Plötzlich diese Klarheit

von Michael Fleischhacker / 04.02.2015

Heute früh bin ich zum ersten Mal vom fertig umgebauten Terminal C des Wiener Flughafens abgeflogen. Und wie ich da so sitze und mir überlege, wie ich der Stewardess diesmal erklären werde, warum ich mich nicht für eine der ausliegenden Papierzeitungen entscheide, sondern alle an mich raffe, gerade so, als hätte man mich gerade nach zehn Jahren aus einem Kellerverlies befreit, geht mir ein Licht auf.

Es ist nämlich so: Wenn man da sitzt und darauf wartet, Wien zu verlassen, kann einem leicht ein Licht aufgehen, weil in der Halle, die zu den Abflugfingern führt, sehr viel Licht ist. In dieser Abflughalle versorgt man nämlich geschätzte 450 Ausreisende mit ungefähr so viel Luft und Licht wie ein paar tausend Ankommende auf der anderen Seite des Gebäudes. Nur die immer schon da gewesenen Wartenden in der Ankunftshalle werden architektonisch ähnlich freundlich behandelt wie die Abfliegenden.

Da sitze ich also und warte auf den Billigflieger nach Zürich – alles andere ist beim derzeitigen Frankenkurs vollkommen indiskutabel – und denke mir: Plötzlich diese Klarheit! Ich hatte immer gedacht, dass ich das Konzept hinter diesem Flughafen, wenn es denn eines gäbe, nie verstehen würde, genauso wenig wie ich je verstehen würde, dass die Menschen, die dafür verantwortlich sind, dass dieser Flughafen ist, wie er ist, offensichtlich auf freiem Fuß sind.

Aber jetzt verstehe ich ihn, diesen Flughafen, und irgendwie auch dieses Land, das ich mit jedem Jahr, das ich als sein Staatsbürger verlebe, weniger verstanden habe: Wenn du das Land verlässt, ist alles gut. Wenn du schon immer da warst, ist es auch okay. Aber versuche nicht, hier anzukommen.

Verstanden, Österreich. Danke.