Leopold Museum und Art Austria zeigen 52 Galerien

von Carolina Vinqvist / 20.03.2015

52 Galerien auf 2.600 Quadratmetern – es ist wieder so weit. Die Art Austria präsentiert zeitgenössische österreichische Kunst.

Es ist doch jedes Jahr das Gleiche: Kaum scheint die Sonne, verlassen alle ihre heimischen vier Wände und beleben Straßen, Parks und Plätze. Besonders beliebt in Wien: klar, das Museumsquartier. Die zurzeit ausgestellten und unglaublich unbequemen blauen Enzis werden gestürmt und so lange belagert, bis sich der letzte Sonnenstrahl hinter der Fassade des mumok versteckt. Und selbst das ist kein Grund zu gehen, denn auch ohne Sonne schmeckt der Spritzer gut.

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum das MQ so belebt ist. Seit der Vernissage am Mittwoch findet hier zum achten Mal die Art Austria statt. 2008 angelaufen, ist sie neben der Art Salzburg und der Vienna Fair eine der wichtigsten Kunstmessen Österreichs. Wolfgang Pelz hat als Leiter der drei Veranstaltungen somit definitiv eine Monopolstellung. Im Leopold zeigten auf 2.600 Quadratmetern und auf drei Ebenen 52 österreichische Galerien ihre Prunkstücke. Ursprünglich für Werke von 1920 bis 1980 angesetzt, wurde entschieden, den Zeitrahmen auszudehnen, um ein noch breiteres Feld zu erfassen. Dadurch schaffen es jetzt sowohl alte Größen wie Egon Schiele mit „Sitzender Akt mit gespreizten Armen und Beinen“ (1910) oder zeitgenössische Werke wie die des Gottfried Helnweins schmerzerfülltes „Selbstporträt“ (2008) in die Ausstellungsräume.

Hans Böhler

Liquidität vor Qualität

Für Galeristen bedeutet eine Teilnahme an führenden Kunstmessen vor allem eines: Standgebühr zahlen. Und das ist nicht unbedingt wenig. Im Schnitt werden über 400 Euro pro Quadratmeter verlangt. Das bedeutet für eine Ausstellungszeit von vier Tagen und circa 50 Quadratmetern Ausstellungsfläche mindestens 20.000 Euro. Viel davon merkt der Besucher natürlich nicht. Schick gekleidet, mit Fliege, Persol-Hornbrille und Cordjackett wird geschlendert, verhandelt und auch gekauft. Es darf nicht vergessen werden: Auch eine Kunstmesse ist eine ganz normale Verkaufsveranstaltung, ähnlich wie im Supermarkt, nur elitärer. Den Besuchern kann das allerdings egal sein. Die Art Austria bietet vor allem einen guten Überblick, welche Künstler auf dem österreichischen Markt an Relevanz gewonnen haben.

Besonders hypnotisierend präsentiert die Salzburger Galerie Gerlich die knallbunten Ölgemälde von Robert Hammerstiel. Vor allem seine Faszination mit New York hält der 1933 geborene Maler mit besonderer Präzision und Liebe fest. Vielleicht auch ein Grund, warum gerade diese Motive tendenziell mehr kosten als andere seiner Werke. Wiederum auf junge Talente setzt die Wiener Galerie Gerersdorfer, wie zum Beispiel Bianca Regl. Die 35-Jährige lebt und arbeitet derzeit in Beijing und wird bei der Art Austria mit ihren blauen Licht-und-Schatten-Porträts präsentiert. Die 60 x 50 Zentimeter großen Ölgemälde wirken wie eine Farbcollage, sie sind ausdrucksstark, melancholisch und vor allem eines: erschwinglich. Abhängig von der Bekanntheit der Künstler und der Größe der Werke variieren natürlich die Preise. Angefangen von 150 bis weit über 100.000 Euro – die Preisspanne ist groß. Aber auch für die, die nichts kaufen, lohnt sich der Besuch, denn nur hier hat man 52 bundesweite Galerien an einem Ort versammelt.

Die Art Austria findet bis zum 22. März 2015 statt.