Lieber bekifft wählen als besoffen regieren. Oder?

von Michael Fleischhacker / 19.12.2014

Cannabis, sagen die Mediziner, ist eine der wirklichen Wunderwaffen der Natur gegen den menschlichen Schmerz als solchen. Auch der Verdacht, dass die alte Kulturpflanze unsere Kreativität befördern könnte, ist nicht ganz neu. Das Phantastische an Cannabis scheint zudem zu sein, dass der kreative Schub, den es auslöst, den Konsum nicht voraussetzt. Es reicht die bloße Beschäftigung mit dem Thema.

Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt machte die Sozialistische Jugend mit einer Kampagne für die kontrollierte Abgabe von Cannabis Furore, deren Slogan einen der eindrucksvollsten Belege für diese These bereitstellte: „Lieber bekifft ficken als besoffen fahren“.

Einen vergleichbaren Kreativitätsanfall erlitt dieser Tage Josef Prirschl. Herr Prirschl kandidiert als Wirtschaftsbund-Vertreter für die Fachgruppe Trafikanten bei der Wirtschaftskammer-Wahl. Im Gespräch mit dem STANDARD betonte Herr Prirschl, dass er keineswegs die Legalisierung von Cannabis wünsche oder gar fordere. Allerdings führe für ihn kein Weg daran vorbei, dass, sollte es doch zu einer solchen Legalisierung kommen, was er, wie gesagt, weder wünsche noch fordere, dass also in einem solchen Fall die Trafik als einziger möglicher Vertriebsweg infrage komme. Der Trafikant sei dem Apotheker, was die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen betrifft, hanfhoch überlegen. Weil nämlich: Die Missachtung des Jugendschutzes durch Trafiken werde bereits jetzt behördlich geahndet.

Josef Prirschl ist ein guter Mann. Er ist ein österreichischer Mann. Denn er hat zwei Dinge begriffen, die den Österreicher historisch zu der gefestigten Persönlichkeit gemacht haben, die er heute ist. Erstens: Man sollte sich auf das, was man nicht will, besonders gut vorbereiten, denn es wird hinterher von Vorteil sein, es immer schon gewollt zu haben. Zweitens: In der Verteidigung der Tugendhaftigkeit kann es nur von Vorteil sein, wenn man bereits bewiesen hat, dass man dazu nicht in der Lage ist. Das schafft Vertrauen.

Josef Prirschl ist der Sieg bei der Wirtschaftskammerwahl in der Fachgruppe Trafikanten praktisch nicht mehr zu nehmen. Wetten werden ab sofort angenommen.