Kattingers Grenzgänge

Etappe 5: Von Kerschbaum über das Naturjuwel Maltsch nach Sandl

von Matthäus Kattinger / 19.10.2015

Wir beginnen unsere Tagestour beim Gasthof zur Pferdeeisenbahn in Kerschbaum. Zunächst folgen wir den gelben Tafeln des Pferdeeisenbahnweges, drehen aber noch im Ort nach einem mit einer Thujenhecke geschützten Haus rechts hinauf. Vorbei an einem eingezäunten Fichten-Aufforstungsgebiet und nach einem kurzen Stück im Wald queren wir nach einem größeren Bogen nach Osten bei einem Rastplatz die Mühlviertler Schnellstraße.

Im Weiler Edlbach stoßen wir auf ein Wachthaus und das Stationsgebäude Pramhof der ehemaligen Pferdeeisenbahn, biegen dort auch links in den Wald. Über Wiesen und an einem Hof vorbei geht es ins Dorf Leopoldschlag, wo wir den Pferdeeisenbahnweg allein nach Norden ziehen lassen und rechts der Straße nach Markt Leopoldschlag folgen.

Dort gibt es neben einer für diese Gegend typischen gotischen Kirche auch einige alte Hammerwerke zu besichtigen; auch ist in Markt Leopoldschlag das Informationszentrum für das Grüne Band Europa zuhause.

Zudem ist die Maltsch ganz nahe, die je nach Berechnung über 22 bis 26 Kilometer die österreichisch-tschechische Grenze (bis hinauf nach Wullowitz) bildet. Knapp vor der Kirche wären es nur fünf Minuten zur Maltsch.

Doch wir verzichten darauf, werden wir doch in einer Stunde für einige Kilometer an einem besonders idyllischen Stück auf der tschechischen Seite des Naturjuwels entlangspazieren.

Knapp vor dem Ortsende halten wir uns am Badeteich entlang, folgen danach dem Karrenweg nach Mardetschlag. An dessen Westende drehen wir zwischen einem weiß-blau und einem kleineren gelb gestrichenen Vierkanthof links hinauf in Richtung Körner-Pyramide. Diese entpuppt sich 20 Minuten später als etwa 1,5 Meter hohe steinerne Pyramide zu Ehren des schon mit 22 Jahren im Kampf gegen Napoleon gefallenen deutschen Dichters Theodor Körner.

Über die Maltsch nach Tschechien

Noch ein Stück steigt der Weg, bis wir bei der Rotte Hammern auf die zur Maltsch parallel verlaufende Straße von Leopoldschlag nach Windhaag treffen. Doch schon einige hundert Meter weiter, beim ziemlich ramponierten Gebäude der Lexmühle, wechseln wir über den relativ neuen Steg (daneben das kleine Zollmuseum) über die Maltsch nach Tschechien.

Grenzübergang Zettwing bei der Lexmühle

Der frühere Grenzort Zettwing (Cetviny) war von den Tschechen nach Kriegsende dem Erdboden gleich gemacht worden. Nur die Grenzkaserne und die vorübergehend als Viehstall genutzte Marienkirche mit ihren 600 Jahre alten Fresken blieben verschont. Zwei Minuten nach dem Grenzsteg schwenken wir rechts in den böhmischen Burgen- und Schlossweg ein, um wenig später auf die besagte Kirche von Zettwing zu stoßen. Diese wird heute nur noch als Energie-Kraftort angepriesen.

Nach der Kirche orientieren wir uns rechts in Richtung Windhaag. Wenig später können wir uns für einige Kilometer der hier – den EU-Vereinbarungen entsprechend – völlig naturbelassenen Maltsch erfreuen: an kleineren Mäandern, an dem natürlichen Bett und an der reichen Flora. Nach gut 15 Minuten erreichen wir bei einem Holzplatz die aus der Zeit des gemeinsamen Landesherren (1251–1276) König Přemysl Ottokar II. stammende (granitene) Steinerne Brücke nahe Mairspindt – mit einem Gedenkkreuz für einen irrtümlich erschossenen Jungzöllner. Danach folgen wir statt dem Wanderweg am Felberbach entlang der kaum frequentierten Straße nach Windhaag. Am Ortseingang lädt ein Sägewerk zur Besichtigung einer Venezianersäge ein; der Prototyp dieser wasserbetriebenen Einblattsägen wird Leonardo da Vinci zugeschrieben (Details dazu hier).

Wenige Minuten später ist der großzügige Platz vor der gotischen Pfarrkirche erreicht. Diese erinnert daran, dass der wohl berühmteste Komponist des Landes ob der Enns, Anton Bruckner, für einige Jahre in Windhaag tätig war – wenn auch nur als Schulgehilfe in jungen Jahren. Doch immerhin hat er dort sein erstes Werk, die Windhaager Messe, für die Hochzeit einer Bürgerstochter komponiert. Als Windhaager Naturereignis, wenn auch vielleicht nicht als Ohrenschmaus, gilt der „Rauschende Felsen“ im Ortsteil Hammern, ein Granitfelsen, der das Rauschen der Maltsch verstärkt.

Urtypisches, grünes Mühlviertel

Von Windhaag folgen wir zunächst dem Hinweis auf unser Etappenziel Sandl (9 Kilometer), zweigen aber schon bei der nächsten Gabelung halblinks zum Sportplatz ab. Noch vor diesem schwenken wir rechts in einen Karrenweg, der uns an Rinderherden vorbei in einer Viertelstunde zur Rotte Halthäuser bringt. Es ist jetzt das urtypische, grüne Mühlviertel: mehr Wald als Wiese und Äcker, Güterwege verbinden einschichtige Höfe, für den Wanderer ein stetiges, wenn auch gemäßigtes Auf und Ab.

Wieder eine gute Viertelstunde später biegen wir vor einem mächtigen Vierkanthof (Kasshof) rechts auf einen Güterweg ab; später macht unsere Straße am Waldrand einen scharfen Knick nach rechts. Nun folgen wir dem Güterweg Eben, der uns vorbei am Luka-Wirt bis ins Weichbild von Sandl bringt.

Nach der Talstation der Viehberg-Schilifte und der Viehberg-Hütte (nicht weit davon entspringt die Maltsch) sind es nur noch einige Minuten hinunter in das frühere Zentrum der Hinterglasmalerei.