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Leserzahlen dank Relaunch verdoppelt: NZZ.at feiert zweiten Abonnenten

von Fritz Jergitsch / 19.10.2015

Große Freude beim Österreich-Ableger der NZZ: Die Redaktion feiert nach dem erfolgreichen Komplett-Relaunch eine Steigerung der Leserzahlen um 100 Prozent. Heute Morgen meldete sich nämlich bereits der zweite zahlende Abonnent an.

Der einzige Abonnent war bisher ZIB-2-Moderator Armin Wolf. Der Journalist ist bekannt dafür, ausnahmslos jedes Medium zu abonnieren, von der Süddeutschen Zeitung über Der Modellbahnbauer bis hin zu Backrezepte für die westfälische Hausfrau.

Der zweite Abonnent stammt dagegen aus einer durchaus schwierigen Zielgruppe: „Es handelt sich um eine ältere Dame. Diese Bevölkerungsgruppe kann man ja nur erreichen, wenn das Produkt wirklich gut ist“, erklärt Chefredakteur Michael Fleischhacker der Tagespresse. „Daher freue ich mich besonders, meine Großmutter als zweite Abonnentin begrüßen zu dürfen.“

In der NZZ-Redaktion will man den inhaltlichen Kurs jetzt fortsetzen: „Wir wollen wie bisher kritisch auf die hohe Verschuldung von Staat und Bevölkerung hinweisen“, stellt Fleischhacker klar. Leider könne sich jedoch nicht jeder ein NZZ-Abo leisten, da die meisten zu hoch verschuldet sind.

Auch der Anmeldeprozess bei NZZ.at stellt eine Hürde dar, gesteht Fleischhacker ein: „Sehen Sie: Die anderen Medien muss man nicht einmal abonnieren. Der Staat inseriert so viel, dass man sagen kann: Wir alle haben die Abogebühren aller Medien bereits mit unseren Steuerzahlungen entrichtet.“

Doch auch biologische Hürden machen NZZ.at die Arbeit schwer, erklärt Medizinerin Claudia Hofer von der Uni Wien: „Die reizüberfluteten Gehirne von heute ertragen den Anblick der NZZ-Website nicht. Nirgendwo blinkt ein Werbebanner, nirgendwo brüllt ihnen Niki Lauda ‚Ich hab ja nix zu verschenken!!‘ entgegen!“ Die kognitive Belastung für das Hirn beim Lesen von NZZ.at ist vergleichbar mit jener, die ein Großstadtbewohner durchmacht, wenn er Urlaub am Bauernhof macht.

Bei NZZ.at schraubt man jetzt dennoch die Ziele nach oben. Der Zuwachs soll weitergehen; bei der jetzigen Wachstumsrate könnte man bereits im Jahr 534.000 Marktführer sein, flüstert Fleischhacker grinsend, während er sich effektvoll seine Fliegerbrille aufsetzt.

Man merkt: In der Redaktion herrscht Aufbruchsstimmung. Kurz bevor wir das NZZ.at-Büro verlassen, trifft in der Redaktion sogar der erste Leserbrief ein. Fleischhackers Großmutter ist unzufrieden und will das Abo kündigen, weil sie auf der Seite keine Kreuzworträtsel finden kann.

In Kooperation mit „Die Tagespresse