Frauen verdienen mehr

von Sara Hassan / 01.04.2015

In den meisten Gleichstellungsdebatten wird sie irgendwann hervorgeholt – die „Genderwahn“-Keule. „Aber was ist wahnhaft daran, dass Frauen einfach gleichen Lohn für gleiche Arbeit verlangen?“ So leitete Moderatorin Elisabeth Gamperl den NZZ.at-Clubabend ein. Die Diskutanten waren Barbara Blaha, Gründerin des momentum kongress, Christine Bauer-Jelinek, Wirtschaftscoach und Autorin, Tomas Kubelik, Autor von „Genug gegendert!“ und Günther Tengel, Geschäftsführer von Amrop Jenewein.

Ganz egal, ob es um das Gendern und Sichtbarmachen von Frauen in der Sprache geht, um Frauenförderung oder um den Gender Pay Gap: Fast immer kommt das Wort „Umerziehung“ vor und die Diskussion driftet in einen großen Aufschrei ab. Bauer-Jelinek betonte, dass gerade im Netz bei diesem Thema ein radikaler Ton auf beiden Seiten der Front herrsche.

Barbara Blaha interpretierte das als Zeichen für Nervosität, da alte Strukturen herausgefordert würden und im Umbruch seien. Tomas Kubelik hat dazu eine sehr klare Ansicht: Es handle sich um eine „völlig kranke Diskussion, weil gleich gemacht werden soll, was nicht gleich ist“. Das Binnen-I würde zu einer „völlig unangemessenen Sexualisierung von Sprache“ führen. Kubelik initiierte vergangenes Jahr den offenen Brief gegen das Binnen-I. Auch vier Schülerinnen Kubeliks reisten aus Niederösterreich zur Diskussion an. Sie sagten, sie wären vom Gendern befremdet, sie sehen daran nichts Positives. Für die jüngere Generation wäre es allerdings schon völlig normal, argumentierte Blaha.

Bauer-Jelinek übte Kritik daran, dass es in der Debatte ja nicht tatsächlich um die Entlohnung gleicher Arbeit ginge, da Frauen nunmal weniger arbeiten würden und der Gap so entstünde. Dem hielt Barbara Blaha entgegen, dass auch, nachdem man die Zahlen um Faktoren wie Teilzeit bereinigt hätte, ein Maß an unerklärter Varianz übrig bliebe. Bauer-Jelinek zeigte sich überzeugt: „Wir leben in einer Demokratie. Wenn Frauen eine Änderung wollten, hätten sie diese längst erreichen können.“ Allerdings würde nach wie vor ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land herrschen. Außerdem sei die Größe des Pay Gap entscheidend von der Branche abhängig. In jenen Branchen, in denen ein hohes Maß an Flexibilität herrsche, sei auch der Einkommensunterschied am geringsten, argumentierte Blaha.

Wirtschaftsberater Günther Tengel kritisierte, dass die Diskussion nur auf Nebenschauplätzen stattfinde, das ursächliche Problem würde nicht an der Wurzel gepackt. „Frauen in Führungspositionen zu setzen, ist ein extremer Kraftaufwand, da sich das System dahinter sträubt.“ Außerdem hielten sich Frauen nicht lange in Führungspositionen, weil das System dahinter ungleiche Bedingungen hervorgebracht habe. Stichworte dazu: Kinderbetreuung, männliche Führung etc.

Darüber hinaus würden viele Männer in Top-Positionen in ihren Vierzigern aus dem System aussteigen, da sie sich erst zu diesem Zeitpunkt die Sinnfrage stellen würden. Frauen würden sich damit wesentlich früher konfrontieren und blieben deswegen nicht lange in entsprechenden Positionen. Die Diskutierenden waren sich darin einig, dass eine gesellschaftliche und soziale Umstrukturierung stattfinden müsste.