf abzweigt und knapp vor der Gemeinde an der Südflanke des Burgenlandes wieder in die in der Folge parallel zur Staatsgrenze verlaufenden Landesstraße mündet. Das südburgenländische Grenzland, wiewohl es nie über 400 Meter hinausgeht, ähnelt hier der Buckligen Welt.

Es könnte die Bucklige Welt sein – ist jedoch die südburgenländische Grenzregion zu Ungarn
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Wir folgen mangels wanderbarer Alternativen der wenig befahrenen Landesstraße, die uns in gut zwei Stunden von Reinersdorf über Großmürbisch, Unterberg und Inzenhof zur Straße von Güssing nach Heiligenkreuz bringt. Der Baustil ist zumindest bei öffentlichen Gebäuden sehr einheitlich – darauf lässt nicht nur das Beispiel Reinersdorf schließen

Kirche und Feuerwehr in Reinersdorf im Partner-Look
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In Inzenhof böte sich zumindest gemäß Wanderkarte eine Alternative zur Landesstraße für den Weg nach Heiligenkreuz. Gleich am Ortsbeginn von Inzenhof zweigt nämlich links der Güterweg zur St.-Emmerichs-Kirche direkt an der Grenze nach Ungarn ab (ca. 3,5 Kilometer); von dort könnte man auf der ungarischen Seite der Grenze in großem Bogen nach Heiligenkreuz marschieren (der letzte Kilometer wäre dann mit dem Weg der im Oktober vorübergehend dort angekommenen Flüchtlinge identisch). Allerdings ist der Weg über St. Emmerich um sieben oder acht Kilometer länger als der auf der Asphaltstraße, weshalb ich dann doch auf dieser geblieben bin.

In die Landesstraße Güssing-Heiligenkreuz eingebogen, geht es zunächst 25 Minuten direkt an der Grenze auf einer vom dichten Wald beinahe überdachten Straße immer leicht bergab; dann dreht diese etwas stärker von der Grenze weg und erreicht wenig später das vom Durchzugsverkehr nach Ungarn und auch Slowenien beeinträchtigte Etappenziel Heiligenkreuz an der Lafnitz. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Bau der Schnellstraße S7 von der Südautobahn über Fürstenfeld zur Grenze nach Szentgotthard wegen weiter offener Umweltverträglichkeitsprüfung blockiert ist.