Start-ups – eine leichte Beute für die Politik

von Elisabeth Oberndorfer / 12.02.2015

Nicht nur im Silicon Valley flirtet die Politik heftig mit den Start-ups. Jungunternehmer haben sich für österreichische Parteien als dankbare Zielgruppe herauskristallisiert, denn die Gründer lechzen nach Unterstützung und vergessen dabei politische Ideologien. 

„Wir müssen Start-ups in Österreich fördern“, appellierte Außenminister Sebastian Kurz auf der Bühne des Pioneers Festivals im Herbst 2014. Für seine Aussagen erntete der ÖVP-Politiker, der vor seinem Amtsantritt belächelt und verspottet wurde, enthusiastischen Applaus vom Publikum. Er könnte einer von ihnen sein: Würde Kurz einen Kapuzenpulli statt Anzug tragen, er ginge auch als Gründer durch.

Mr. Start-up der Regierung

Spätestens seit der Nationalratswahl 2013 hat die heimische Politik die neue Generation des Unternehmertums als ernstzunehmende Bevölkerungsgruppe anerkannt. Die Interessenvertretung „AustrianStartups“ sucht den Austausch mit allen Parteien und stößt dabei in den meisten Fällen auf offene Türen. ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer bezeichnet sich in einem Interview als „Mr. Start-up“ und „Chief Innovation Officer“ der Regierung. Die NEOS sehen sich als „Start-up-Lobby“ und präsentieren ihr neues Programm für die österreichische Gründerszene bei einem „Volksbarcamp“. Und auch bei der anstehenden Wirtschaftskammer-Wahl spielen die Selbstständigen eine wichtige Rolle. Die SPÖ lud am Donnerstag Jungunternehmer zu einer Klubenquete zu diesem Thema ein.

Außenminister Sebastian Kurz steht Pioneers-Organisator Andreas Tschas (links) und Runtastic-CEO Florian Gschwandtner für ein Selfie zur Verfügung. (Bild: Dragan Tatic)
Außenminister Sebastian Kurz steht Pioneers-Organisator Andreas Tschas (links) und Runtastic-CEO Florian Gschwandtner für ein Selfie zur Verfügung. (Bild: Dragan Tatic)
Außenminister Sebastian Kurz steht Pioneers-Organisator Andreas Tschas (links) und Runtastic-CEO Florian Gschwandtner für ein Selfie zur Verfügung.

Technologie-Branche zieht ins Weiße Haus

Auch im Silicon Valley gelten die Gründer als relevante Wählergruppe, die politischen Seilschaften werden dort etwas geschickter als in Österreich geführt. US-Präsident Barack Obama besuchte in den vergangenen zwei Jahren die Start-up-Szene immer häufiger und holte sich schließlich Google-Managerin Megan Smith als Chief Technology Officer ins Weiße Haus. Apple-CEO Tim Cook spricht demnächst bei einer Konferenz der Regierung und in San Francisco bildet sich bereits eine Unterstützergruppe für Hillary Clintons mögliche Präsidentschaftskandidatur.

Sogar die NEOS machen Stimmung in Kalifornien. Die neoliberale Partei hat mit ihrem „zehnten Bundesland“ eine Organisation für Auslandsösterreicher geschaffen. Der Unternehmer Martin Wallner vertritt diese Community in San Francisco und sorgt mit Livestreams von Events für den Austausch zwischen den zwei Welten.

Politik mit Silicon-Valley-Spirit

Eine, die nicht aus politischen Gründen ins Valley gegangen ist, ist die früherere SPÖ-Geschäftsführerin Laura Rudas. An der Graduate School of Business von Stanford ist sie in ihrem Programm nicht nur eine der wenigen Frauen, sondern auch die einzige Ex-Politikerin. Ob Rudas nach dem Studienabschluss in die heimische Politik zurückkehrt, ist ungewiss. Es wäre jedenfalls wünschenswert, dass jemand den Spirit aus dem Valley in das österreichische Parlament bringt. Verständlich wäre es aber, wenn sich die ehemalige Nationalratsabgeordnete das nicht antun will.

Dass Politik und Start-ups näher zusammenrücken, ist ein Zeichen dafür, dass das junge Unternehmertum sich professionalisiert und als wichtiger Beitrag zur Wirtschaft gesehen wird. Diese Entwicklung ist für beide Seiten zu begrüßen. Allerdings ist die Vernetzung auch mit Vorsicht zu genießen. Da Gründer und Selbstständige jahrelang ignoriert wurden, lechzen sie nach Aufmerksamkeit und freuen sich über jeden Förderer. Besonders junge Menschen vergessen dabei, dass Politiker nichts ohne Eigeninteresse machen und die Start-up-Politik nur ein kleines Element des Gesamtprogramms ist. Die allgemeine politische Ausrichtung der Parteien darf nicht vergessen werden. Denn die zählt im Kontext mehr als nur ein neues Crowdfunding-Gesetz oder Steuererleichterungen für Gründer.