Etappe 9: Von Gmünd durch den Naturpark Blockheide nach Litschau

von Matthäus Kattinger / 23.10.2015

Von Gmünd geht es heute in die nördlichste Stadt Österreichs – nach Litschau. Die meiste Zeit werden wir im Wald unterwegs sein.


Credits: FL, GG

Vom Stadtplatz in Gmünd folgen wir der Schremser Straße bis zum Braunauplatz; über Grillensteiner Straße, Fuchssteinweg und Turmweg gelangen wir schließlich auf dem Blockheideweg in den Naturpark. Den besten Überblick über den Naturpark Blockheide Gmünd-Eibenstein verschafft man sich im Informationszentrum beim Aussichtsturm.

Allerdings sind Zentrum und Aussichtsturm nichts für Frühaufsteher oder Weitwanderer, sind doch beide erst ab 10 Uhr zugänglich. Wenn genügend Wackelsteine bewegt worden sind, die bäuerliche Kulturlandschaft Waldviertel in der Komprimierung studiert ist, folgen wir dem Marienkäferweg und der rot-weiß-roten Markierung in Richtung Großeibenstein.

Dort, wo die Straße in Großeibenstein links wegdreht, biegen wir vor dem Haus der Feuerwehr Eibenstein rechts nach Ludwigsthal ab. Zunächst noch am Waldrand tauchen wir bald in den Wald ein. Wenn sich dieser lichtet, ist es zu den wenigen Häusern von Ludwigsthal nicht mehr weit; beim Forsthaus gegenüber dem Heideteich trennen sich die Weitwanderwege. Wir orientieren uns nun vorübergehend allein am Eisenwurzenweg 08. Wir bleiben die nächste halbe Stunde im (Hartl-)Wald, bis wir nach dem aufgelockerten Felder-Wiesen-Gürtel mit einzelnen Häusern und Höfen („Waldhäuseln“) die Bundesstraße von Neu-Nagelberg nach Schrems queren.

Hier gibt es sogar noch nicht asphaltierte Feldwege
Credits: MK

Nach den ersten Häusern schwenken wir links in den kleinen Ort Steinbach ein. Bei der nächsten Gabelung (vor einem Gasthof) halten wir uns links, um dann schon nach den letzten Häusern dem 08er nach rechts in Richtung Alt-Nagelberg zu folgen. Ca. 20 Minuten später stoßen wir auf eine Nebenstraße.

Glaskunst auf dem Parkplatz

Hier verlassen wir für einige Minuten den 08er, biegen links ab, erreichen (auf dem Waldviertler Wasserlandschafts-Radweg und später auch dem Glas-Weg) zehn Minuten später am Ortsanfang von Alt-Nagelberg die Bundesstraße von Gmünd nach Litschau. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite lockt die Glashütte Neu-Nagelberg, Teil des Glaskunstdorfes Brand-Nagelberg, mit farbenprächtigen Ausstellungsstücken auf dem Parkplatz.

Nach dem Abstecher in Sachen Glas marschieren wir auf der Hauptstraße durch den Ort; wenn die Bundesstraße am Ortsende links wegdreht, biegen wir rechts in die Bergstraße ab, um bald dem vertrauten Eisenwurzenweg halblinks in den Wald zu folgen.

Viele Geleise, aber wenig Bahn

Auf schönen, weichen Nadelwegen queren wir die Geleise der Waldviertelbahn von Heidenreichstein nach Alt-Nagelberg, verlassen den Wald und nähern uns dem zweiten Teil des Glaskunstdorfes, also Brand. Vor Erreichen der Hauptstraße überwinden wir noch die Geleise der Hauptlinie der Waldviertelbahn (Litschau–Gmünd), bis wir auf der Hauptstraße sofort wieder links in Richtung Sportplatz und Friedhof abzweigen.

Ein typisches Waldstück zwischen Gmünd und Litschau
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Hinter dem Friedhof drehen wir zum Wald hin. Von den nächsten knapp 90 Minuten (bis wir vor Gopprechts wieder auf die Straße nach Litschau treten) ist wenig zu berichten. Meist im Wald, gelegentlich und eher kurz außerhalb, marschieren wir bei äußerst geringen Niveauunterschieden durch weitgehend unbesiedeltes Gebiet. Mit einer Ausnahme: Etwa zur Hälfte des Weges nach Gopprechts treffen wir auf einzelne einschichtige Häuser, die zur Rotte mit dem bezeichnenden Namen Finsternau zusammengefasst wurden.

Aus der Finsternau in die Schönau

Knapp vor Gopprechts schwenken wir nach mehreren Gabelungen im Wald auf die Straße von Gmünd nach Litschau.

Wenig später queren wir die Geleise der Waldviertelbahn, lassen die Abzweigung nach Thaures rechts liegen und biegen nach etwa zehn Minuten auf der Bundesstraße kurz nach der Gieszbachbrücke rechts ab (links die Siedlung Schönauhäuser). Gut 300 Meter nach einem ziemlich ramponierten Feuerwehrhaus biegen wir vor einer kleinen Kirche links auf einen Privatweg ab.

Feuerwehrhaus in Gopprechts
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Dieser führt zu einem wie die Faust aufs Auge in die Gegend passenden Fertigteil-Landhaus; an der zugehörigen Koppel vorbei begleitet uns eine halbe Birkenallee, bis wir über Felder und ein kurzes Stück Wald die kleine Ortschaft Reichenbach erreichen.

In einem entlegenen Gebiet wie diesen nehmen offenbar sogar Forstarbeiter auf Wanderer Rücksicht und schneiden Bäume erst über der Markierung ab.

Chapeau – denn nicht immer werden Bäume oberhalb der Markierung abgeschnitten.
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Bei der kleinen Kirche in Reichenbach übersetzen wir die Straße, folgen dem Feldweg in Richtung Norden. Abwechslung bieten am ehesten Teiche (fast immer Fischteiche).

Teich-Idylle im Litschauer Land
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Gelegentlich erblicken wir Kunststücke der Improvisation, wie einen aus mehreren nicht mehr benötigten Gerätschaften bestehenden Hochstand.

Die in der Karte eingezeichneten drei Hügelgräber erahnen wir mehr (es könnten auch riesige Ameisenhaufen sein), queren den Schmiedebrunnenbach und erreichen die Gabelung zum Höllgraben.

Nach den sogenannten „Kiebitzhäusern“ und dem von viel Schilf umrandeten Föhrenteich lockt wenig später ein Abstecher links zum Altarstein (laut anderen Quellen „alter Stein“); vom Feldweg aus können wir bereits den Turm des Schlosses und auch den Kirchturm von Litschau erkennen. Am Lagerhaus vorbei folgen wir der Wildgasse bis zum Etappenziel Stadtplatz.

Die Kirche St. Michael beherrscht den Stadtplatz in Litschau.
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Von der nördlichsten Stadt Österreichs fehlen noch zehn Kilometer bis zur (Nord-)Grenze nach Tschechien; knapp vor der Grenze liegt Haugschlag, das sich als Golf-Resort einen Namen gemacht hat. 2 Kilometer nordwestlich davon findet sich die Siedlung Rottal am nördlichsten Punkt Österreichs.

Die lange Grenze in dieser so abgeschiedenen Region (die West-, Nord- und Ostseite des nordöstlichen Zipfels des Waldviertels wird von Grenzen zu Tschechien gebildet und war Ort etlicher Tragödien; so wissen noch einige Bewohner der Region von nächtlichen Schüssen an der Grenze zu berichten – bestätigt wird das durch das 2013 erschienene Buch des österreichischen Historikers Stefan Karner – „Tragödien am Eisernen Vorhang“.