Etappe 7: Von Karlstift über den Nebelstein nach Weitra

von Matthäus Kattinger / 21.10.2015

Heute steht eine ziemlich lange Etappe über den Nebelstein als Schnittstelle für vier der zehn großen österreichischen Weitwanderwege an.

Vom Parkplatz beim Gasthof Zeiler in Karlstift folgen wir halblinks den Markierungen unserer vertrauten Weitwanderwege zur Talstation der Aichelberg-Lifte und den Nordwald-Loipen. Vor einem prächtigen, zum Verkauf stehenden Forsthaus am nordöstlichen Eck des Parkplatzes tauchen wir in den Wald ein.

Das Forsthaus bei der Talstation der Lifte in Karlstift am Eingang des Einsiedelbachtales
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Das Tal des Einsiedelbaches entpuppt sich als uriges Tal mit üppigem Grün und moosbewachsenen Felsen – zum Gebirgsbach fehlt vor allem das Gefälle. An dieser Konstellation ändert sich die nächste Stunde kaum etwas, außer dass der Einsiedelbach die Eintönigkeit gelegentlich dadurch durchbricht, dass er Ansätze von Mäandern zeigt bzw. zweimal von links nach rechts und wieder zurück wechselt.

Rund eine Stunde ab Karlstift verlassen wir den Wald. Das Tal wird breiter. Von links kommt die Straße von der grenznahen Rotte Joachimsthal herauf. Wenig später biegen wir links in den Wald. Bald wird es lauter, die nahe des Aichelberges entsprungene, dann nach Tschechien emigrierte Lainsitz (dort) kommt zurück. Bald darauf queren wir die Lainsitz, eine Sandstraße bringt uns zu einigen einschichtigen Häusern und wenig später zu einer Gabelung

Zum Nebelstein sind es ab hier noch 4,4 Kilometer bzw. 1 h 30, von rechts (aus Grosspertholz) kommt unser neuer Wegbegleiter durch das gesamte westliche Waldviertel, der Eisenwurzenweg (608), einer der zehn österreichischen Weitwanderwege.

Im Wald geht es zunächst gemächlich bergan, nach einer Brücke dreht der Weg aber steigartig links in den Wald rauf.

Lockvogel Warzenstein

Nach zehn steilen Minuten treffen wir bei einer Rastbank auf eine breite Sandstraße. Eine Anmerkung für Nachwanderer: Lassen Sie sich nicht von dem auf dem Baum gegenüber gemalten rot-weiß-roten 6-er verleiten, denn dieser führt nicht auf den Nebelstein, sondern auf den Warzenstein (mit einem riesigen mit Wasser gefüllten Megalithen im Gipfelbereich) – der Hinweis Warzenstein findet sich nämlich erst bei der nächsten Abzweigung gut 500m weiter.

Wir aber queren die Forststraße, passieren später einige einschichtige Häuser, bis wir aus dem Wald treten, die Rotte Althütten vor uns. Zunächst marschieren wir auf der Wiese runter, dann durch den Ort, bis wir bei den letzten Häusern die nach rechts drehende Straße verlassen und links steil auf einer Wiese an einem Haus vorbei aufsteigen

Durch Niederwald mit dem nicht ganz nachvollziehbaren Namen „Himmelreich“ erreichen wir in gut zehn Minuten die Straße schon knapp unter dem Nebelstein-Gipfel; vom dahinterliegenden Parkplatz steigen wir in fünf Minuten zur Nebelstein-Hütte auf.

Die letzten felsigen Meter zum Gipfelkreuz auf dem Nebelstein
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Von der Hütte sind wir in zwei „felsigen Minuten“ beim Gipfelkreuz (1.017m). Der Fern- und Rundblick ist gut – wiewohl man vom 150m niedrigeren Mandelstein (dem inoffiziellen, fortgeschriebenen Ende des Nordwaldkammweges) noch besser in die frühere Herrschaft Gratzen hinüberschauen kann.

Blick vom Nebelstein nach Böhmen
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Die Nebelsteinhütte wird seit wenigen Monaten von einem engagierten und kreativen jungen Team geführt, das mit für derartige Hütten zum Teil überraschenden Speisen aufwartet.

Die Nebelstein-Hütte
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Für den Abstieg nehmen wir den Steig, an dem wir 50m vor der Nebelsteinhütte beim Aufstieg vorbeigekommen sind – und orientieren uns an den nächsten Zielen Holzmühle (1 Stunde 05 Minuten) und Wultschau (1 Stunde 45 Minuten).

Viele Wege führen auf den und auch wieder weg vom Nebelstein
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Der serpentinenartige Steig bringt uns in weniger als zehn Minuten auf die Straße runter. Dort halten wir uns links, vorbei an den Filzwiesen wechseln in der Folge Wald und Wiese.

Mit der Markierung ist es jetzt nicht immer ganz einfach. Offensichtlich peinigt die Fremdenverkehrsmanager von Moorbad Harbach der Gedanke, dass man wandernde Gäste mit Hinweisen auf Nachbarorte in Versuchung führen könnte, diesen auch zu besuchen. Daher nehmen sie zu nummerierten Rundwegen Zuflucht.

Verhunzte Wanderer

Oder es wird die Phantasie mit prosaischen, aber für Wanderer wertlosen Hinweisen wie Märchenweg, Nebelsteinrundweg, Nebelstein-Panoramaweg bemüht: Statt einfach anzugeben, in Richtung nach Holzmühle, Weitra oder auf den Mandelstein sind es noch x Kilometer bzw. y Stunden.
Diese bevormundende Verhunzung der Wanderer ist gerade in diesem Wegabschnitt ärgerlich, ist doch die Wegführung keineswegs in sich schlüssig oder naheliegend. Unser nächstes Zwischenziel zeigt sich in leuchtend gelber Fassade geschützt durch ein knallrotes Dach, es ist die Ortskapelle Maissen auf dem Sagberg.

Die Abstimmung der Farben bei der Ortskapelle Maissen reicht bis zum überdachten Eingang
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Von der farbenfrohen Kapelle geht es danach abwechslungsreich mal über Wiesen, dann kurz durch den Wald, ein Stück durch eine Lärchenallee, dann auf einem Güterweg dahin, bis wir bei der Waldpension Nebelstein aus dem Forst treten. Einige Minuten später stehen wir vor einer Gabelung.

Wer Lust hat und noch bei Kräften ist (bis zum Etappenziel Weitra sind es noch 8,3 Kilometer und zwei Stunden), dem sei ein Abstecher nach dem nur gut 1 Kilometer entfernten Moorbad Harbach und eventuell auch auf den 874m hohen Mandlstein (zusätzlich 3 Kilometer und 200 Höhenmeter) empfohlen.

Verlockende Abstecher

Nächstgelegener Ort in Böhmen ist Nove Hrady, das ehemalige Gratzen, das etwa 13 Kilometer nordwestlich unseres Etappenziels Weitra liegt.

Ich habe Nove Hrady und den sich südlich daran anschließenden Naturpark Tercino Udoli (Niederthal) nicht zuletzt der eindringlichen Empfehlung meiner Quartiergeber in Weitra wegen besucht (Bericht unter dem Link).

Ob mit oder ohne Abstecher nach Harbach bzw. zum Mandlstein, drehen wir unmittelbar hinter der Holzmühle, einem Biobauernhof und „Gasthof für Geniesser“, links in Richtung Wultschau.

Die ehemalige Holzmühle ist heute ein Biobauernhof und Gasthof für Geniesser
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Aus dem Wiesenweg wird eine Viertelstunde später eine Nebenstraße, die uns in das langgezogene Straßendorf Wultschau bringt. Gut einen Kilometer nach dem Ortsende und schon im Wald biegt rechts der Weg nach Weitra ab (4,8 Kilometer).

Lainsitz-Idylle im Gabrielental
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Nach einem kurzen Stück am Wultschaubach ergießt sich dieser in die Lainsitz, die uns in der Folge durch das idyllische Gabrielental in das Etappenziel Weitra begleitet.

Das Gabrielental erreicht Weitra
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Vorbei an der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Bürgerspitalkirche nähern wir uns dem Stadtzentrum; über das bezeichnende „Auf der Stiege“ und die Untere Landstraße erreichen wir den nicht nur wegen seiner „Hanglage“ eindrucksvollen Rathausplatz.