Können Start-ups Kalifornien vor der Megadürre retten?

von Elisabeth Oberndorfer / 05.04.2015

Der US-Bundesstaat an der Westküste befindet sich seit drei Jahren in einer Dürre. Das Technologie-Zentrum Silicon Valley hat das Problem Wassermangel bisher ignoriert. 

Es ist trocken auf den Straßen von Downtown San Francisco. Dort, wo beim regelmäßigen „Street Cleaning“ mit einem Wasserschlauch der Schmutz der Touristen und Obdachlosen entfernt wird, muss zum Besen gegriffen werden. Die Rasen auf der „Billionaires Row“, der Straße der vermögendsten Stadtbewohner, werden bescheidener als sonst bewässert. Es ist das vierte Jahr in Folge, in dem in Kalifornien offiziell Dürre herrscht. Doch es ist das erste, in dem die Bürger tatsächlich dazu bewegt werden, den Wasserverbrauch einzuschränken. Gouverneur Jerry Brown verpflichtete die Bewohner und Betriebe am Mittwoch dazu, 25 Prozent ihres Verbrauchs einzusparen.

Zukunftsmarkt Wasser

Die Westküste der USA rühmt sich zwar mit ihrer umweltfreundlichen Einstellung, Tipps zum sparsamen Umgang mit Wasser lesen sich trotzdem eher wie aus den 80er Jahren: „Den Wasserhahn beim Zähneputzen abdrehen“ und „das Auto etwas seltener waschen“. Selbst in der Innovationsregion Silicon Valley fehlt hier noch das nötige Bewusstsein. Dabei kommen Jungunternehmer hierher, um die Welt zu verbessern und veraltete Industrien zu revolutionieren.

Der effiziente Umgang mit Wasser könnte also das nächste große Geschäft für Technologen werden. Immerhin ist es laut der NASA durchaus möglich, dass Kalifornien noch Jahrzehnte von einer Megadürre betroffen ist. Der Bundesstaat trägt mit seiner Landwirtschaft einen essenziellen Teil zur Lebensmittelproduktion in den USA bei. Warum also nicht Lösungen für die Wasserkrise fördern und entwickeln?

Milliarden-Exits statt Nachhaltigkeit

Bei Gründern und Kapitalgebern ist das Interesse daran überschaubar. Auf der internationalen Start-up-Datenbank AngelList sind im Markt „Wasser“ 151 Unternehmen gelistet. Zum Vergleich: Insgesamt sind bei AngelList fast 500.000 Start-ups eingetragen. Die durchschnittliche Bewertung der Start-ups im Nischenmarkt Wasser liegt bei 4,1 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2015 ist das nur eine Rundungsdifferenz in den Taschen der Risikokapitalfonds. Die wenige Wochen alte Livestreaming-App Meerkat soll schon 40 Millionen Dollar wert sein.

Der Vergleich veranschaulicht die aktuelle Denkweise in der Gründerszene. Unternehmer setzen auf Märkte und Anwendungen, mit denen rasch eine kritische Masse zu erreichen ist. Dann erhalten sie auch das notwendige Kapital für ihre Ideen. Den Wasserverbrauch in Eigenheimen zu optimieren und die Agrarindustrie mit neuen Werkzeugen ausstatten, ist kurzfristig gesehen kein lukratives Geschäft mit Milliarden-Exit. Langfristig könnte das Silicon Valley mit Innovationen aber eines unserer wichtigsten Güter sicherstellen.

Staatliche Förderung statt Risikokapital aus dem Valley

Neben Start-ups wie Dropcountr – einer App, die den Wasserverbrauch einzelner Geräte kontrolliert, widmen sich auch einige Initiativen der Dürre in Kalifornien. Der AgTech-Inkubator unterstützt etwa Silicon Valley-Projekte für die Agrarindustrie. Und das in San Francisco beheimatete Programm ImagineH2o hat gerade eine Million US-Dollar von der Bank Wells Fargo erhalten, um Ideen zum Wassersparen umzusetzen.

Selbst Gouverneur Brown greift tief in die Tasche, um die Dürre mit neuen Technologien zu bekämpfen. Die Energiekommission fördert Erfindungen für mehr Effizienz im Wasserverbrauch. Abseits von einzelnen Projekten und der staatlichen Unterstützung herrscht im Silicon Valley aber beschämend wenig Bewusstsein für die Megadürre, die Kalifornien bevorsteht. Dabei wären die Trendmärkte Clean-Tech und Erneuerbare Energien gar nicht so weit weg von den Geschäften der Investoren. Nur scheint der Umweltschutz den Geldgebern und Gründern nicht lukrativ genug zu sein.

Was fehlt, ist ein gemeinsames Zeichen der großen Player in der nordkalifornischen Tech-Industrie für die Bekämpfung der Dürre. Immerhin verschlucken die Konzerne im Silicon Valley auch nicht wenig Wasser in ihrer alltäglichen Arbeit. Wenn sich die Vertreter der Innovationsmetropole als weltrettende Veränderer sehen, dann sollten sie erst einmal das dringendste Problem ihrer Wirtschaftsregion lösen – und den nächsten Wäschelieferdienst erst einmal auf Eis legen.