Ölteppich des Schweigens

von Lukas Sustala / 06.11.2014
Weniger Umsatz, weniger Gewinn, mehr Probleme. Die OMV hat nach ihrem öffentlich ausgetragenen Führungskonflikt unter kräftiger Mithilfe der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG wirtschaftlich schwache Zahlen präsentiert. Die gesteckten Wachstumsziele fallen nun einem selbst verordneten Investitionsstopp zum Opfer. Dass der Öl- und Gaskonzern weniger Geld für neue Projekte in die Hand nehmen will, liegt auch an der nachlassenden eigenen Ertragskraft. Der Gewinn ist in den ersten drei Quartalen dieses Jahres mit 665 Millionen Euro so niedrig wie zuletzt im Krisenjahr 2009, das EBIT liegt noch knapp 40 Prozent über dem Wert 2009.

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Nach Ausreden für die schlechten Unternehmenszahlen musste das OMV-Management nicht lange bohren. Der Öl- und Gaskonzern leide am sinkenden Ölpreis und der schwachen globalen Konjunktur, externe Faktoren seien verantwortlich für die Schrumpfung von Österreichs – nach Umsatz und Betriebserfolg – größtem Unternehmen. So liest sich der Quartalsbericht. Von den Führungsquerelen rund um den scheidenden CEO Gerhard Roiss, dessen Vertrag wegen des Streits mit anderen Vorständen frühzeitig gekündigt wird, ist keine Rede.

Dabei ist die Lage auf den ersten Blick gar nicht so schlecht. Die OMV macht schließlich weiterhin Gewinne. Doch ein reiner Blick auf die Gewinnentwicklung verschleiert das Ausmaß der Krise bei Österreichs größtem Konzern. Die OMV hat in den vergangenen Jahren viel investiert – auch auf Pump. Die Bilanz ist von 21,4 Milliarden Euro auf 33,5 Milliarden Euro gewachsen, in der Nordsee wurde kräftig in Öl- und Gasfelder investiert. Doch der Gewinn sinkt trotz der Milliardeninvestitionen. Die Rendite aufs eingesetzte Kapital schrumpft damit immer weiter zusammen. Dass die jüngsten Investitionen zu einem Zeitpunkt gesetzt wurden, als der Schieferöl-Boom bereits in vollem Gange war, nehmen viele Investoren der Konzernspitze übel. Das Urteil ist klar: Die OMV-Aktie hat in den vergangenen Monaten viel schlechter abgeschnitten als Europas Ölsektor im Schnitt (gemessen am Stoxx 600 Oil & Gas Index).

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Darüber will das Management lieber den Ölteppich des Schweigens legen. Am Donnerstag wurde immerhin ein Strategie-Schwenk eingestanden, selbst wenn ihn der scheidende OMV-Generaldirektor Roiss nur widerwillig umsetzt. Man werde das „Investitionsprogramm für die nächsten zwei bis drei Jahre überprüfen“, schreibt er im aktuellen Quartalsbericht. Das wird heißen, dass der staatlich mitfinanzierte Expansionskurs der OMV gebremst wird.

Ausgerechnet die Republik könnte aber als 31,5-Prozent-Eigentümer weiter für Unruhe bei der OMV-Strategie sorgen. Denn auch die Führung in der ÖIAG wird in den nächsten zwölf Monaten ausgewechselt, Rudolf Kemler bleibt bis längstens Oktober 2015. Ob die Staatsholding eine weitere Expansion forcieren will oder die OMV zum Sparen zwingt, um vergangene Renditeerfolge zu wiederholen, weiß auch ÖIAG noch nicht. Dazu kommen noch andere Baustellen innerhalb der ÖIAG, beschäftigt doch nun auch der Börsengang der Post den Staatsanwalt und bei der Beteiligung der Telekom Austria gab es jüngst eine unangenehme und 400 Millionen Euro schwere Abschreibung.

Jetzt ist es freilich nicht so, dass alle Probleme der OMV hausgemacht sind. Der jüngste Rutsch beim Ölpreis hat auch andere internationale Konzerne wie Statoil unter Druck gebracht. Gerade in so einer Zeit ist aber eine handlungsfähige Mannschaft an Bord mit dem Mut zum Weitblick wichtig.