Und wieder ein Spitzenplatz für M. Häupl bei der Demütigungs-WM

von Michael Fleischhacker / 18.03.2015

Man kann das Thema Werbeschaltungen der öffentlichen Hand im Allgemeinen (meldepflichtig seit Gültigkeit des Medientransparenzgesetzes) und der Stadt Wien im Besonderen natürlich ernsthaft angehen, wie das der Kollege Renner heute früh – ausgerechnet auf Twitter – versucht hat:

Das führt dann dazu, dass die Branchenauskenner untereinander eine wirklich interessante, jeweils mit plausiblen Argumenten operierende Debatte beginnen, wie genau man denn messen könne, ob nun durch die millionenschwere Inseratenvergabe durch die Stadt Wien eher der Boulevard oder eher die Qualitätsmedien asymmetrisch profitieren. Kollege Renner hat, ordentlich wie er ist, eine zweite Statistik nachgeliefert, in der nicht nur ein Quartal, sondern das ganze Jahr 2014 erfasst ist:

Und natürlich stimmt das alles jetzt noch immer nicht: Wir wissen ja nicht, wie viel die medialen Anfütterer aus der Stadt Wien, die man mit freiem Auge nach wie vor nicht von den Anfütterern aus der SPÖ Wien unterscheiden kann, für ihr Geld jeweils an Fläche bekommen haben. Und wir wissen nicht, was man ihnen für die Millionen, mit denen sie die Wiener Gratiszeitungszombies als Untote am Fast-Leben erhalten, sonst noch gibt. Man kann es nur erahnen, wenn man die Nerven hat und sich durch die Buchstabenmüllhalden gräbt, die da täglich in den Dankbarkeitsabteilungen der Häuser Fellner und Dichand produziert werden.

Man kann es aber auch einfach so machen wie der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, der sich auf seiner elliptischen Umlaufbahn um die Wiener Realität kurzfristig dem Boden angenähert haben muss, um seinem ehemaligen Mitarbeiter Werner Faymann, der gegenwärtig als Kanzlerdarsteller im Ballhausplatz-Ensemble engagiert ist, zuzurufen: „Gusch, Oida.“

Das hat der Wiener Bürgermeister natürlich nicht wörtlich so gesagt. Wörtlich hat Herr Häupl auf die Aufforderung Werner Faymanns hin, man möge sich doch auf Länderebene mit den Regierungsinseraten etwas zurückhalten, geantwortet: „Er macht, was er will, wir machen, was wir wollen.“ In der Wiener Vorstadt würde man das am ehesten mit „Geh …, Oida“ übersetzen.

Inhaltlich muss man Michael Häupl schon auch ein wenig verstehen: Dass ausgerechnet der Liesinger Inseratenmacchiavelli Faymann dem Ottakringer Principe Häupl etwas über freiwilligen Anzeigenmachtverzicht erzählen will, zeugt nicht nur von der heuchlerischen Begabung des Bundeskanzlers. Man muss es auch als fast formelle Bitte um eine Sonderabreibung interpretieren.

Naturgemäß ließ sich Michael Häupl, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten bei allen Arroganz- und Demütigungsweltmeisterschaften Spitzenplätze belegt hat, nicht zweimal bitten. Prinzipiell, sagte er, höre er in Inseratenfragen natürlich schon auf den Kanzler. „Weil davon versteht er was.“

Selbst wenn man in Sachen Demütigung über etwas Lebenserfahrung und durchaus auch Lust an der Sache verfügt – und also weiß, dass Mitleid zu den ganz ausgereiften Methoden der Demütigung gehört –, kann man vom Wiener Bürgermeister noch etwas lernen, wenn es darum geht, das Lob als Kunstform der Demütigung zu kultivieren.