Häupls geiler Geiz: Grüne gewinnen den Preiskampf gegen die ÖVP

von Michael Fleischhacker / 03.04.2015

Der Chef der Grünen von Ottakring, Joachim Kovacs, hat in seinem Blog eine nicht unwichtige Frage auf relativ schnörkellose Weise gestellt:

Die Frage ist so gut, dass Herr Kovacs damit in Wien weltberühmt geworden ist, indem ihn die sogenannte Zeitung „Österreich“ damit zitiert hat. Dafür hat Herr Kovacs die von ihm selbst aufgeworfene Frage auch gleich beantwortet: „Für mich ist klar: Für ein zweites Rot-Grün braucht es personelle Veränderungen bei der SPÖ.“

Nicht unkreativ, das muss man dem jungen Mann lassen. Es erinnert mich ein wenig an den Schulkollegen, den sie jeden Tag an seinen durchaus nicht unauffälligen Ohren gezogen haben. Irgendwann hat er geschrien: „Wenn die hier den Direktor nicht auswechseln, bleibe ich nicht in der Schule!“ Sie haben den Direktor nicht ausgewechselt. Er blieb nicht an der Schule. Aber für den Moment waren alle ziemlich beeindruckt.

Es gibt noch eine andere Antwort auf die Frage, warum eine Partei, die über einen derartigen Moralinhochdruck verfügt wie die Wiener Grünen, sich wochenlang vom Seniorpartner am Nasenring durch die Arena schleifen lässt, und er ist auch gar nicht geheim: Die Grünen wollen weiterregieren. Und weiterregieren werden sie, wie immer die Wahl auch ausgeht, mit dem Seniorpartner SPÖ. Die wiederum wird zumindest einen Regierungspartner brauchen. Derzeit ginge sich angeblich nicht einmal mehr Rot-Grün aus, aber das klingt eher nach erfundenen Umfragen als Mittel zum Zweck der wechselseitigen Motivation.

Und wenn der Wiener Bürgermeister im Rahmen eines Kurzbesuchs auf der Erdoberfläche sehen sollte, dass er einen zweiten Partner braucht, wird er halt einmal mit den NEOS reden.

Hauptsache, er redet nicht mit der ÖVP, denken sich die Grünen. Denn die Wiener ÖVP, die ehrlich hofft, nun am Ende ihrer politischen Deflationsspirale angekommen zu sein, trägt ziemlich deutlich sichtbar ein Schild: „Nimm mich, billiger werd’ ich nimmer.“

„Die Schwarzen werden vielleicht nicht mehr billiger“, sagen jetzt die Grünen in Richtung SPÖ, „aber wir.“ Und im Unterschied zur ÖVP können es die Grünen auch beweisen. Genau das tun sie jetzt. Frau Vassilakou sagt sinngemäß: „Häupl, du bist echt ein Weh. Aber mir ist das wurscht, weil ich will nämlich weiter mitregieren. Und dafür tu ich alles. Und wenn du wirklich willst, kriegst du mich auch billiger als die ÖVP.“

Schön ist das nicht, aber wir reden ja auch nicht von einem Seidenmalereikurs mit laktosefreiem Latte auf der Mahü, sondern von der Erotik der Macht.