Mit dem Durchschnitt autark

von Matthäus Kattinger / 23.01.2015

Seit gut einem Jahr platzen die amtlichen Würdenträger des Burgenlandes fast vor Stolz. Die Landesregierung wird nicht müde, im Monatsrhythmus zu verkünden, dass das Land dank der vielen Windräder in der Stromversorgung autark sei. Da kann man nur hoffen, dass die Burgenländer nicht für bare Münze nehmen, was ein stolzer Landeshauptmann Hans Niessl am Freitag bei der Präsentation einer Studie zur Energieversorgung in Pamhagen erklärte. Laut Niessl wird nämlich der gesamte Strombedarf aller privaten Haushalte allein mit Windkraft gedeckt.

Was der einstige Pädagoge in Niessl nicht sagte, ist, wie er es schaffen will, dass er die Burgenländer dazu bringt, Strom bloß dann zu verbrauchen, wenn der Wind heftig genug weht. Nun ist Niessl unbestreitbar ein Meister der mit Steuergeldern lancierten politischen Propaganda – wie die zeitgerecht vor den Landtagswahlen präsentierten „nicht rückzahlbaren Zuschüsse für Haussanierer in Höhe von 1.000, 5.000 und 13.000 Euro“ zeigen –, doch politisch „Wind zu machen“ ist zu wenig, um die Autarkie des Landes in der Flaute sicherzustellen.

Getreu der windenergetischen Logik des Landeshauptmanns ließen sich auch andere – realitätsfremde – burgenländische Superlative kreieren. So könnte sich die burgenländische Fremdenverkehrswerbung die Philosophie des Durchschnitts zunutze machen und mit dem Slogan werben: „Wer Urlaub im Burgenland macht, braucht dazu weder Mantel noch Anorak, schon gar nicht Mütze oder Handschuhe“. Warum auch nicht – bei einer Jahres-Durchschnittstemperatur von 10 Grad Celsius.