Hurra, die Verluste verrollen sich

von Lukas Sustala / 26.01.2015

Angesichts von Tagespresse-Meldungen, die immer wieder durch meine Twitter- und Facebook-Timeline flattern, fällt es manchmal schwer, Satire und Realsatire zu unterscheiden (vor allem, wenn gerade mehr als 1.100 Milliarden Euro die Aufmerksamkeit auf sich ziehen). Meine Schwierigkeit hatte ich etwa bei folgender Meldung:

Wer in das Interview hineinhört, wird den Gedanken nicht los, dass man eine andere Definition von Spekulation hat als die Wiener Finanzstadträtin. Man warte zu, dass sich der Franken für die Stadt wieder in die richtige Richtung entwickelt, bis dahin nimmt man die steigenden Zinskosten eben hin, sagt Renate Brauner. Das Wort Spekulation lehnt sie übrigens auf Schärfste ab.

Doch wähnt sich der geneigte Spieler an einem Pokertisch, an dem ein FischDer Fisch wird bei einer Pokerrunde regelmäßig abgezockt. Eine Spielerweisheit sagt: Wenn du nicht weißt, wer der Fisch am Tisch ist, dann bist du es. in der Runde von Haien trotz erster Verluste am Tisch bleibt, weil er sein Geld wieder zurückverdienen will. Getreu dem Zocker-Motto: Man weiß ja nicht, was kommt.

Es ist richtig, dass die Wiener Stadtregierung so wenig wie das Land Niederösterreich dazu verpflichtet ist, die Verluste aus dem Franken-Kredit zu realisieren, zu verbuchen oder auch nur Rücklagen für das Risiko zu bilden. Sie müssen nicht (und das regt so manchen auch auf).

Aber sie könnten. Denn ökonomisch könnte der Ausstieg Sinn haben. Der Schaden durch die Währungsaufwertung des Franken ist angerichtet. Um das Budget planbarer zu machen, könnte das Risiko nun realisiert werden. Dem Verlust steht die bessere Planbarkeit gegenüber, der Schweizer Franken würde nicht wie eine Zeitbombe in den kommunalen Schatzkammern liegen.

Allein, politisch sind die Karten ganz anders gemischt. Das Realisieren eines Verlustes wäre ein politischer Gesichtsverlust (Wahljahr ist auch noch). Da lassen sich Verluste eben leichter rollieren als realisieren. Den rollierenden Finanzpolitikern sei aber die folgende Grafik ans Herz gelegt. Es zeigt eine Eigenschaft des Schweizer Franken, die ihnen Angst macht: Seine hartnäckige Härte. Die Schweiz ist eine wettbewerbsfähige Volkswirtschaft mit einer vertrauenswürdigen Zentralbank, die gerade beim weltweiten Währungsabwertungsmarathon die Segel gestrichen hat. Vielleicht haben Brauner und Sobotka Recht, die Jetons nicht vom Tisch zu nehmen. Aber das wäre ja dann doch eher Glück.