Lieber nackt als gedemütigt

von Elisabeth Gamperl / 23.01.2015

Sie ist mutig, die dänische Journalistin Emma Holten. Sie hat ja auch einiges mitgemacht in den vergangenen vier Jahren: Ein Unbekannter hackte ihren Computer und klaute Nacktfotos. Seitdem wird sie immer wieder belästigt und gedemütigt, zu 90 Prozent von Männern („Wissen deine Eltern, dass du eine Schlampe bist?“) – und das vom Teenagerjungen bis hin zum Familienvater.

Holten wollte aber nicht länger machtlose Rubbelvorlage sein und startete eine Gegenkampagne. Sie ließ sich von einer Fotografin nackt fotografieren und wandelte sich damit „vom Objekt zum Subjekt“. Sie drehte den Spieß um und nutzte die gesellschaftliche Geilheit auf nackte Haut aus, um auf ihr Dilemma und das Phänomen der Rache-PornosMänner oder Frauen versuchen, ihre/n Ex-Partner/in zu demütigen, indem sie ohne Erlaubnis intime Bilder oder Videos ins Netz stellen. hinzuweisen. Mit blanken Brüsten erhält man eben mehr Aufmerksamkeit als mit erhobenem Zeigefinger.
Ihre Fotos sind nicht sexualisiert, aber leider etwas brav und verschüchtert. Es fehlt der „Fuck you“-Ausdruck in ihren Bildern. Es fehlt der nackte Mittelfinger. Vielleicht hätte auch der allein gereicht.