Vielgeehrtes Österreich: Die Verdienstzeichen der Republik

von Moritz Moser / 12.02.2015

Ehre, wem Ehre gebührt. Die Republik Österreich vergibt Verdienstzeichen in 14 Rangstufen an herausragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und an Politiker. Auf dem Opernball findet jährlich eine Ausstellung am lebenden Objekt statt. Vom Groß-Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich bis zur Silbernen Medaille (die Bronzene wird nicht mehr verliehen) kann vom Bundespräsidenten bis zur Bezirksvorsteherin jeder standesgemäß dekoriert werden.

Verdienst mit Selbstbehalt

Ab einer gewissen Anciennität wird Staatsdienern bestimmter Verwendungsgruppen für gewöhnlich freigestellt, ob sie mit einem Hofratstitel oder einem Ehrenzeichen bedacht werden möchten. Der Titel, wenn knapp vor der Pension verliehen auch als „Grabsteinhofrat“ bekannt, hat den Vorteil, dass man ihn das ganze Jahr über tragen kann. Außerdem müssen Ehrenzeichen bis zu einer gewissen Stufe von den Geehrten selbst bezahlt und beim Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst zu allem Überdruss von den Angehörigen nach dem Tod der Dekorierten auch noch zurückgegeben werden. Eine ähnliche Regelung beim normalen Ehrenzeichen wurde erst 2007 geändert.

„Hofrat“ ist zwar ein Allwettertitel, am Opernball geht er im Glanz der anwesenden Ehrenzeichenträger aber leicht unter. Da macht sich eine schmucke Emailplakette schon bedeutend besser. Natürlich muss man bei der Einstufung der eigenen Bedeutsamkeit darauf setzen, dass beim Gegenüber ausreichend Expertise vorhanden ist. Ein Großes Silbernes Ehrenzeichen am Bande ist schließlich mehr wert als ein Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern.

Die Besten der Besten

Die höchste Stufe – nach dem internationalen Vergleichssystem eine Sonderstufe zum Großkreuz – der Groß-Stern, wird nur an den Bundespräsidenten und an verdienstvolle ausländische Staatschefs wie Tito oder Ferdinand Marcos verliehen. Seine Träger und die Inhaber der beiden folgenden Ehrenzeichenstufen (Großes Goldenes und Großes Silbernes Ehrenzeichen am Bande) haben auch das Recht, das Großkreuzband zu tragen. Die Schärpe, deren mittlerer weißer Streifen etwas schmäler ist als die beiden umgebenden roten, markiert auf dem Opernball für gewöhnlich aktuelle wie ehemalige Mitglieder der Bundesregierung. Sie sind es nämlich, denen die zweite und dritte Stufe des österreichischen Verdienstzeichens vorzugsweise verliehen wird. Damen erhalten übrigens eine schmälere Schärpe.

Die Mitglieder der Bundesregierung schlagen nach einiger Zeit im Amt dem Bundespräsidenten vor, er möge ihnen selbst entsprechende Ehrenzeichen verleihen. Das ist zwar nicht besonders schön, aber die Bundesregierung ist als einziges Organ antragsberechtigt und kann ja nicht ungeschmückt am Opernball auftauchen.

Die Details zum Ehrenzeichengesetz hat die Regierung im Verordnungsweg geregelt. So dürfen die Angehörigen verstorbener Ehrenzeichenträger, mit Ausnahme des erwähnten Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst, das Ehrenzeichen zwar behaltenBeim Ehrenzeichen sind sowohl der Träger als auch dessen Erben immer nur Besitzer, nie aber Eigentümer des Ehrenzeichens. Sie dürfen das Zeichen also behalten, es aber weder zerstören noch verschenken noch verkaufen., es aber nicht verkaufen: „Die Dekorationen des Ehrenzeichens bleiben Eigentum des Bundes. Sie sind kein Gegenstand des rechtsgeschäftlichen Verkehrs.“

Orden für alle

Die zwischen 1945 und 2012 verliehenen Ehrenzeichen füllen eine 2034 Seiten lange Liste, die durch die Großmütigkeit der Bundesregierung und die Verdienste der von ihr Ausgezeichneten laufend erweitert wird. Administrativ abgewickelt werden die dekorativen Angelegenheiten des Bundes von der Ehrenzeichenkanzlei in der Präsidentschaftskanzlei, die vom Kabinettsdirektor, dem immerhin formal höchstrangigen Beamten der Republik, höchstselbst gleitet wird.

Neben dem Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und der Auszeichnung für Wissenschaftler und Künstler verleiht der Bund noch weitere Ehrenzeichen. Darunter ist jenes für die Befreiung Österreichs, wobei die Zahl der Verleihungen durch das zunhemende Alter der ohnehin kleinen Zahl an österreichischen Befreiern stetig zurückgeht.

Es wäre nicht Österreich, wenn nicht auch jedes der Bundesländer mehrstufige Verdienstzeichen verleihen würde. Tirol und Vorarlberg haben sogar das Ordenswesen wiederbelebt und nehmen verdienstvolle Personen in den Adler- bzw. den Montfortorden auf. Ein nennenswertes Ordensleben – zur Mitgliedschaft gehören im Gegensatz zur bloßen Verleihung von Verdienstzeichen für gewöhnlich gewisse Aktivitäten – hat sich allerdings nicht entwickelt.

Und weil jeder ordentliche Österreicher irgendwann in seinem Leben einmal ausgezeichnet sein will, schütten Bund und Länder noch weitere Auszeichnungen an Feuerwehrleute, Wehrdienstleistende, besonders lang ansässige Bauernfamilien oder Mitglieder von Gemeindesicherheitswachen aus. Deren Träger schaffen es aber eher selten auf den Opernball.