Peter Lechner/APA

Buchrezension

Frieden, schöner Götterfunken

Meinung / von Moritz Moser / 11.12.2015

Gastautor Thomas Roithner hat seine Beiträge auf NZZ.at in Buchform herausgebracht. Ein Erklärstück zur militärischen Entwicklung der Europäischen Union und die Rolle des neutralen Österreich.


Credits: Thomas Roithner 2015

Er mahne stets zu Frieden, schrieb Cicero an seinen Freund Atticus, denn selbst ein ungerechter solcher sei brauchbarer als ein gerechter Krieg. Ein bisschen so hält es auch Thomas Roithner in seinen Beiträgen für NZZ.at. Unermüdlich fordert er eine Demilitarisierung der internationalen Friedensbemühungen und kritisiert den Ausbau militärischer Kapazitäten zulasten von zivilen Initiativen, jedoch ohne dabei zum Illusionisten einer heilen Welt zu werden.

Der Friedensforscher und Experte für transatlantische Sicherheitspolitik erklärt vielmehr die Gefahren hinter militärischem Interventionismus. Er geht auf die Schwierigkeiten bei der Einordnung von bewaffneten Konflikten ebenso ein wie auf die Militarisierung der Migrationspolitik. Roithner argumentiert für den Frieden. Eine Einstellung, gegen die man wenig vorzubringen vermag, selbst wenn man militärisches Eingreifen in Einzelfällen befürwortet.

Wer Abrüstung will, soll abrüsten. Wer nicht will, dass andere verhungern, soll geben oder zumindest weniger nehmen. Wer Frieden will, soll nicht militärische Sicherheit und Interventionismus predigen. Und aufhören, politische Blankoschecks auszustellen.

Thomas Roithner

In einer Zeit der materiellen und verbalen Aufrüstung fordert der Autor eine Friedens- statt einer Sicherheitsstrategie der Europäischen Union. Das notwendige Faktenwissen lässt Roithner dabei nicht aus: Wie ist eine EU-Battlegroup aufgebaut? Was unterscheidet sie von der NATO-Eingreiftruppe? Kritisch hinterfragt Roithner Jean-Claude Junckers Traum von einer EU-Armee und belegt die Problematik dieser Forderung anhand gescheiterter Einigungsversuche.

Die Rolle Österreichs nimmt in seinen Ausführungen ebenfalls eine zentrale Rolle ein. Das Land profitiert von internationalen Friedensbemühungen, wie jüngst von den Verhandlungen um das iranische Atomprogramm, indem es sich als Konferenztisch der Weltgemeinschaft präsentiert. Aber was tut die Republik selbst, um diese Bemühungen zu fördern? Im Allgemeinen zu wenig, befindet Roithner, streicht allerdings die österreichischen Beiträge zur nuklearen Abrüstungen positiv hervor. Für einen erfolgreichen Frieden kann immer mehr getan werden. Ein Krieg hingegen, so könnte man Roithner deuten, ist letztlich immer das Ergebnis von politischem Versagen.

Thomas Roithners „Schöne Götterfunken? – Sicherheitsinteressen, aktive Friedenspolitik, die internationale Unordnung und die militärische Entwicklung der EU“ ist im Buchhandel und online erhältlich.