Rodi Said / Reuters

Vertreibung der Extremisten aus Manbij

Der IS befindet sich auf der Verliererstraße

von Inga Rogg / 14.08.2016

Die von Kurden angeführten syrischen Kämpfer haben sich gegen den IS bewährt. Wie im Irak erschwert die Dominanz der Kurden auch in Syrien das weitere Vorgehen gegen die Extremisten.

Kurdische Kämpfer im Nordirak haben am Sonntagmorgen einen Angriff auf Stellungen des Islamischen Staats (IS) nahe der Grossstadt Mosul begonnen. Unterstützt von amerikanischen Luftangriffen, rückten Peschmerga-Einheiten in IS-kontrollierte Gebiete südöstlich von Mosul vor. Nach Angaben von Kommandanten gelang es den Peschmerga, bis Mittag sechs Dörfer einzunehmen. Die Extremisten leisten aber offensichtlich heftige Gegenwehr. Mindestens drei Peschmerga, aber auch ein Kameramann des Fernsehsenders „Kurdistan TV“ wurden getötet, wie mehrere kurdische Medien berichteten.

Vertreibung der Fanatiker

Eine Grossoffensive auf Mosul steht nicht bevor, diese soll erst im Herbst beginnen. Mit dem Angriff wollen die Peschmerga den Druck auf den IS jedoch aufrechterhalten. Mehrere hundert Kilometer westlich, in Syrien, haben die Extremisten mit dem Verlust von Manbij eine schwere Niederlage erlitten. Nach mehr als zwei Monaten schwerer Kämpfe eroberten die „Syrian Democratic Forces“ (SDF), wie kurz berichtet, die Stadt am Freitagabend.

Die verbliebenen Einwohner – die meisten waren vor den Kämpfen und Luftangriffen geflohen – feierten die Vertreibung der Fanatiker. Videoaufnahmen und Bilder zeigten Frauen, die den Vollschleier abwarfen, und Männer, die sich die Bärte abschnitten. Die ersten Bewohner kehrten am Wochenende zurück, aber viele Häuser sind zerstört oder mit Sprengsätzen vermint. Mit Manbij hat der IS eine weitere strategisch wichtige Stadt verloren. Der Ort am westlichen Euphrat-Ufer war der zentrale Knotenpunkt für ausländische Jihadisten, die in die syrische IS-Hauptstadt Rakka oder von dort zurück nach Europa wollten.

Die IS-Gegner haben jetzt die Möglichkeit, die Extremisten von Manbij aus in drei Richtungen anzugreifen: Sie können nach Norden in Richtung der syrisch-türkischen Grenzstadt Jarablus, nach al-Bab im Südwesten oder nach Rakka im Südosten vorstossen. Ähnlich wie im Irak, wo die Spannungen zwischen den Kurden und der Regierung in Bagdad die Offensive auf Mosul erschweren, überschatten lokale und regionale Spannungen auch den Kampf gegen den IS in Syrien. Amerikanische Kommandanten loben die Kampf- und Opferbereitschaft der SDF. Doch das Bündnis wird von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) dominiert. Deren Ziel ist es vor allem, das IS-Gebiet entlang der Grenze mit der Türkei unter ihre Kontrolle zu bringen. Ankara will das unbedingt verhindern und lehnt deshalb einen SDF-Vorstoss in Richtung Jarablus ab.

Wie in Mosul setzen die Amerikaner, die den SDF zusammen mit den Franzosen mit Spezialeinheiten zur Seite stehen, darauf, den IS in der Grossstadt Rakka einzukesseln. Am Sonntag gab es erste Anzeichen dafür, dass das SDF-Bündnis als Nächstes auf al-Bab vorrücken will. In Manbij riefen sie den „Militärrat al-Bab“ zur „Befreiung“ der Stadt ins Leben.

Keine Ruhepause für Aleppo

Die Stadt östlich von Aleppo ist freilich wie Manbij nicht nur mehrheitlich arabisch, sie war bis zur Eroberung durch die IS-Extremisten auch eine Hochburg der syrischen Rebellen. Für diese ist die YPG freilich ein rotes Tuch. Im Frühjahr überrannten die Kurden im Schatten russischer Luftangriffe die jahrelang von Rebellen kontrollierte Stadt Tell Rifat und trugen damit dazu bei, die Nachschubroute aus der Türkei zu kappen.

Derweil halten die Kämpfe um Aleppo trotz der von Russland angekündigten täglich dreistündigen Waffenpause unvermindert an. Nach Angaben von Aktivisten forderten syrische und russische Luftangriffe in und um Aleppo sowie in der Nachbarprovinz Idlib mehr als 60 Tote. In der Nähe von Damaskus und in Homs kam es ebenfalls zu schweren Kämpfen und Luftangriffen.