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Etappe 31: Von Heiligenkreuz im Lafnitztal zum Ziel der Grenztour, dem Dreiländereck

von Matthäus Kattinger / 15.11.2015

Credits: FL, GG

Die letzte Etappe der Grenztour vom deutsch-tschechisch-österreichischen zum slowenisch-ungarisch-österreichischen Dreiländereck wartet heute auf uns. Wir starten in der 1.200-Seelen-Marktgemeinde Heiligenkreuz an der Lafnitz, die kürzlich für wenige Tage in den Fokus der Flüchtlingsströme gekommen war.

Von der Ortsmitte in Heiligenkreuz (dort wo die Straßen nach Ungarn bzw. Slowenien zusammentreffen) gehen wir ein Stück in Richtung Szentgotthard, biegen aber bald rechts hinunter ins Industriezentrum. Dort queren wir mehrere Straßen, bis wir entweder der Europastraße oder etwas später der Industriestraße nach rechts hinaus auf die Bundesstraße folgen, um auf ihr die Lafnitz zu übersetzen – die nächste Möglichkeit dazu besteht nämlich erst gut drei Kilometer flussaufwärts.

Nach der Brücke bleiben wir nur noch einige Minuten auf der Bundesstraße, biegen dann rechts auf die Straße nach Deutsch-Minihof ab. Ihr folgen wir bis zu den ersten Häusern, dann drehen wir links hinauf in den Drei-Länder-Naturpark bzw. auf den Friedensweg zum Schlösslberg mit Friedenskreuz und Gedächtniskapelle. Wenig später bietet sich die Möglichkeit eines Abstechers zu einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg.

Dann tauchen wir in den Wald ein; einige Kurven und gut 15 Minuten später erblicken wir gleich nach Ende des Waldes zur Linken auf dem Plateau einer leicht steigenden Wiese das riesige Friedenskreuz mit der Gedächtniskapelle dahinter.

Das Friedenskreuz auf dem Schlösslberg oberhalb von Deutsch-Minihof
Credits: MK

Das 15 Meter hohe Kreuz und die Gedächtniskapelle sollen an die Türkenschlacht im August 1664 erinnern, war doch der Schlösslberg der Feldherrenhügel des christlichen Heeres.

Es ist eine schöne und abwechslungsreiche Gegend; kleine Siedlungen, aber auch viele vereinzelte Häuser, viel Grün, mehr Wiesen als Wald. Beim Restaurant unterhalb des Friedenskreuzes drehen wir auf Rollsplit rechts Richtung Krobotek.

Blick vom Schlösslberg in Richtung Kesselgraben
Credits: MK

Immer wieder drängt sich über die Hügel bzw. den Wald die Wallfahrtskirche Maria Bild „ins Bild“. Eigentlich wollte ich ja auf einem kürzeren Weg Maria Bild ansteuern, doch die vielen Wege und Abzweigungen sind in dieser Gegend nur was für Insider – es mangelt an Wegweisern. Jedenfalls habe ich meine geplante (kürzere) Route über Goldberg verfehlt, bin deshalb über Krobotek in einem etwas größeren Bogen nach Maria Bild marschiert. Aber schließlich doch angekommen.

Die Wallfahrtskirche Maria Bild zwischen Oberberg und Unterbergen
Credits: MK

Der Faden der Geschichte von Maria Bild hat mehrere Enden. Da ist zunächst mal die Legende um einen ungarischen Maler, der 1676 in Mariapocs ein Marienbild für die dortige Kirche malte. Eines Tages waren darauf Tränen zu sehen, die niemand erklären konnte, worauf das Bild in den Stephansdom nach Wien gelangte. Der zweite Faden beginnt sehr früh; seit 1187 besaß die ungarische Abtei St. Gotthard einen Meierhof am heutigen Standort von Maria Bild. Als die Zisterzienser von Stift Heiligenkreuz beauftragt wurden, die Seelsorge im Raabtal zu übernehmen, gründeten sie das Kloster St. Gotthard.

Ein Pater brachte daraufhin eine Kopie des Marienbildes und befestigte sie im Wald an einem Weichselbaum. Laut Dehio soll sich das Bild „der frommen Sage nach“ als wundertätig erwiesen haben. Daher wurde zunächst eine Kapelle, dann 1793 die Wallfahrtskirche errichtet. Über dem Hochaltar ist das alte Gnadenbild samt Teilen des Baumes angebracht. Das Altarbild „Mariä Heimsuchung“ stammt von Franz Anton Maulbertsch, dem neben dem Kremser Schmidt wichtigsten österreichischen Maler im Spätbarock.

Blick von Maria Bild auf Oberberg
Credits: MK

Von der Wallfahrtskirche weg bleiben wir noch ein Stück auf der Straße in Richtung Weichselbaum, dann folgen wir halblinks dem Burgenländischen Weitwanderweg. Auf der Bundesstraße von Heiligenkreuz über Jennersdorf nach Fürstenfeld treffen Landesstraße und Wanderweg wieder zusammen, wir queren die Bahntrasse und folgen ihr auf der linken Seite rund einen Kilometer (Richtung Jennersdorf). Dann dreht der Güterweg zur Raab hin, an der wir eine halbe Stunde weiter in Richtung Westen marschieren, um dann auf einer Straßenbrücke die Raab zu überqueren.

Wenig später erreichen wir das zu St. Martin an der Raab gehörige und für sein Künstlerdorf bekannte Neumarkt an der Raab (ach ja, der Ort liegt im Naturpark Raab-Örseg-Goricko). Am Anfang stand dabei 1964 der geplante Abriss einer Rauchküche; der Maler Feri Zotter machte daraus das erste Atelierhaus. Mittlerweile ist der Kulturverein Künstlerdorf im Besitz von zehn Häusern (einige hundert Meter östlich der Ortsmitte).

Vom Künstlerdorf marschieren wir zurück in die Ortsmitte, drehen dann auf die Hauptstraße in Richtung St. Martin; knapp vor dem Ortsende erblicken wir erhöht zur Linken das 1854 von Graf Franz Batthyany errichtete Schloss Batthyany – selbst in den neuesten Wanderkarten ist dieses aber als Schloss Goess-Saurau eingezeichnet (damit dürfte aber nur der Reithof gemeint sein).

Vor dem Schloss Goess-Saurau in Neumarkt an der Raab
Credits: MK

Wir bleiben noch ungefähr für 500 Meter auf der Straße nach St. Martin, biegen dann links mit dem Burgenländischen Weitwanderweg auf den Güterweg Eisenberg ab. Die ersten 20 Minuten geht es meist durch lichten Wald dahin, dann beginnt die langgezogene Rotte Eisenberg – kein Straßendorf, weil es meist vereinzelte, oft weit auseinanderliegende Häuser sind. Kurz nachdem wir beim riesigen Hotelkomplex („Das Eisenberg“) mit eigener 30-er Zone vorbeikommen, treffen wir auf eine Gabelung: rechts nach Oberdrosen, links zum Dreiländereck.

Es ist die letzte Gewissensfrage für den Wanderer auf seiner langen Tour entlang der alten Ostgrenze: Soll er die noch rund drei Kilometer nach Oberdrosen marschieren und von dort dann den kurzen Aufstieg zum Dreiländereck in Angriff nehmen oder gleich hier abbiegen, um in knapp einer Stunde auf Forstwegen meist der Grenze entlang zum Dreiländereck zu gelangen? Ich habe mich für den Marsch an der Grenze entschieden, bin links abgebogen, wo mich wenige Meter weiter die österreichische Subventionskultur eingeholt hat. Hinter einer schwungvoll gestalteten Liege aus Holz findet sich eine Tafel, auf der sich das Wirtschaftsministerium berühmt, den Wanderweg „Grünes Band“ gefördert zu haben (dessen erste Station wir hier sehen).

Station Eins des vom Wirtschaftsministeriums geförderten Wanderweges Gründes Band

Ich lasse die Selbstbeweihräucherung der Förderung links liegen, folge 50 Meter der Forststraße, um dann rechts in einen Waldweg abzubiegen

Noch fehlen 4,3 Kilometer bis zum Dreiländereck
Credits: MK

Wenig später ist die Grenze erreicht (wiewohl keine Markierungen zu sehen sind). Die nächsten 45 Minuten geht es auf schönen Forststraßen mal leicht bergan, dann wieder leicht bergab, ganz selten gibt der Wald den Blick auf die Umgebung frei.

Blick vom Grenzweg zum Dreiländereck auf die Wälder von Oberdrosen-Bergen
Credits: MK

Etwas später kommt von rechts der Weg von Oberdrosen herauf, dann fehlt nur noch ein ganz kurzer, etwas steilerer Anstieg zum Dreiländerstein.

Noch steht die größere Schwierigkeit an, nämlich die Rückreise via öffentlichem Verkehr. Von Oberdrosen gibt es zwar einen Bus zum Bahnhof in Jennersdorf, dessen Fahrplan ist aber völlig auf die Volks- bzw. Hauptschule abgestellt – also für Wanderer einfach zum Vergessen. An Nicht-Schultagen bleibt selbst den Frühaufstehern unter den Wanderern – ohne Taxi/Abholdienst – nur der Fußweg nach Jennersdorf (8-9 Kilometer).

P. S.: Statt eines Fazits: Mein Dank gilt Gerald Gartner von der Redaktion NZZ.at, der nicht nur die Karten gezeichnet sowie Text und Fotos in lesbare Formen gebracht hat, sondern auch auf Sonderwünsche nicht mit Ablehnung, sondern mit Kreativität eingegangen ist.