Vom selbst verursachten und unwürdigen Ende des Ferdinand Piëch

von Michael Rasch / 27.04.2015

Ferdinand Piëch ist gegen eine Wand geprallt, die Wirklichkeit heißt. Sein lange erfolgreicher Führungsstil führte nun zu seinem unwürdigen Scheitern. Der VW-Patriarch hegte die Idealvorstellung einer höchstkarätigen inneren Mannschaft von fünf bis zehn Personen, deren Zusammenspiel nur einer im Detail lenkt. Entsprechend hat er die Aktiengesellschaft VW über 22 Jahre lang geführt. Kühl abservierte Manager pflasterten in dieser Zeit seinen Weg. Mit der einmal mehr öffentlichen Desavouierung und nun gescheiterten Absetzung des jetzigen Konzernchefs Martin Winterkorn nimmt nun offensichtlich auch dieser Führungsstil ein Ende – und Piëch scheitert damit an sich selbst.

Als Chef des Aufsichtsrates hatte Piëch gute Gründe, Winterkorns Bilanz zu kritisieren. Der Leistungsausweis des erfolgreichen Winterkorn hat wie wohl bei jedem Konzernchef auch Schwachstellen. Dazu zählen der lausige US-Geschäftsgang, das fehlende Billigauto und die geringe Rentabilität der Kernmarke VW. Vor allem bei Letzterem geht es beim Weltkonzern aus Wolfsburg ans Eingemachte, das scheint Piëch diesmal unterschätzt zu haben. Mangelnde Rentabilität wird in Wolfsburg mit der Gefahr von Arbeitsplatzverlusten gleichgesetzt. Der Aufsichtsrat ist jedoch paritätisch mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzt. Zudem stellt Niedersachsen als Großaktionär zwei weitere von insgesamt 20 Aufsichtsräten. Piëch hat es angesichts dieser Konstellation versäumt, vor seiner öffentlichen Attacke auf Winterkorn intern Allianzen zu schmieden. Dieser Mangel an Sensibilität deutet darauf hin, dass er die Realität im Konzern nicht mehr richtig eingeschätzt oder seine eigene Macht stark überschätzt hat.

Ferdinand Piëch gehört zu den herausragenden Unternehmenslenkern des 20. Jahrhunderts. Manche sehen ihn auf einer Stufe mit Henry Ford, Ferdinand Porsche und Eiji Toyoda, obschon der Vergleich etwas hinkt. Jedenfalls hätte der 78-jährige Piëch einen besseren Abschied verdient. Noch mehr wird ihn selbst schmerzen, dass er bei den anstehenden Personalien in „seinem“ Konzern großen Einfluss bei der Sicherung seines Lebenswerks verloren hat. Daran ist aber Piëch mit seinem ungestümen Vorgehen im Alleingang selber schuld.