MAK-Ausstellungsansicht, MAK GALERIE, 2015, ANGEWANDTE KUNST. Alfredo Barsuglia. Cabinet

Privatsphäre ist tot

von Carolina Vinqvist / 05.03.2015

Der Künstler Alfredo Barsuglia geht mit seiner Ausstellung „Cabinet“ der Frage – oder vielmehr dem Gefühl – der Privatsphäre auf den Grund.

Während politisch und wirtschaftlich immer mehr privatisiert wird, können sich die Menschen drumherum zusehends weniger in ihren privaten Raum zurückziehen. Architektur wird transparenter, der Begriff vom gläsernen Menschen ist auch nicht neu und spätestens seit der Datenschutzdebatte wird die Frage nach der Privatsphäre großgeschrieben.

Wo sind die Grenzen? Dieser Frage geht der Grazer Alfredo Barsuglia nach, indem er die Besucher seiner MAK-Ausstellung mit einem Wohnraum einer uns völlig fremden Person konfrontiert. Es beginnt harmlos mit Vogelgezwitscher und Gemüse in Wassergläsern. Eine Anspielung auf Transparenz – Glas, das durchsichtige Material, das uns erlaubt zu beobachten, wie die halb tote Karotte irgendwie doch noch Wurzeln schlägt. Durch enge Korridore gelangt der Eindringling dann in die Küche einer Person, die am 16. April 2015 Besuch von Stefanie erwartet. Wer das ist, bleibt ungewiss, fragen kann man den abwesenden Bewohner ja nicht. Detailgetreu, fast gruselig wirkt Barsuglias Konstellation, die nur durch die Fensterausblicke verrät: Keine Sorge, das ist alles nur inszeniert!

Alfredo Barsuglia - Cabinet from MAK Wien on Vimeo.

Das Ganze erinnert ein wenig an Gregor Schneiders (die Zeit nennt ihn den „Geisterbahn-Bauer“) Großinstallation „Kunstmuseum“. Schneider setzt sich ebenfalls mit der Bedeutung und Konnotation von Räumen auseinander. In Bochum konnte die Ausstellung nur durch eine enge Rohrkonstruktion betreten werden und sorgte so bei dem einen oder anderen Besucher für Beklemmungsängste. Hier in Wien ist es zwar nicht ganz so schlimm, aber das unangenehme Gefühl eines Eindringlings entsteht trotzdem. Etwas erschrocken und beschämt über die eigene Neugierde wird das Cabinet dann wieder verlassen, in der Hoffnung, dass in der wahren Welt dann doch noch so etwas wie Privatsphäre besteht.

Jeden Dienstag nimmt sich der Künstler ab 20 Uhr Zeit, um zu diskutieren und Fragen zu beantworten. Die Ausstellung „Alfredo Barsuglia. Cabinet“ ist bis 10. Mai 2015 im MAK zu sehen.