Herr Muhm aber schweigt

von Matthäus Kattinger / 05.03.2015

Es war der 4. September 2013. Das „World Economic Forum“ (WEF) in Davos hatte soeben sein Wettbewerbs-Ranking aktualisiert und – mittlerweile leider ein „Running Gag“ – Österreich war wieder zurückgefallen. Das war dem zumindest in der linken Reichshälfte sich allmächtig fühlenden Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm dann doch zu viel. In einer Aussendung dekretierte er, dass das Wettbewerbs-Ranking des WEF „keine seriöse Bewertung der Wirtschaftskraft und Leistungsfähigkeit“ eines Landes sei. Zumal dessen Grundlagen zu einem Gutteil auf persönlichen Einschätzungen von Managern beruhten. Einmal in Rage, fügte Muhm noch hinzu, dass Wettbewerbs-Rankings „mehr versteckter Lobbyismus durch Manager als objektive Kennzahlen“ seien. Der Standort Österreich sei viel besser als so manche Einzelbewertung „uns glauben machen will“.

Auf den Tag genau eineinhalb Jahre später wäre Herr Muhm wohl froh, wäre Österreich noch so gut angeschrieben, wie es trotz Abstufung im September 2013 war. Denn genau am 4. März 2015 veröffentlichte die Österreich-Niederlassung des US-Wirtschaftsprüfers Deloitte eine Art Meta-Studie zur Standortqualität. Die Basis des „Deloitte Radar 2015“ sind fünf internationale Standort-Vergleiche, die mit volkswirtschaftlichen Kennzahlen und den Erkenntnissen aus der Beratung von 5.000 Kunden verknüpft werden. Die für Österreich absolut unerfreuliche Erkenntnis lautet, dass wir nur noch in zwei der fünf Studien unter den ersten 20 sind, bezeichnenderweise im Better Life Index der OECD (vom guten Leben verstehen wir was) und – knapp, aber doch noch (Platz 17) – im Global Innovation Index von Bloomberg.

Unter den Kritikpunkten finden sich lauter Bekannte, angefangen vom Unwillen zu Reformen über die nochmals verschlechterte Position bei den Kosten und dem immer drückenderen Facharbeitermangel bis zu den trotz gegenteiliger Beteuerung abschreckenden Regulierungen. Alles nichts Neues. Seit Jahren gibt es kaum noch ein Standort- oder Wettbewerbs-Ranking, das Österreich nicht am absteigenden Ast sieht. Erst vor einigen Wochen hat das von der Amerikanischen Handelskammer in Österreich erstellte „Business Barometer“ die österreichische Standort-Attraktivität mit der schlechtesten Note seit Beginn der Erhebung im Frühjahr 2011 bedacht.

Doch Herrn Muhm hat es offensichtlich die Rede verschlagen. Weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf. Was können Standort-Rankings aber auch schon wert sein, die nicht aus der Arbeiterkammer kommen oder dort zumindest genehmigt werden?!

Wie groß die Verbitterung von Herrn Muhm (und wohl auch des größten Teils der linken Reichshälfte) über die Rankings ist, lässt sich aus einer Passage seiner Aussendung vom September 2013 abschätzen. Denn das WEF hatte es gewagt, Österreich bei der Flexibilität der Lohnfindung ganz zum Schluss, nämlich nur auf Platz 147, zu reihen. Das ist wohl die massivste Form von Götzen-Lästerung, jedenfalls für Leute wie Muhm, die in der Sozialpartnerschaft die Lösung für alle denkbaren Probleme sehen.

Die Verbitterung von Herrn Muhm über die schlechten Ranking-Ergebnisse Österreichs sind typisch für die überhebliche Kaste von Leuten von vorgestern in einer Welt, die sich vom Heute ins Morgen bewegt. Während die im Gestern verharrenden Säulenheiligen der Sozialpartner um jeden Preis verhindern wollen, dass der Flächentarif auch nur die kleinste Lücke bekommt, muss Österreichs Wirtschaft, müssen auch die Arbeitnehmer die Weltfremdheit von Muhm & Co. büßen.

Während in Österreich noch immer 98 Prozent der Beschäftigten an Tarifverträge gebunden sind, was zur Folge hat, dass schwer ums Überleben kämpfenden Betrieben genauso hohe Lohnerhöhungen aufgezwungen werden wie prächtig verdienenden Spitzenreitern, unterliegt etwa in Deutschland nicht einmal mehr die Hälfte der Arbeitnehmer dem Flächentarif. Doch diese Sicht der Dinge ist Leuten wie Muhm wohl vollkommen neu. Für sie ist es wahrscheinlich auch nur eine Verschwörung von bösen Lobbyisten-Managern, dass in Deutschland die Arbeitslosigkeit seit Jahren zurückgeht, während sie bei uns ungebremst steigt.

Doch ich bin sicher, dass Herr Muhm schon bald sein Schweigen brechen wird. Und eine Studie der Arbeiterkammer präsentieren wird, die Österreich in der besten aller Welten sieht. Was Herr Muhm dabei geflissentlich verschweigen wird, ist, dass all das nur auf die Beschäftigten in der Arbeiterkammer selbst zutrifft, die sich auf Kosten ihrer Zwangsmitglieder ein schönes Leben mit Gehältern und Sozialleistungen machen, von denen die all das ermöglichenden AK-Umlagen-Zahler nur träumen können.