Imago

Verunsicherte Investoren: Die Saudi haben ein Vertrauensproblem

Meinung / von Dominik Feldges / 07.09.2016

Die Machthaber in Riad haben für die saudische Wirtschaft grosse Pläne. Doch Anleger treibt zurzeit vor allem die Frage um, wie stark die Erdölbaisse die Firmen des Landes noch schwächen wird.

Der als „Vision 2030“ angepriesene Plan der saudischen Regierung zur Transformation der einheimischen Wirtschaft enthält ein gerüttelt Mass an ehrgeizigen Zielen. So soll beispielsweise nicht nur die grosse Abhängigkeit vom Erdölsektor durch milliardenschwere Investitionen in andere Branchen wie eine eigene Waffenindustrie verringert werden. Den Machthabern in Riad schwebt auch vor, einheimische Arbeitskräfte, die bisher, wenn überhaupt, vor allem als Staatsangestellte gearbeitet haben, stärker in die Privatwirtschaft einzubinden. Dabei sind Frauen, die zurzeit meist nur eine marginale Rolle im saudischen Wirtschaftsleben spielten, explizit mitgemeint.

Anleger an der Börse von Riad haben sich durch den im Juni präzisierten Plan aber nicht begeistern lassen. Mit einem Verlust von rund 10% seit Anfang Jahr (gemessen an der Entwicklung des Tadawul-All-Share-Index) zählt der saudische zurzeit zu den schwächsten Aktienmärkten weltweit. Investoren treibt die Frage um, welche Folgen die fortgesetzte Schwäche des Erdölmarktes noch auf die Wirtschaft des Königreichs haben könnte. Stark unter Druck stehen bereits Baufirmen, die gegenwärtig kaum noch Aufträge von der mit einem riesigen Haushaltsdefizit konfrontierten Regierung erhalten. Auch Zahlungen für schon abgeschlossene Arbeiten bleiben oft aus, was zunehmend zu einem Problem für die Banken des Landes zu werden droht. Diese haben Bauunternehmen seit langem grosszügig mit Krediten versorgt.

Um seine kühne Vision in die Tat umzusetzen, ist das saudische Königshaus nicht nur auf Know-how, sondern auch auf Kapital aus dem Ausland angewiesen. Anfang dieser Woche sind für internationale Investoren an der Börse von Riad geltende Restriktionen zwar erneut gelockert worden. Doch angesichts des garstigen Wirtschaftsumfelds dürften diese ebenso wie einheimische Anleger dadurch kaum in Kauflaune geraten.