Platzt 2015 die Technologie-Blase?

von Elisabeth Oberndorfer / 16.01.2015

Wohin nur mit dem vielen Geld? Mit diesem Luxusproblem waren Risikokapitalgeber im Jahr 2014 konfrontiert. Die Menge an Investments bestätigt einmal mehr den Tech-Boom, andererseits deutet sie auch auf die Blase in der Start-up-Szene hin. Denn historisch betrachtet sind die Investments in vielen Fällen Torschlusspanik.

Biotech, Drohnen, Roboter

Bislang belächelten Investoren die Frage nach der Tech-Blase. Alles sei viel nachhaltiger als beim ersten Dot-com-Crash im Jahr 2000. Doch dieses Jahr floss so viel Risikokapital wie seit 2000 nicht mehr: 48,39 Milliarden US-Dollar steckten Kapitalgeber 2014 in Start-ups, informiert die National Venture Capital Association. Die positive Stimmung dürfte sich 2015 wenden. Selbst Business Angel Tim Ferriss, der als heimlicher Anführer der „Boys Club“-Bewegung im Silicon Valley gilt, beschwerte sich unlängst über hochmütige Gründer mit uninspirierten Ideen. Es gibt zwar mehr Geld, doch die Konkurrenz und die Anforderungen steigen, lautet der Tenor. Unternehmer, die in den USA mit der nächsten Video-App schnelles Geld machen wollen, können schon mal ihre Koffer packen. Denn 2015 sind Geschäftsideen mit Hand und Fuß gefragt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Mit der Übernahme von Boston Dynamics konzentriert sich Google künftig auf die Produktion von Robotern. (Bild: Boston Dynamics)

Robotics gelten als einer der wichtigsten Zukunftsmärkte, wenn auch weniger darüber geschrieben wird, da Roboter – noch – weniger sexy als Konsumenten-Apps sind. In den nächsten drei Jahren wird der Bedarf an industriellen Robotern jährlich um zwölf Prozent steigen, prognostiziert die International Federation of Robotics. Und Google hat sich für den Trend bereits gerüstet: Der Technologieriese hat für die nächsten 60 Jahre einen NASA-Flugplatz gepachtet, um dort automatisierte Maschinen zu entwickeln. Neben Robotics zählten auch Drohnen- und Biotech-Start-ups im vergangenen Jahr zu den Lieblingen der Venture-Kapitalisten.

2015 – das Jahr der Tech-Börsengänge

Nach einem Jahr der Zurückhaltung gibt es 2015 auch Hoffnung am Kapitalmarkt. Mehrere Tech-Unternehmen haben in den vergangenen Monaten ihren Börsengang verschoben, weshalb dieses Jahr das bisher wichtigste für Silicon-Valley-Größen an der Börse werden könnte. So gut wie sicher ist der Börsenstart von Box, einem Anbieter von Cloud-Speicher im Enterprise-Segment. 187 Millionen US-Dollar will das Unternehmen aus Los Altos am Kapitalmarkt einnehmen. Box wäre damit 1,6 Milliarden Dollar wert. Der Start an der New York Stock Exchange wird noch im Januar erwartet.

Auch das E-Commerce-Portal Etsy soll bereits im ersten Quartal den Gang an die Börse wagen. Mit einer Bewertung von zwei Milliarden US-Dollar will sich der Online-Shop-Betreiber 300 Millionen Dollar holen. Als die größten Tech-IPOs werden allerdings Uber und Airbnb gehandelt. Die Taxi-Alternative Uber ist mittlerweile mehr als 40 Milliarden Dollar wert. Ende des Jahres schloss das Unternehmen eine Finanzierungsrunde in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar ab – die Börse ist also der nächste logische Schritt. Doch Insider glauben, dass Uber lieber abwartet und erst 2016 bereit für den Kapitalmarkt ist. Das könnte auf die vielen rechtlichen Hürden und negativen Berichte, mit denen sich das Start-up derzeit herumschlagen muss, zurückzuführen sein. Wahrscheinlicher ist ein Börsengang von Airbnb. 2014 positionierte sich der Unterkunftsvermittler neu und will fortan ein Tourismusunternehmen sein. Mit 13 Milliarden Dollar ist das Portal schon jetzt mehr wert als viele große Hotelketten. Zu den weiteren Börsenkandidaten zählen Pinterest, Spotify und Snapchat.

Die Sorgenkinder im Silicon Valley

Silicon Valley hat jedoch auch prominente Sorgenkinder. Allen voran steht dabei Twitter: Nach mehr als einem Jahr an der Börse ist der Social-Media-Dienst noch immer kein Burner. Dieses Jahr soll deshalb CEO Dick Costolo seine Führungsrolle abgeben müssen. Ungewiss ist auch die Zukunft des Payment-Start-ups Square. Das Unternehmen von Twitter-Gründer Jack Dorsey verlor mit Starbucks vergangenes Jahr einen wichtigen Partner. Apple soll an einer Übernahme des Bezahldienstes interessiert gewesen sein, führte schließlich mit Apple Pay seine eigene Lösung ein. Für Square ist ein Exit in diesem Jahr wahrscheinlicher als ein Börsengang. Auch Yahoo muss sich mit ungeduldigen Investoren herumschlagen. Diese drängen darauf, dass der Konzern mit AOL fusioniert. CEO Marissa Mayer dementierte bislang diese Pläne.

Die Tech-Blase existiert, das können selbst die optimistischsten Silicon-Valley-Vertreter nicht mehr leugnen. 2015 müssen sich die Investoren und Gründer jedoch noch nicht vor dem großen Crash fürchten. Sinnvolle Investments wie im Robotics-Bereich, lukrative Exits und erfolgreiche Börsengänge können das Platzen der Blase vorerst verhindern. Sind diese jedoch weder sinnvoll noch lukrativ noch erfolgreich, so platzt sie spätestens 2016.